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Idyll mit Tücken

In Passau fließen Donau, Inn und Ilz zusammen. Entsprechend treffen sich dort mehrere Flussradwege. Außerdem ist die idyllische alte Stadt ein beliebtes Tor nach Österreich. Perfekte Voraussetzungen für eine Stadt mit Fahrradkultur und -infrastruktur. Denkt man. Lebendige Radkultur konnten wir viel finden, an Infrastruktur mangelt es tatsächlich – beides haben wir uns angeschaut.

(erschienen in VELOPLAN, Nr. 02/2026, Juni 2026)


Wir kommen von Landeck in Österreich und haben seither den Inn auf seiner Strecke fast 500 Kilometer weit begleitet: über wellige, ruhige, schottrige und über verschlungene Gravel-Pfade. Das Stück vom österreichischen Schärding bis Passau, wo der Inn in der Donau aufgeht, war sicher eines der schönsten. Enge, verschlungene Wege, oft direkt am Fluss entlang, die unter gewaltigen Felsüberhängen mäandern. Noch ganz entrückt von dieser Naturidylle landen wir in Passau an der Innpromenade, schließlich im Zentrum der Stadt. Und haben den Eindruck: Hier lösen sich die Radfahrenden, die aus drei Richtungen in diese alte Stadt gekommen sind, plötzlich auf. Zwar stehen hier und da bepackte Reiseräder auf altehrwürdigem Kopfsteinpflaster, die dazu passenden Radwege finden wir aber nicht.

Durch den Berg statt oben drüber: Auf diesen 100 Meter langen Georgsbergtunnel, der wichtige Bereiche für Fahrradfahrer*innen eigentlich erst richtig erschließt, ist man in Passau besonders stolz.

Infrastruktur à la Idyll

Dabei ist der Radverkehrsanteil gar nicht klein: „Elf Prozent Anteil haben die Radfahrer“, erklärt der Passauer Bernd Sluka vom Verkehrsclub Deutschland (VCD). Er bestätigt das schon auffällige Fehlen von Fahrradinfrastruktur. „Es gibt mittlerweile einen zweiten Radverkehrsplan von 2019, der allerdings von der Verwaltung gestutzt worden ist. Vor allem die großen Maßnahmen bleiben dabei gern hängen: Die wichtigen Änderungen werden eher nicht angefasst“, so Sluka. Dabei bezieht er sich vor allem auf große Straßen, die nicht mit Fahrradinfrastrukturelementen ausgestattet werden. „Wo Herausforderungen bei der Umsetzung auftauchen, da kann man einfach nix machen.“ Beim Fahrradklima-Test des ADFC von 2024 wurde Passau dann auch Vorletzte in der Kategorie 50.000–100.000 Einwohner*innen. Ein Stimmungstest, und, so der Fahrrad-Lobbyist, „die Stimmung bei den Radfahrern, vor allem die zwischen Autofahrer und Radfahrer ist geladen.“

Einbahnstraßen-Pioniere

Doch es ist nicht alles schlecht, das sieht auch der Liegeradfahrer Sluka so: Die Stadt war eine der ersten deutschen, die Einbahnstraßen gegen die Richtung für Radfahrende öffnete. Und Einbahnstraßen gibt’s, wie in allen alten, engen Städten, auch in Passau viele. Die erste freigegebene war die Schrottgasse, die von der Donau in die Altstadt führt. Aber auch auf andere Straßen ist man stolz: Fahrradstraßen oder zumindest etwas Ähnliches, wie die Schustergasse oder die Promenade entlang der Donau, die nur für Fußgängerinnen und Radfahrende freigegeben sind. Und eine wirklich große Leistung der Stadt für den Radverkehr muss man sicher gelten lassen: Den Georgsbergtunnel, ausschließlich für Rad- und Fußverkehr, der im Mai 2025 eröffnet wurde. Hier hindurch kommt man von der nördlichen Donauseite unter der berühmten Burg Veste Oberhaus an die Ilz – oder umgekehrt. 120 Meter, die auch für Pendlerinnen einen großen Gewinn darstellen – vor allem, weil bislang auch Radfahrende den Gehweg entlang einer stark befahrenen Bundesstraße nutzen mussten; es gab keinen wirklich fahrradtauglichen Weg von der Altstadt Passaus in die Ilzstadt nördlich der Donau. „Insgesamt ist die Kommunikation mit der Stadt in Sachen Infrastruktur nicht leichter geworden“, erklärt Sluka mit Bedauern in der Stimme. „Traurig, dass eine Stadt, die dem Fahrradtourismus so viel verdankt, so wenig für den Radverkehr tut. Die Leiterin der Verkehrsplanung würde auch gern mehr verändern, aber …“

Abstellplätze mit Ladeschränken, teils überdacht und gesichert, sind relativ neu hier und ein Zugeständnis an den Radtourismus.

