(erschienen in VELOPLAN, Nr. 02/2026, Juni 2026)

Neue T3-Studie

Diensträder sind Gamechanger im überlasteten Berufsverkehr

Das Potenzial von Diensträdern ist für den Einzelnen, aber auch für die Gesellschaft vielfältig. Dass Diensträder dazu taugen, den Berufsverkehr zu entlasten, das hat jetzt eine Studie des T3 Transportation Think Tanks herausgefunden.

Im Kern zeigt die Studie Folgendes: Der Besitz eines Dienstrads erhöht signifikant die Wahrscheinlichkeit, manchmal bis meistens mit dem Rad zur Arbeit zu pendeln, nämlich um 54 Prozent im Vergleich zu Personen ohne Dienstrad. Hinzu kommt, dass E-Bikes einen sehr hohen Anteil der Diensträder im Umlauf ausmachen. Die Verfügbarkeit eines E-Bikes erhöht für Gelegenheits- und Vielfahrer die Wahrscheinlichkeit, häufiger mit dem Rad zu fahren, signifikant.Dies ist der Fall sowohl auf dem Arbeitsweg als auch im sonstigen Alltag.
„Unsere Analyse verdeutlicht, dass Diensträder vor allem beim Pendeln einen Unterschied machen. Insbesondere erhöht es die Wahrscheinlichkeit, dass Menschen gelegentlich bis häufig mit dem Rad zur Arbeit fahren – und zwar selbst dann, wenn wir weitere Faktoren wie Einstellungen oder die Verfügbarkeit von E-Bikes und anderen Verkehrsmitteln berücksichtigen“, erklärt Leitautorin Janina Welsch vom T3. „Es ist weitere Forschung nötig, die beispielsweise genauer erklärt, wie das Dienstradleasing die Fahrradnutzung über verschiedene Zeiträume hinweg beeinflusst.“
Wie sich dies positiv auf die Situation im oftmals überlasteten Berufsverkehr auswirkt, fasst Wasilis von Rauch, Frontmann beim Branchenverband Zukunft Fahrrad, so zusammen: „Das Dienstrad ist ein Gamechanger für den täglichen Arbeitsweg. Der Stau zur Rushhour kann damit verringert werden auch für die, die kein Fahrrad nutzen können oder möchten. Und wenn mehr Berufstätige ihre Pendelstrecke mit dem Rad oder E-Bike zurücklegen, kommen Millionen Menschen effizienter, zuverlässiger und pünktlicher zur Arbeit“ so Wasilis von Rauch. Und in Richtung Politik sagt er: „Sehr viel mehr Menschen könnten aufs Dienstrad umsteigen, wenn der Gesetz­geber den Unternehmen einen sicheren Rechtsrahmen schafft und den Nutzenden eine bessere Infrastruk­tur.“

(jw)


Begeisterung fürs Radfahren

Carlsen Verlag und ADFC kooperieren bei Kinderbuch Marke

Der Carlsen Verlag startet die neue KinderbuchMarke Superbikes, in der Fahrräder als fantasievolle Figuren mit Persönlichkeit die Hauptrollen spielen. Der ADFC tritt dabei kräftig mit in die Pedale.

Die Superbikes machen Fahrräder aller Art, von Hollandrädern über Mountain- und Cargobikes bis hin zu Renn-, Polizei- oder Feuerwehr-Bikes, zu einer lebendigen Figurenfamilie ganz unterschiedlicher Persönlichkeiten. Die humorvollen Geschichten orientieren sich eng an der Lebenswelt von Kindern und greifen deren Bedürfnisse nach Freundschaft, Mut und gemeinschaftlichen Abenteuern auf. Mit der Empfehlung der Kinderbücher will der ADFC die Begeisterung von Kindern für das Radfahren stärken. Dr. Caroline Lodemann, ADFC-Bundesgeschäftsführerin, sagt: „Selber in die Pedale treten, mit dem Rad zur Schule fahren und schließlich mit Freunden die ersten Runden drehen – das sind Meilensteine in der Entwicklung von Kindern. Der ADFC setzt sich für sichere Schulwege und die selbstständige Mobilität von Kindern ein, denn Fahrradfahren ist gut für die Koordination, Beweglichkeit, Selbstständigkeit, und vor allem macht es Spaß! Genau diesen Spaß am Radfahren greift die neue Kinderbuchserie vom Carlsen Verlag auf, in der das Fahrrad die Hauptrolle spielt.“


(jw)


Steigende Unfallzahlen mit Radfahrern

Verbände fordern Politik zum Handeln auf

Die Zahl der im Straßenverkehr getöteten Radfahrenden ist erneut gestiegen. Das geht aus dem im April veröffentlichten Unfallbericht des Statistischen Bundesamtes hervor. Welche Forderungen von Verbandsseite angesichts dieser Entwicklung an die Entscheider in der Politik gerichtet werden.

