100.000 Kilometer ausgewertet: Das können Lastenräder in Unternehmen leisten
Das Deutsche Zentrum für Luft und Raumfahrt (DLR) hat im Projekt „Ich entlaste Städte 2“ untersucht, wie sich Lastenräder und elektrische Leichtfahrzeuge (LEVs) in Unternehmen einsetzen lassen. Unter den richtigen Bedingungen lohnen sich die Fahrzeuge für das Klima und die Kasse.
(erschienen in VELOPLAN, Nr. 01/2026, März 2026)
2021 lieferte das DLR mit dem Projekt „Ich entlaste Städte“ bereits wichtige Erkenntnisse zu Lastenrädern in der betrieblichen Mobilität. Nun wurden in der vergangenen Woche nach vier Jahren Laufzeit die Ergebnisse des Nachfolgeprojekts „Ich entlaste Städte 2“ präsentiert. Dafür wurden für mehr als 40 Unternehmen aus Handwerk, Gewerbe und Logistik Lastenräder und elektrische Leichtfahrzeuge bereitgestellt und untersucht, wie sie diese im Arbeitsalltag einsetzten. Mehr als 100.000 Kilometer wurden gefahren und mit der Großanlage „MovingLab“ getrackt. Zusätzlich führte das Team des DLR zahlreiche Interviews mit den Nutzer*innen.
„Unsere Daten zeigen, dass solche Fahrzeuge für Unternehmen wirtschaftlich sehr interessant sein können. Gleichzeitig haben sie großes Potenzial, unsere Städte von Verkehrslärm, schädlichen Emissionen und Überlastung zu befreien. Sie sind aber keine Selbstläufer und müssen für jedes Unternehmen individuell ausgewählt und eingesetzt werden“, fasst Dr. Johannes Gruber, Leiter des Projekts am DLR-Institut für Verkehrsforschung in Berlin, zusammen. „Zum ersten Mal haben wir wissenschaftlich fundiert herausgearbeitet, was dabei die Erfolgsfaktoren sind, um Lastenräder und elektrische Leichtfahrzeuge dauerhaft in die Flotten von Unternehmen zu inte-grieren und zum Beispiel Pkw oder kleine Transporter zu ersetzen.“
30
Kilometer am Tag seien dank Elektroantrieb auch für Lastenrad-Neulinge machbar.
Besonders oft wurden am Tag zwischen
8 und 18 Kilometer per Lastenrad zurückgelegt.

Sechs Punkte für erfolgreichen Umstieg
Indem sie die Fahrdaten und Interviews auswerteten, ergab sich für die Forschenden ein klares Muster. Jene Unternehmen, die auch nach dem Test weiter auf Lastenräder und LEVs setzten, haben einiges ähnlich gemacht. Eine sechs Punkte umfassende Checkliste für die Praxis soll zeigen, wie Unternehmen idealtypisch handeln können.