Sicherheit auch ohne Struktur?

„Trotzdem ist Radfahren in Passau insgesamt relativ sicher. Es gibt weniger Unfälle als in vergleichbar großen Städten, die oft sogar mehr Radinfrastruktur aufweisen“, so Sluka mit Verweis auf Deggendorf, das etwa 40 Kilometer donauaufwärts liegt. Das ist Wasser auf die Mühlen der Stadt Passau, die sich gern als Fahrradstadt sieht. „Die Fernradwege, die über Passau führen – neu hinzugekommen ist der Donaulimes-Radweg, der von Passau Richtung Osten führt – bringen uns natürlich viel Radverkehr ein“, sagt Dr. Raphaela Pagany. „Das ist für die Stadt nicht immer einfach: Alte Städte haben oft sehr begrenzten Verkehrsraum“, erklärt die Leiterin der Verkehrsplanung der Stadt Passau weiter. „An vielen Stellen können wir das Fahrradfahren nur auf Fußwegen mit Zusatz ‚Fahrradfahrer frei‘ ermöglichen.“ Aber das subjektive Empfinden ist für viele ausschlaggebend: Dr. Pagany kann genannten Georgsbergtunnel bei ihrem täglichen Arbeitspendeln mit dem Rad nutzen – und findet diesen Abschnitt der Strecke super. Sie ist seit sechs Jahren Abteilungsleiterin und weiß daher auch genau, wo es hapert und wo es flutscht. „Brücken sind ein Manko“, gibt sie zu und erzählt vom Fünferlsteg, „ein gutes Beispiel“: Die Fußverkehrsbrücke mit malerischer Stahlkonstruktion gehöre zu den Top 10 der Fotospots auf der Internetseite von Passau. Sie wurde 1916 gebaut, 1947 nach Sprengung wiederaufgebaut, und wer von der Innstadt in die Altstadt wollte, musste den Wegezoll – fünf Pfennige – zahlen, daher der Name. Bis 1977, dann ging die Brücke in Stadtbesitz über. Der Steg ist schon lange denkmalgeschützt und da er nur 2,50 Meter breit ist, kann er nicht als gemeinsame Rad- und Fußverbindung genutzt werden. Immer wieder hat der Brückenbedarf des Radverkehrs in den letzten Jahren für Wirbel und Streit in Politik und bei Bürger*innen gesorgt. Gegen den Um- oder Neubau des Stegs spricht der Denkmalschutz, eine separate Radbrücke andererseits ist zu teuer. Neu entstanden sind stattdessen E-Bike-Garagen: Radreisende können bei Ankunft in der Dreiflüssestadt ihr Velo sicher in Parkgaragen am Parkdeck Bschütt jenseits der Altstadt abstellen, in 24 Schließfächern das Gepäck unterbringen, und die Akkus können hier auch geladen werden. Über die Donaubrücke geht’s dann zu Fuß weiter – meist direkt in die malerische Altstadt. Die Abstellanlagen und auch der Tunnel sind Teil des Radverkehrskonzepts von 2019.

„Wir setzen dort, wo es möglich ist, auf kompromisslose Infrastruktur fürs Fahrrad.“

Dr. Raphaela Pagany,
Leiterin Verkehrsplanung Stadt Passau

Einmal jährlich nach Plan

Damit man als Passau-Rad-Newbie sinnvolle Routen durch die Stadt planen kann, gibt es jährlich einen kostenlosen Fahrradstadtplan – auf Papier und digital. Darauf ist schon erkennbar, dass Radverkehrsanlagen auf Straßen doch eher untervertreten sind. Auffällig sind auch „unvermeidbare Lückenergänzungen“, wie es in der Kartenlegende heißt – faktisch Stellen, bei denen es starken Autoverkehr, aber keinen geschützten oder zumindest optisch gekennzeichneten Raum für das Rad gibt. „Da-musst-du-durch-Stellen“ also. „Wir setzen dort, wo es möglich ist, auf kompromisslose Infrastruktur fürs Fahrrad“, so Pagany, und nennt den relativ neuen Rieser Radweg, der die Straße bis nach Patriching im Nordwesten von Passau begleitet. Oft komplett von der Straße abgetrennt und gut ausgebaut. „Im anderen Fall setzen wir auf das faire Miteinander von Rad- und Fußverkehr – da wünschen wir uns noch ein bisschen mehr.“ Und der gerechte Platz für alle Verkehrsteilnehmenden? „Wir versuchen, nach und nach den ruhenden Verkehr zu verdichten“, so Pagany.