Nachdem im Jahr 2024 noch 445 Menschen auf dem Fahrrad ums Leben kamen, erhöhte sich diese Zahl laut neu veröffentlichten Daten des Statistischen Bundesamtes (Destatis) um rund vier Prozent auf 462 im Jahr 2025. Damit wächst die Zahl der getöteten Radfahrenden doppelt so schnell wie die Gesamtzahl der im Straßenverkehr Getöteten, die im gleichen Zeitraum von 2770 um zwei Prozent auf 2814 anstieg. Jede sechste im Straßenverkehr getötete Person war 2025 mit dem Fahrrad unterwegs. Auch im Zehnjahresvergleich ergibt sich ein alarmierendes Bild: Während die Gesamtzahl der Getöteten von 2015 bis 2025 um 18 Prozent sank, stieg die Zahl der tödlich verunglückten Radfahrenden um 21 Prozent.

Infrastruktur muss besser werden

Angesichts dieser Entwicklung sieht der Deutsche Verkehrssicherheitsrat (DVR) Bund, Länder und Kommunen in der Pflicht und fordert eine sofortige Infrastrukturoffensive.
„Sicherheit darf keine Frage des gewählten Verkehrsmittels sein“, betont DVR-Präsident Manfred Wirsch. „Dass die Zahl der getöteten Menschen auf dem Rad Jahr für Jahr steigt, ist ein dringender Handlungsauftrag für die Verkehrspolitik.“ Der DVR fordert eine flächendeckende Aufwertung der Radinfrastruktur – durch die qualitative Erneuerung bestehender Wege sowie den Bau neuer Wege. Im Zentrum der Maßnahmen muss die konsequente bauliche Trennung von Fuß-, Rad- und Pkw-Verkehr stehen, insbesondere an bekannten Unfallschwerpunkten. „462 getötete Radfahrerinnen und Radfahrer sind kein unvermeidbares Hintergrundrauschen unserer Mobilität“, sagt Manfred Wirsch. „Es macht mich zutiefst betroffen, dass immer noch infrage steht, ob der Um- oder Neubau von Radwegen notwendig ist, während jeden Tag in Deutschland ein Radfahrer oder eine Radfahrerin stirbt.“

Tempo verringern

Der weltgrößte Fahrradclub ADFC kommentiert ebenfalls die Entwicklung. ADFC-Bundesgeschäftsführerin Dr. Caroline Lodemann sagt: „Immer mehr Menschen nutzen Fahrrad und E-Bike für ihre täglichen Wege. Das ist gut für die Gesundheit, die Stauentlastung und schützt das Klima. Gleichzeitig müssen die Unfallzahlen dringend fallen, statt weiter zu steigen. Wir weisen seit Langem darauf hin, dass zu viele Radwege in Deutschland mangelhaft sind – wenn es sie überhaupt gibt. Radwege müssen dringend sicher und fehlerverzeihend ausgebaut werden. Gefährliche Kreuzungen gilt es, durch getrennte Ampelphasen, gute Sichtbeziehungen und eine bauliche Trennung von Kfz- und Radverkehr sicher zu gestalten. Eine sofort umsetzbare Maßnahme für die Sicherheit der Radfahrenden ist Tempo 30 als Standard und Tempo 50 als Ausnahme – so wie in Helsinki, das bei der Verkehrssicherheit ganz vorne liegt. Dafür braucht es vor allem den politischen Willen, die Sicherheit von Radfahrerinnen und Radfahrern ernst zu nehmen.“

(jw)


Der Deutsche Fahrradpreis 2026

Drei Projekte zur Radverkehrsförderung haben die Nase vorn

Die Würfel sind gefallen. In diesem Jahr geht der Deutsche Fahrradpreis zweimal nach Bayern und einmal nach Hamburg. Die Gewinnerprojekte wurden in den Kategorien Infrastruktur, Service & Kommunikation sowie Ehrenamt ausgezeichnet.