- Umstellung der Fahrzeugflotte als Transformationsprojekt verstehen
Lastenräder und LEV seien für die meisten Unternehmen neue Fahrzeugkategorien, so die Forschenden. Um sie in die Prozesse zu integrieren, müssen sie angepasst sein. Es bedarf eines aktiv gestalteten Wandels und der Bereitschaft zu Veränderungen und Lernen. - Konkrete Szenarien für Nutzung festlegen und optimieren
Die erfolgreichen Unternehmen eint, dass sie im Projekt entweder genau wussten, für welche Fahrten sie die Testfahrzeuge nutzten oder kreativ dabei waren, neue Einsatzbereiche im laufenden Betrieb zu entdecken. Die Analyse der Fahrtprofile zeigte, dass sich bestehende Fahrten teils eins zu eins auf die neuen Fahrzeuge verlagern ließen oder diese sich geschickt mit vorhandenen Transportern kombinieren ließen. Gerade für immer wieder vorkommende gleiche Transportaufgaben, etwa in vielen Dienstleistungsbranchen oder Gewerken, seien Lastenräder gut geeignet. Bis zu 30 Kilometer am Tag seien dank Elektroantrieb auch für Lastenrad-Neulinge machbar. Besonders oft wurden am Tag zwischen 8 und 18 Kilometer per Lastenrad zurückgelegt. - Vorteile von Lastenrädern gezielt nutzen
Lastenräder bieten einige Vorteile gegenüber Pkw. Man könne am Stau vorbeifahren, Abkürzungen nutzen, müsse keinen Parkplatz suchen oder längere Fußwege am Zielort in Kauf nehmen. Durch die resultierende Zeitersparnis waren einige der teilnehmenden Unternehmen in der Lage, mehr Aufträge pro Tag zu erledigen. Vorteilhaft ist zudem, dass auch Mitarbeitende ohne Führerschein alleine unterwegs sein können. - Alle Ebenen des Unternehmens einbinden
Als weiteren Erfolgsfaktor konnte das DLR-Team identifizieren, dass es neben einer vom Einsatz von Lastenrädern überzeugten Leitung die Begeisterung der Mitarbeitenden für diese Fahrzeuge benötigt. Empfehlenswert sei, die Belegschaft möglichst früh einzubinden und Mitsprache zu ermöglichen. In größeren Unternehmen sei weiter ein aktives Fuhrpark- und Projektmanagement von Vorteil. - Probefahrten im Berufsalltag
Ob ein konkretes Fahrzeugmodell passt, hänge von vielen Faktoren ab: zum Beispiel den zu transportierenden Gütern, der Reichweite der Batterie oder dem Fahrgefühl. Um das richtige Modell zu finden, seien Probefahrten im Berufsalltag wichtig. Als hilfreich stellte es sich ebenfalls heraus, bei der Beschaffung der Fahrzeuge lokale Handels- und Servicebetriebe zu nutzen und für spätere Wartungsaufträge einzubinden. - Wirtschaftliche Vorteile individuell berechnen mit DLR-Online-Tool
Lastenräder liegen in den Betriebskosten unter konventionellen Kfz. Sie eignen sich deshalb besonders dafür, eine bestehende Flotte zu ergänzen oder gering ausgelastete kleine Transporter oder Pkw zu ersetzen. So seien Einsparungen im drei- bis vierstelligen Bereich möglich. Die Gründe: Energiekosten von rund 50 Cent pro 100 Kilometer, Wartungs- und Reparaturkosten von 10 bis 20 Cent je Kilometer sowie niedrige Versicherungsprämien.
Checkliste und Online-Rechner
„Was uns überrascht hat, war die große Bandbreite an Faktoren, wann für ein Unternehmen ein Nutzungsszenario ein voller Erfolg war: Manche Unternehmen nutzten das Lastenrad täglich mit Fahrleistungen von 30 Kilometern und mehr. Andere Betriebe waren mit vier Kilometern am Tag oder auch nur einem Einsatztag pro Woche bereits vollauf begeistert“, schildert DLR-Forscher Gruber die Erfahrungen. Auch in eher unerwarteten Branchen ließen sich wirtschaftliche Einsatzzwecke finden. So setzte ein Tiefbau-Unternehmen ein Lastenrad mit Anhänger ein, um Verkehrsschilder an Baustellen aufzustellen.
Für Unternehmen stellt das DLR umfassendes Material zur Verfügung, um wirtschaftlich tragfähige Entscheidungen bei Anschaffung und Einsatz von Lastenrädern und LEV treffen zu können. Ein Online-Rechner soll es ermöglichen, Kosten von Lastenrädern und LEVs mit konventionellen Fahrzeugen zu vergleichen. Dabei werden Unterschiede bei Geschwindigkeiten, Betriebskosten, Lohnkosten und der CO2-Ausstoß berücksichtigt. Leitfäden und weitere Materialien zum Herunterladen vermitteln außerdem praxisnahe Prüfkriterien und Handlungsempfehlungen.
Bilder: DLR – Amac Garbe

DLR – Amac Garbe
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