Hier ist demokratische Beteiligung unterwegs: Mit dem OpenBikeSensor wird der Überholabstand Auto – Fahr­radfahrer*innen gemessen. Die Daten werden wie in vielen Städten mit der Verkehrsver­waltung geteilt.

Das Zauberwort: Abstand

„Dicht“ ist auch das Stichwort für Marco Herzing. Er ist viel mit dem Rad in Passau unterwegs und erntet dabei Daten. Genauer: Ein Sensor unter seinem Sattel misst den seitlichen Abstand von überholenden Autos. „Ich habe ein Lenkerdisplay verbaut, an dem direkt der Abstand angezeigt wird. Ein Knopfdruck, und das Gerät speichert die letzte Messung.“ Sie kann per GPS auch genau verortet werden. Das Gerät ist mittlerweile nicht mehr einzigartig: OpenBikeSensor ist ein offenes Projekt für Menschen, die den Radverkehr sicherer machen wollen. In vielen Städten fahren sie bereits mit diesen Infrarot-geräten Fahrrad, stellen die Daten danach zusammen und werten sie aus. Der Sensor selbst kann nach einer Bauanleitung der Community zusammengestellt werden, die benötigten Teile sind auf der Homepage des Projekts aufgelistet. Dass es ihn bislang nicht zu kaufen gibt, ist aber sicher noch ein Handicap der wachsenden Verkehrsinitiative. Auch beim 30-jährigen Herzing ist die Datensammlung nicht bloß Hobby: „Mit den Daten schreibe ich erst mal meine Seminararbeit“, erklärt er. Der Nutzen geht aber weit über den Privatgebrauch hinaus: Herzing, der auch in einer Passauer Fahrradinitiative mitarbeitet, möchte die gesammelten Daten der Stadt Passau zur Verfügung stellen. „Sie können helfen, zu klären, in welchen Straßen Radfahrer besonders knapp überholt werden und eine entsprechende Radinfrastruktur nötig ist“, so Herzing. Oder eben ein Überholverbot: „Auf der Schmiedgasse mit einer Breite von gerade einmal 3,10 Metern ist der innerorts gebotene Überhol­abstand von 1,50 Metern überhaupt nicht drin“, erklärt er. Die Fahrradinitiative, aus dem Passauer Klimabündnis hervorgegangen, hat noch andere Ideen, Passau zu mehr Verkehrssicherheit zu führen, vor allem für Schulkinder: Ein Umfrageprojekt mit Eltern von Schulkindern soll ebenfalls klären, wo gefährliche Abschnitte und Problemstellen, zum Beispiel auf Schulwegen, bearbeitet werden müssen.

Der Run auf die Nostalgie

Wo wir schon auf der anderen Donauseite sind: Wer sieben Kilometer mit 170 Höhenmetern die Neue Rieserstraße und einige Schlingen weiter gen Norden fährt, landet bei Run & Race, einem mittlerweile richtig großen Radladen für Rennrad und Mountainbike. „Und a bisserl E-Bike muass ma ja heit a machen“, sagt Otto Peter, Gründer und Leiter des Geschäfts in breitem, gemütlichem Niederbayerisch. Cube, Bianchi, Simplon, KTM führt er. Die sportliche Orientierung ist generationenübergreifend: Sein Vater, Otto Peter Senior, 1935 geboren, war aktiver und erfolgreicher Rennfahrer, auch der Sohn hat viele regionale, aber auch einige internationale Rennen gewonnen. Otto Peters Sohn Michael, 24, hat sich wiederum auch schon als Profi in die Pedale geklickt und ist aktuell Teil des deutsch-polnischen Radsport-Continental-Teams Run&­Race-Wibatech. Es nimmt an Rennen wie der Kroatien-Rundfahrt, der Slowenien-Rundfahrt oder dem Klassiker Eschborn-Frankfurt teil.