Die Gewin­ner*innen des Deutschen Fahrradpreises bei der Verleihung auf dem AGFS-Kongress

Der Deutsche Fahrradpreis prämiert jährlich innovative Projekte und Engagements zur Radverkehrsförderung. Die feierliche Preisverleihung fand in diesem Jahr am 20. Mai 2026 im Rahmen des AGFS-Kongresses 2026 im Ministerium für Umwelt, Naturschutz und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf statt.

Die Gewinnerprojekte: Premium-Radverkehrsachse am Bodensee (Kategorie Infrastruktur)

In der Kategorie Infrastruktur gewinnt die „Bodensee-Fahrradstraße Lindau – Premium Radverkehrsachse“. Mit der ausgebauten Strecke setzt die Stadt Lindau neue Maßstäbe in puncto qualitativer Radinfrastruktur. Mit nahezu durchgängig 5,5 Meter breiten Fahrradstraßen bietet sie mehr Sicherheit und Komfort entlang dieser Hauptachse. Das Projekt verbindet hochwertige Fahrradstraßen, die Aufwertung des Bodenseeradwegs und Mobilitätsstationen zu einer klar priorisierten Radachse. Eine Besonderheit ist die konsequente Bevorrechtigung des Radverkehrs im öffentlichen Raum bei gleichzeitiger Trennung von Fuß- und Radverkehr.

VelObserver für Schulen (Kategorie Service & Kommunikation)

Der „VelObserver für Schulen“ von der Münchener Posmo GmbH überzeugt die Fachjury in der Kategorie Service & Kommunikation. Das Ziel des Projekts ist die Entwicklung einer digitalen, sicheren Radschulwegkarte, die gemeinsam mit Jugendlichen erarbeitet wird. In verschiedenen Challenges dokumentieren die Jugendlichen ihr Mobilitätsverhalten, erfassen ihre Wege digital und bewerten diese aus ihrer eigenen Perspektive. Dabei lernen sie, Risiken zu erkennen, und stärken ihre Mobilitätskompetenz durch die bewusste Wahl sicherer Radwege.

Westwind Hamburg e.V. (Kategorie Ehrenamt)

Das Hamburger Projekt „Fahrräder für Bedürftige“ des Vereins Westwind Hamburg e.V. stärkt seit 2015 die Mobilität von Menschen mit geringem Einkommen. Gespendete Räder werden verkehrssicher aufbereitet und zu Sozialpreisen weitergegeben. Eine mobile Fahrradwerkstatt besucht regelmäßig Wohnunterkünfte, um defekte Fahrräder direkt vor Ort zu reparieren. Ergänzend bietet der Verein Workshops, Sicherheitstrainings und Ausflüge für Kinder und Jugendliche an. Das langjährig aufgebaute Ehrenamt, die große Wirkung und die über 4800 übergebenen Räder zeigen den nachhaltigen sozialen Mehrwert des Projekts.

Der Deutsche Fahrradpreis

Der Deutsche Fahrradpreis ist eine gemeinsame Initiative des Bundesministeriums für Verkehr sowie der Arbeitsgemeinschaft fußgänger- und fahrradfreundlicher Städte, Gemeinden und Kreise in NRW e.V. Der Wettbewerb wird von ZIV – Die Fahrradindustrie und dem Verbund Service und Fahrrad e.V. unterstützt.


(jw)


Es werden immer mehr

Statistisches Bundesamt zählt E-Scooter und Fahrräder

Die Zahl der Elektrofahrräder in Privathaushalten hat sich binnen fünf Jahren verdreifacht, rechnet das Statistische Bundesamt in einer Erhebung vor. Interessant ist auch die Entwicklung, was die Zahl der E-Scooter angeht.

E-Scooter gibt es längst nicht mehr nur zum Ausleihen in Städten, sondern sie werden immer häufiger auch gekauft. 1,4 Millionen E-Scooter gab es 2023 in den privaten Haushalten, wie das Statistische Bundesamt (Destatis) mitteilt. Demnach verfügten 2,9 Prozent der mehr als 40,8 Millionen Haushalte in Deutschland über mindestens einen elektrobetriebenen Tretroller ohne Führerscheinpflicht.
Eine größere Bedeutung für die E-Mobilität auf zwei Rädern haben E-Bikes. Mit 12,2 Millionen Stück war die Zahl der E-Bikes ohne Führerscheinpflicht in Privathaushalten 2023 fast neunmal so hoch wie die der E-Scooter. In jedem fünften Haushalt (20,6 Prozent) gab es mindestens ein E-Bike. Gemeint sind die auch als Pedelecs bekannten zulassungsfreien Fahrräder mit elektrischer Tretunterstützung, bei denen keine Führerscheinpflicht besteht.
Innerhalb von fünf Jahren hat sich die Ausstattung der Haushalte mit solchen E-Bikes in etwa verdreifacht: Im Jahr 2018 hatte es erst 3,8 Millionen E-Bikes gegeben. Sie verteilten sich auf 7 Prozent der Haushalte. Zahlen zur Ausstattung mit E-Scootern lagen für 2018 aus der amtlichen Statistik noch nicht vor, sie dürfen seit 2019 am Straßenverkehr teilnehmen.

Rund jedes sechste Fahrrad ist ein E-Bike

Insgesamt gab es 2023 in Privathaushalten 74,9 Millionen Fahrräder mit oder ohne Elektroantrieb. Sie verteilten sich auf 78,4 Prozent aller Haushalte. Rund jedes sechste Fahrrad war dabei ein E-Bike ohne Führerscheinpflicht.

(jw)


Handreichung der AGFK-BW

Diese Schnellmaßnahmen helfen dem Fuß- und Radverkehr

Mit einer neuen Handreichung will die Arbeitsgemeinschaft Fahrrad- und Fußverkehrsfreundlicher Kommunen in Baden-Württemberg (AGFK-BW) e. V. Kommunen dabei unterstützen, auch bei knapper Haushaltslage den Fuß- und Radverkehr wirksam zu verbessern.

Auf kommunaler Ebene sind die Bedingungen für den Fuß- und Radverkehr oft schwierig. Klamme Haushaltskassen und begrenzte Personalressourcen sind dabei entscheidende Faktoren. Die AGFK-BW zeigt in der Loseblattsammlung „Schnellmaßnahmen für mehr Qualität im Rad- und Fußverkehr“, wie sich Rad- und Fußverkehr trotzdem stärken lassen.
Die Sammlung umfasst praxiserprobte Maßnahmen für den Rad- und Fußverkehr, die mit überschaubarem Aufwand eine hohe Wirkung entfalten können. „Die Sammlung ist ein Werkzeugkasten. Sie bündelt knapp 50 Maßnahmen, die verhältnismäßig schnell und günstig umzusetzen sind. So haben Kommunen trotz schwieriger wirtschaftlicher Lage die Chance, den Rad- und Fußverkehr vor Ort sicherer und komfortabler zu machen“, erklärt Günter Riemer, Vorstandsvorsitzender der AGFK-BW.
Die Loseblattsammlung enthält einen breiten Mix an verkehrsrechtlichen und planerischen Maßnahmen, jeweils kompakt erläutert und mit Grafiken veranschaulicht. Dazu gibt es Hinweise auf die entsprechenden rechtlichen Grundlagen und Regelwerke, ergänzt durch Musterlösungen und Beispiele. „Die Loseblattsammlung ist ein dauerhafter, wertvoller Begleiter für Kommunen: Weil sie einen Weg weist, wie sie zum Wohl ihrer Bürgerinnen und Bürger schnell etwas ‚auf die Straße‘ bringen können“, so Riemer.
Mitgliedskommunen der AGFK-BW erhalten die Loseblattsammlung gedruckt in einem Ordner. So soll sie im Alltag stets griffbereit sein. Alle anderen Interessierten können ein PDF auf der AGFK-Website herunterladen. Die Inhalte sollen sukzessive erweitert und bei Bedarf aktualisiert werden. Entstanden ist die Handreichung in enger Kooperation mit dem Gemeindetag Baden-Württemberg, dem Landkreistag Baden-Württemberg und dem Städtetag Baden-Württemberg.


(sg)


Branchenreport veröffentlicht

Radlogistikbranche meldet rote Null

Das Ökosystem der Radlogistikbranche stagniert mit Blick auf das Wachstum. Wieso die Branche dennoch optimistisch ist und was sie fordert.