Lebendige Rennradgeschichte: Das Museum von Run & Race hat echte Schätzchen aufzuweisen. Vor allem aber macht es Radsport anfassbar.

Ahnenforschung mit Rennsattel

Aber dass der Chef Teil einer Rennfahrer-Familie ist, ist nicht die einzige Besonderheit von Run & Race: Nicht nur die neuesten High-End-Racer haben da ihre Plattform gefunden, in Passau-Patriching führt Otto Peter das größte Radsportmuseum Bayerns. Das hat es in sich. Mit dabei ist unter anderem ein Pinarello-Renner von Jan Ullrich aus seiner Telekom-Zeit. „Schuld am Museum ist ein Artikel über die Eroica, der mich so fasziniert hat, dass ich 2009 mitgefahren bin“, erzählt Peter. „Dabei habe ich erstmals gesehen, was es noch alles an historischen Rädern gibt.“ Der erste Anlass für die Sammlung: „Die Kunden sollen sehen, wie sich Rennrad und Technik entwickelt haben.“ Und dann „packt einen die Sammelleidenschaft“, sagt Peter achselzuckend. „Dann hat da der Vater noch was in seiner Garage stehen gehabt, die ehemaligen Kollegen auch, und so geht es weiter.“ Mittlerweile gibt es viele Schätzchen wie das Jan-Ullrich-Rad oder Räder mit der berühmten, seltenen Campagnolo-Gestängeschaltung. Später kamen die Räder auch aus internationalen Museen, nachdem Peter einen Markenvertreter aus Italien kennengelernt hatte, der Kontakte herstellte. Einiges recherchiert und kauft er auch im Netz: Plattformen wie Ebay bergen großes Potenzial, aber auch Gefahr, was den Zustand und die Echtheit des Rads angeht. „Und dann kriegt man auch mal wieder was geschenkt von Leuten, die vom Museum hören; einen Sturzring oder ein Trikot …“
200 Quadratmeter sind im Run & Race Museumsfläche. Und die ist effizient genutzt: Eng aneinander stehen auf Sockeln Bianchis, Colnagos, Gios und Räder vieler anderer altehrwürdiger Marken. An den Wänden einzelne, besonders herausgehobene Modelle, daneben Original-Trikots zwischen faszinierenden Bildern der Rennfahrer aus der ruhmreichen Zeit, die in den letzten Jahrzehnten so viele Fans gefunden hat. Und immer wieder die markant silbrig schimmernden Bidons aus Metall, oft in einer Halterung am Lenker. Dazwischen werden aber auch Räder von noch aktuellen Weltklasseathleten wie Primoz Roglič oder Tony Martin eingesprenkelt. Das Run & Race ist jeden Fall ein perfekter Ort, um ehrfurchtsvoll in Gummigeruch und Kettenöldämpfen zu schwelgen und dabei vom Erfolg bei unmenschlich harten Bergankünften und Sprints mit vierstelligen Wattzahlen zu träumen.

„Die Kunden sollen sehen, wie sich Rennrad und Technik entwickelt haben.“

Otto Peter, Run & Race

Sightseeing by Bike

Weithin sichtbar, egal, ob man als Touri den Inn oder die Donau entlangkommt, ist der Stephansdom. Der ist imposant anzusehen, ist er doch eine der größten barocken Kirchenbauten nördlich der Alpen. Auch drinnen gibt’s entsprechend viel zu sehen, an Engeln, biblischen und andern Figuren, Ornamenten und Zierden. Und: die größte Kirchenorgel der Welt, wobei die Pfeifen trotz ihrer Höhe etwas im Barock-Gewimmel untergehen. Wer die vielen Kirchen und Klöster scheut: Die ganze Altstadt ist das, was Reisekataloge als „malerisch“ anbieten. Kleine, enge Gässchen, schräge Häuschen, pompöse Patrizierhäuser und immer und überall: altehrwürdiges Kopfsteinpflaster. Wer Kaffeedurst hat, kann sich eines der vielen gemütlichen kleinen und großen Cafés in der Altstadt suchen, zum Beispiel das Minoo. Gerade nach unserem Nieselregen auf der letzten Etappe konnten wir hier besonders gemütlich auf den Heuwinkel vor dem Fenster schauen und uns aufwärmen. Am großartigsten ist aber auch hier rundum die Natur: das Dreiflüsse-Eck an der östlichen Ortsspitze der Insel – garantiert nicht zu verfehlen! Auch von dort aus sieht man die Veste Oberhaus – womit wir schon wieder kurz beim Radrennfahren wären: Einmal im Jahr führt ein Rennen da hinauf. Die Strecke ist gerade mal 600 Meter lang, hat aber teils über 20 Prozent Steigung. Bei einem der Rennformate starten nur fünf Fahrer*innen gleichzeitig. Die Ersten kommen in die nächste Runde – und müssen nochmals antreten. Ein Struggle wie „Last (wo)man standing“, nur anhaltend bergauf.