190 Millionen Euro Umsatz und 5500 Beschäftigte, das sind die aktuellen Kennzahlen der deutschen Radlogistikbranche, die aus dem neu veröffentlichten Branchenreport Radlogistik 2026 hervorgehen. Diesen hat der Radlogistikverband Deutschland e.V. (RLVD) gemeinsam mit der Technischen Hochschule Wildau veröffentlicht.
Erstmals seit Jahren hat das Ökosystem der Radlogistik damit keine Zuwächse mehr verzeichnet. Der Umsatz ist nahezu auf Niveau des Vorjahres. Die Zahl der Beschäftigten ist leicht rückläufig, hat sich jedoch seit 2020 mehr als verdoppelt (+111 Prozent). Stabil geblieben ist auch die Produktion von Lastenrädern und Anhängern mit rund 37.000 Einheiten. Die Zahl der operativen Radlogistikunternehmen ist leicht gesunken, von 112 auf 107, was laut Verband auf eine einsetzende Konsolidierung hindeutet.
Ernst Brust, Vorstandsvorsitzender des RLVD, sagt: „Die rote Null ist ein Weckruf – aber kein Grund zur Resignation. Unser Ökosystem hat sich in fünf Jahren mehr als verdoppelt, bei Umsatz wie bei Beschäftigung. Dieses Fundament ist tragfähig. Was jetzt fehlt, ist ein politischer Rahmen, der nicht länger Verbrenner subventioniert, sondern die effizienteste Form der urbanen Logistik fördert. Commercial Cargo Bikes brauchen nur zehn Prozent der Energie konventioneller Nutzfahrzeuge. Wer in Zeiten knapper Kassen Kosten sparen will, muss auf das Lastenrad setzen.“
Rund 5,4 Millionen Kilometer wurden 2025 per Lastenrad zurückgelegt, wodurch rund 1400 Tonnen CO₂ eingespart wurden. Tödliche Unfälle im Zusammenhang mit der Lastenradnutzung gab es erneut keine. Die um 8 Prozent gesteigene Herstellerzahl sowie der um 6 Prozent angewachsene Bereich Handel, Service und Werkstätten beweisen für die Verantwortlichen, dass die Innovationskraft der Branche ungebrochen ist. Lastenräder und Lastenanhänger würden demnach in immer mehr Wirtschaftsbereichen abseits der Logistik verwendet.

Verhaltener Optimismus

84 Prozent der Befragten gaben an, 2026 mindestens stabile Umsätze zu erwarten. Die Hälfte rechnet sogar mit Wachstum. Weiter gehen 46 Prozent von einer konstanten Belegschaft aus, 35 Prozent planen Personalaufbau. Das erwartete jährliche Wachstum für die nächsten fünf Jahre liegt im Mittel bei 14 Prozent.
Ursachen für die schwächelnde Entwicklung sieht die Branche in der schwachen Konjunktur sowie einer fehlgeleiteten Verkehrs- und Wirtschaftspolitik des Bundes. An die Politik gibt es deutliche Forderungen. Die Bundesregierung solle die Fahrradinfrastruktur konsequent ausbauen, Zero Emission Zones in Innenstädten einrichten und die Verkehrssicherheit stärker priorisieren.
Weiter drängt die Branche auf einen innovationsoffenen Rechtsrahmen für Commercial Cargo Bikes, wozu man mit Zukunft Fahrrad und dem Zweirad-Industrie-Verband an einem Strang ziehen wolle. Weitere Forderungen bestehen darin, eine verlässliche Förderkulisse für gewerbliche Lastenräder, bessere Bedingungen für Start-ups und höhere CO₂-Preise zu schaffen. Zudem gelte es, Bürokratie abzubauen und Nachhaltigkeitskriterien in öffentlichen Ausschreibungen zu verankern.

(sg)


Fahrrad-Monitor 2025

Deutschland hat noch einen weiten Weg zum sicheren Fahrradland

Auf über 100 Seiten zeichnet das Bundesverkehrsministerium im „Fahrrad-Monitor 2025“ ein Bild zu aktuellen Trends der Fahrradnutzung in Deutschland. Was dabei ins Auge fällt und welche Forderungen daraus entstehen – damit hat sich der ADFC beschäftigt, der gleichzeitig auf einen jüngsten Bericht des Europäischen Verkehrssicherheitsrates verweist.

Für den Fahrrad-Monitor 2025, der von dem Marktforschungsunternehmen Sinus in zweijährigem Rhythmus angefertigt wird, wurden in Deutschland Personen im Alter zwischen und 14 und 69 Jahren befragt. In einem separaten Studienmodus wurden erstmals auch Kinder im Alter zwischen 6 und 13 Jahren sowie deren Eltern repräsentativ für Deutschland befragt. Die Ergebnisse im Detail sind in einem über 100-seitigen Studienbericht zusammengefasst, der online zum kostenlosen Download zur Verfügung gestellt wird.

Licht und Schatten

Eine wichtige Erkenntnis aus den aktuellen Zahlen: Fahrrad und Pedelec spielen eine immer wichtigere Rolle für die Alltagsmobilität der Bevölkerung. Allerdings geht es nur langsam voran. Der Anteil täglichen Nutzerin­nen von Fahrrad oder Pedelec ist gestiegen – von 38 auf 39 Prozent. Dabei wird das Rad am häufigsten zum Einkaufen, für Erledigungen und Besuche genutzt. 22 Prozent der berufstätigen Radfahrerinnen nutzen das Fahrrad annähernd täglich auf dem Weg zur Arbeit, bei den Auszubildenden sind es 33 Prozent. Auch hier ist sicher noch viel Luft nach oben.
Der „Fahrrad-Monitor“ beschäftigt sich auch mit der Frage, welche Gründe Personen davon abhalten, Fahrrad oder Pedelec zu nutzen. Ein wichtiger Punkt dabei: Das Sicherheitsgefühl beim Radfahren ist gesunken (von 63 auf 60 Prozent) – Frauen fühlen sich besonders unsicher und das Unsicherheitsgefühl beider Geschlechter steigt mit dem Alter an. Für die Unsicherheit von Radfahrenden sorgen vor allem rücksichtslose Autofahrende (60 Prozent), zu viel Verkehr auf den Straßen (48 Prozent) und zu hohe Kfz-Geschwindigkeiten (47 Prozent). Aber auch die Sorge, dass das Fahrrad gestohlen wird, dies geben immerhin 52 Prozent der Befragten zu Protokoll, kann einer häufigeren Nutzung entgegenstehen.
ADFC-Geschäftsführerin Dr. Caroline Lodemann sagt zu den Ergebnissen „Deutschland ist kein sicheres Fahrradland, weder subjektiv noch objektiv. Anfang der Woche hat der Bericht des Europäischen Verkehrssicherheitsrates darauf aufmerksam gemacht, dass bei uns – entgegen dem europäischen Trend – immer mehr Radfahrer*innen getötet werden. Das Unsicherheitsgefühl kommt natürlich auch bei den Menschen an, wie der Fahrrad-Monitor jetzt zeigt. Besonders Frauen und ältere Menschen fühlen sich beim Radfahren nicht sicher. Das muss ein Bundesverkehrsministerium beunruhigen, das sich mit dem Nationalen Radverkehrsplan vorgenommen hat, den Radverkehr attraktiver und sicherer für alle zu machen.“

Forderungskatalog

Angesichts der aktuellen Situation für Radfahrende macht der ADFC einige Verbesserungsvorschläge. Dazu zählen ein beschleunigter Ausbau von eigenständigen Radwegenetzen in Stadt und Land, Tempo 30 als Standard innerorts, Tempo 50 als Ausnahme, beschleunigter Umbau gefährlicher Kreuzungen sowie Kampagnen zum Mindestüberholabstand (1,5 Meter innerorts / 2 Meter außerorts) und gegen gefährliches Falschparken auf Radwegen.
Um diese Ziele zu erreichen, fordert der ADFC einen Bund-Länder-Vertrag, einen Plan für ein Alltags-Radnetz Deutschland, fahrradfreundliche tech­­nische Regelwerke und eine nachhaltige Finanzierung des Bundes für den Radwegebau. Lodemann: „Wichtig ist auch die Fortführung des Bundesprogramms zum Fahrradparken an Bahnhöfen. Die Menschen sorgen sich zu Recht, dass ihr Fahrrad oder Pedelec geklaut wird, wenn es keine sicheren Abstellmöglichkeiten gibt.“


(jw)


Tim Blumenthal verstorben

Nachruf auf den Architekten der US-Fahrradlobby

Die amerikanische Fahrradbranche trauert um eine ihrer profiliertesten Persönlichkeiten. Mit dem Tod von Tim Blumenthal verliert die Branche einen Menschen, der dem Radsport und Radverkehr über drei Jahrzehnte hinweg eine politische Stimme gab und dessen Wirken weit über die Grenzen Nordamerikas hinaus ausstrahlte.