Selbsthilfe-City

Zurück in der Innenstadt, Mariahilf­straße 6. Im ehemaligen Ladengeschäft befindet sich heute das Innwerk, eine Selbsthilfewerkstatt mit breitem Reparaturspektrum. Wer ein defektes technisches Gerät welcher Art auch immer hat, findet hier Rat, Expertise und Werkzeug, um es wieder auf Vordermann zu bringen. Das Fahrrad nimmt aber den meisten Platz ein. „Platten und Schaltung sind die häufigsten Problemfelder. Es kommen aber zum Beispiel auch Leute, die wollen ein altes Schätzchen komplett aufarbeiten“, erzählt Pepe Voland. Er war vor gut drei Jahren eines der Gründungsmitglieder von Innwerk und ist dort heute der Spezialist in der Fahrradsparte. Kein Wunder, hat er doch selbst n+1 Räder, die er selbst repariert, instand setzt oder neu ausstattet. „Ich steh vor allem auf klassische Räder aus den Neunzigern“, sagt er – und bei der Ausstattung lässt er schon mal Unpassendes zusammenwachsen: Auch deshalb möglich, „weil es im Innwerk fast jedes Spezialwerkzeug gibt, das ein Radladen so braucht.“ Drei Tage die Woche hat die Selbsthilfe geöffnet. Meist kommen pro Schicht im Schnitt drei Leute mit Fahrradbastelbedarf. Und die Innwerker setzen auch eigene Projekte um: Derzeit schweißt Voland mit Kollegen an einem Dreispur-Anhänger von Carla Cargo – der dank kostenloser Lizenz und via entsprechende Open-Source-Bauanleitung nachgebaut werden kann. Mittlerweile steht das Innwerk auf den Füßen eines eingetragenen Vereins, was finanzrechtlich in vielerlei Hinsicht hilfreich ist. Aber auch zu Beginn hatte das Innwerk keinerlei finanzielle Probleme. Das Gründungsteam bekam von Anfang an Förderungen von verschiedenen überregionalen Institutionen, teils auch ohne großen bürokratischen Aufwand. Das lädt zum Nachmachen ein!

Wenige Fahrradwege, viele Fahrradfreuden

Egal, in welche Richtung und an welchem Fluss entlang man Passau verlässt, es ist ein Genuss. Panorama-blicke über die Flüsse und die sie einfassenden Hügelwälder inklusive. Wir empfehlen, für den Donauradweg Richtung Wien von hier aus zunächst die nördliche Route durch das verträumte Naturschutzgebiet Donauleiten zu nehmen. Am riesigen Kraftwerk Jochenstein, etwa 23 Kilometer stromabwärts, kann man dann bei Lust und Laune vom österreichischen aufs deutsche Donauufer wechseln, ein Rad- und Fußweg auf dem Kraftwerk motiviert dazu – das Erlebnis selbst sicher auch. Brücken, um das Land zu wechseln, gibt’s natürlich auch schon vor dem Kraftwerk, genauso wie Fähren zum idyllischen Übersetzen. Noch ein paar Gedanken zu einer der schönsten alten Städte, die wir kennen: Alles um sie herum ist ein Radtourismus-Paradies. Aber auch der Stadt selbst nimmt man ihre Defizite in Sachen Infrastruktur nicht krumm. Relativ sicher soll sie ja auch sein. „Geht doch“, könnte man oder frau bei der wohlwollenden Durchreise sagen. Wäre da nicht der ADFC-Fahrradklimatest.


Bilder: stock.adobe.com – naturenow, Bernd Sluka, Dr. Raphaela Pagany, Stadt Passau, Andreas Stahlbauer, Run & Race