Blumenthals außergewöhnliche Laufbahn begann im Fachjournalismus, wo er als Redakteur bei VeloNews und dem Bicycling Magazine das Fundament für sein tiefes Branchenwissen legte. Seine Expertise war so weitreichend, dass er für NBC Sports insgesamt sieben Olympische Spiele als Kommentator begleitete. Doch seine wahre Berufung fand er in der strategischen Verbandsarbeit, in der er die Brücke zwischen sportlicher Leidenschaft und politischer Durchsetzungskraft schlug.
Die Bedeutung von Tim Blumenthal für die amerikanische Fahrradszene kann kaum überschätzt werden, da er als entscheidender Architekt das Radfahren aus der Nische des reinen Hobbys in das Zentrum der nationalen Mobilitätsdebatte rückte. Während seiner Zeit als Geschäftsführer der International Mountain Bicycling Association (IMBA) transformierte er eine lose Gruppe von Enthusiast*in-nen in eine weltweit anerkannte Organisation und legte damit den Grundstein für den professionellen Trail-Bau, von dem die Mountainbike-Industrie heute global profitiert.
Später festigte er seinen Ruf als führender Lobbyist durch die Gründung der Organisation Bikes Belong, die seit 2013 als PeopleForBikes firmiert. Unter seiner Leitung entwickelte sich die Organisation zur einflussreichen Kraft in Washington D.C., indem es ihm gelang, die oft fragmentierte Fahrradindustrie zu einer geeinten politischen Front zu bündeln. Sein diplomatisches Geschick sorgte dafür, dass zeitweise Milliardenbeträge aus US-Bundesmitteln in die Infrastruktur geflossen sind, da er das Fahrrad meisterhaft als Lösung für drängende Klima- und Gesundheitsprobleme positionierte.
Wie groß sein Einfluss auf die Branchenführer war, zeigen die Reaktionen langjähriger Weggefährten. Mike Sinyard, Gründer von Specialized, würdigte ihn gegenüber Bicycle Retailer als den „Besten unter den Besten“ und betonte, dass Blumenthal mehr als jeder andere für den Radverkehr getan habe.
Tim Blumenthal verstarb am 30. März 2026 im Alter von 70 Jahren nach langem Kampf gegen eine Krebs­­erkrankung.


(mf)


Zukunft Fahrrad und Zweirad-Industrie-Verband

Fahrradwirtschaftsverbände ebnen den Weg zur Fusion

Auf den jeweiligen Versammlungen gaben die Mitglieder von Zukunft Fahrrad und Zweirad-Industrie-Verband grünes Licht für die Fusion und die Bildung eines gemeinsamen Verbands.

Die Pläne zur Fusion der beiden Fahrradwirtschaftsverbände, die erstmals Mitte März öffentlich wurden, können umgesetzt werden. Die Mitglieder beider Verbände haben dies auf ihren Versammlungen einstimmig beschlossen. Die Mitglieder des ZIV trafen sich im April in Hamburg, und kurz darauf auch die Mitglieder von Zukunft Fahrrad in Berlin.
Damit ist der Weg frei, um alle notwendigen Schritte zur Fusion einleiten zu können. Im April 2027 will der gemeinsame Verband starten.
Die Zielsetzung ist klar: Man will künftig gemeinsam die Fahrradwirtschaft als zentrale Kraft in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft noch wirksamer vertreten. „Mit dem gemeinsamen Verband bündeln wir unsere Kräfte und sprechen mit einer Stimme – das stärkt die Position der ganzen Branche. Gleichzeitig können wir fokussierter in wichtige Themen einsteigen und vertiefen strategische Allianzen in Wirtschaft und Politik“, betont Burkhard Stork, Geschäftsführer des ZIV – Die Fahrradindustrie.
Wasilis von Rauch, Geschäftsführer von Zukunft Fahrrad, erklärt: „In der anhaltend so schwierigen politischen und wirtschaftlichen Lage ist es entscheidend, dass wir uns als Fahrradwirtschaft zusammenschließen und mit einer starken Stimme auftreten.“
Als zentrale Anlaufstelle für Politik und Medien wird der neue Verband die Interessen der Branche auf nationaler, europäischer und internationaler Ebene vertreten.

(jw)


Forschungsprojekt untersucht

Bessere Radverkehrsnetze im ländlichen Raum

Das kollaborative Forschungsprojekt „ProvinzNETZ“ nimmt die Frage in den Blick, wie Radverkehrsnetze Dörfer und Städte besser verbinden und die Lebensqualität im ländlichen Raum verbessern können.

Hintergrund des Projekts „ProvinzNETZ“ sind strukturelle Herausforderungen, vor denen ländliche Räume stehen, etwa große Entfernungen zwischen Ortschaften, lückenhafte Verbindungen oder ein eingeschränkt verfügbarer öffentlicher Personennahverkehr. Als Folge dieser Probleme sind viele Menschen im ländlichen Raum vom Pkw abhängig. Nationale Studien legen allerdings nah, dass ein erheblicher Teil der Bevölkerung auf das Fahrrad umsteigen würde, sofern die Infrastruktur verbessert und der öffentliche Verkehr besser verknüpft würde.
In diesem Kontext wurde das Projekt ProvinzNETZ initiiert, bei dem das Fachgebiet Radverkehr und nachhaltige Mobilität der Universität Kassel mit der Technischen Hochschule Wildau und der Bürgerinitiative geRADeWEGs im Landkreis Gotha (Thüringen) zusammenarbeiten. Das Projekt läuft seit November 2025 und wird noch bis Oktober 2028 im Rahmen des Nationalen Radverkehrsplans 2030 (NRVP 3.0) gefördert.

15-Minuten-Netz für attraktiven Radverkehr

Ziel des Projekts ist es, in Anlehnung an das viel beachtete stadtplanerische Konzept der „15-Minuten-Stadt“, alltägliche Ziele in ländlichen Gemeinden innerhalb von 15 Minuten mit dem Fahrrad, zu Fuß oder mit dem öffentlichen Verkehr erreichbar zu machen. Im Fokus steht die Quervernetzung von Dörfern. Mit E-Bikes lassen sich innerhalb von 15 Minuten bis zu fünf Kilometer zurücklegen. Das bildet die Grundlage des „15-Minuten-Netzes“, welches mit sicheren, durchgängigen und attraktiven Radverkehrsverbindungen zwischen Dörfern lokale Versorgungsangebote, gesellschaftliche Teilhabe und die Lebensqualität insgesamt stärken soll. Prof. Dr. Angela Francke, Leiterin des Fachgebiets Radverkehr und Nahmobilität an der Universität Kassel, betont: „Ländliche Regionen benötigen Mobilitätslösungen, die ihren räumlichen und sozialen Gegebenheiten gerecht werden. Mit ProvinzNETZ untersuchen wir, wie interkommunale Radverkehrsinfrastruktur die Erreichbarkeit und Lebensqualität jenseits urbaner Zentren systematisch verbessern kann. Das Projekt ermöglicht es uns, Mobilitätsforschung mit Analysen zu Zusammenarbeit und Entscheidungsstrukturen sowie praxisorientierten Umsetzungsstrategien für strukturschwächere Regionen zu verknüpfen.“
Mithilfe empirischer Analysen, Fachworkshops und der Einbindung relevanter Akteure soll im Projekt ein praxisorientierter Werkzeugkasten für Kommunen entstehen. Dafür untersuchen die Forscher*innen eine Modellregion im Landkreis Gotha sowie mehrere Vergleichsregionen in Deutschland. Das Projekt ist kooperativ und interdisziplinär aufgebaut und soll Akteure aus Wissenschaft und Zivilgesellschaft zusammenführen. Die Gesamtkoordination übernimmt die Technische Hochschule Wildau.


(sg)


Bilder: Carlsen Verlag – ADFC, stock.adobe.com – vbaleha, Deutscher Fahrradpreis – Christophe Francois Fotografie, RLVD, Markus Weinberg