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(erschienen in VELOPLAN, Nr. 03/2025, September 2025)

Streetscooter-Wurzeln

Lastenrad ZET will Gamechanger für Stadtverkehr sein

Das Team der ZETmobil GmbH aus Köln will mit dem vierrädrigen Lastenrad ZET die Lücke zwischen Fahrrad und Auto noch besser schließen. Die Produktion soll im nächsten Jahr beginnen.

Das vierrädrige Lastenrad ZET soll laut den Entwicklern Familien, Pendler und alle, die klimafreundlich und clever unterwegs sein wollen, überzeugen. Das Fahrzeug bietet einen komfortablen Einstieg, eine bequeme Sitzposition, viel Stauraum für Mitfahrende, Einkäufe oder Gepäck und soll vor der Witterung schützen sowie sicher sein.
Technisch setzt das Team aus Köln auf seriellen Hybrid, bei dem keine Kette nötig ist, sondern ein Generator die auf die Pedale gebrachte Energie in Strom umsetzt. Diese verschleiß- und wartungsarme Konstruktion habe zusätzlich den Vorteil, dass auch an Ampeln weiter Strom produziert werden kann. Die Reichweite der entnehmbaren Batterie liegt je nach gewählter Größe zwischen 60 und 130 km. Für den Antrieb sorgt ein (optional zwei) Elektromotor am Hinterrad. Die Räder sind einzeln aufgehängt, was für Komfort sorgen soll. Bei der Konstruktion wurde drauf geachtet, möglichst wenige bewegliche Bauteile einzusetzen und den Wartungsaufwand dadurch gering zu halten. Zur weiteren Ausstattung zählen Blinker, Tagfahr- und Bremslichter, Spiegel, Hupe und ein Display zur Anzeige von Akkustand und Geschwindigkeit sowie ein Rückwärtsgang für einfaches Rangieren und eine verstellbare Sitzposition. Bald soll noch eine App hinzukommen und weitere Informationen bieten.

Expertise aus Auto- und Fahrradindustrie

Das Gründungsteam der ZETMobil GmbH vereint über 80 Jahre Berufserfahrung in Entwicklung, Produktion und Vertrieb in der Automobil- und Fahrradindustrie. Seine Mitstreiter*innen Irina Grünwald (Qualität und Marketing) und Stefan Breil (Produktion, Anlaufplanung) hat Geschäftsführer und Entwickler Klaus Schorn beim Elektrotransporter-Hersteller Streetscooter kennengelernt.
Aus dem Automobilsektor wurden auch in der Entwicklung Konzepte übernommen, etwa der Zentralrohrrahmen, die Schwingarme und Federelemente. Das Chassis soll neue Maßstäbe setzen können mit Blick auf Haltbarkeit und Funktionalität sowie Kosten. Das Rad ist mit vielen verschiedenen, schnell wechselbaren Aufbauten und in unterschiedlichen Konfigurationen erhältlich und richtet sich an private wie gewerbliche Zielgruppen. Kindersitze oder Transportboxen lassen sich jederzeit nachrüsten. Die Preise starten bei 7790 Euro.
Bei den Verschleißteilen kommen ausschließlich Fahrradkomponenten zum Einsatz. So soll der Service in einem Netzwerk an Fahrradwerkstätten stattfinden können, welches das Team gerade aufbaut. Wenn die Produktion angelaufen ist und ein klares Bild über die Kosten besteht, wolle man zudem anfangen, Fachhändler für den Vertrieb zu suchen, heißt es auf Nachfrage von velobiz.de von Klaus Schorn. Die Produktion soll im nächsten Jahr anlaufen. Das Ziel lautet, 2026 430 Lastenräder, dann 920 (2027) und 960 (2028) Lastenräder pro Jahr zu produzieren. Anschließend sollen neue Produktionslinien die Kapazitäten erweitern.

(sg)


Preisverleihung in Frankfurt

„Deutschlands fahrradfreundlichste Schule“ ausgezeichnet

Auf der Eurobike wurden von der AKTIONfahrRAD und der Deutschen Verkehrswacht Schulen ausgezeichnet, die in Sachen Fahrradfreundlichkeit vorangehen. Zudem wurden noch zwei Sonderpreise vergeben.

Das Julius-Echter-Gymnasium aus Elsenfeld in Bayern wurde als fahrradfreundlichste Schule 2025 ausgezeichnet. Die weiterführende Schule stellte innerhalb von vier Jahren etliche nachhaltige Fahrradprojekte für die und mit den Schülerinnen auf die Beine. Ob Fahrrad als Wahlunterricht, der Aufbau eines Bikeparks oder die breite Kooperation mit Werkstätten und Sportvereinen, die Jury war überzeugt, dass hier das Fahrrad einen festen Platz im Schulalltag bekommen hat. Überreicht wurden die Auszeichnungen von der Mountainbike-Olympiasiegerin und zweifachen Weltmeisterin Sabine Spitz. Ein persönliches Video-Grußwort an die Gewinnerschule kam vom Schirmherrn Cem Özdemir. An die Friedrich-Spee-Gesamtschule in Paderborn wurde der Sonderpreis „Innovativ“ verliehen. Ausschlaggebend war die gesamte Planung und eigenverantwortliche Durchführung der Landesschulmeisterschaft NRW, mit der auch Qualifikationsplätze zur Deutschen Schulsportmeisterschaft vergeben wurden. Der Sonderpreis „Beginners“ ging an das Carl-Friedrich-von Siemens-Gymnasium in Berlin, das seit 2023 Teil der „Bike-fit“-Initiative ist. Zu Beginn des Schuljahres 2024/25 erhielten über 120 Schülerinnen der neuen 7. Klassen eine Radfahrausbildung. Radfahren ist zudem fester Bestandteil des Sportunterrichtes. Eine Parcours-Anlage und Fahrrad-AGs ergänzen das Freizeitangebot.
AKTIONfahrRAD-Geschäftsführer Ulrich Fillies: „Radfahren ist eine einfache Lösung für viele gesellschaftliche Probleme. Darum müssen wir das Radfahren in die Köpfe und die Menschen auf den Sattel bringen. Vor allem aber müssen wir damit früh anfangen und Kinder und Jugendliche begeistern. Unsere fahrradfreundlichsten Schulen machen genau das. Sie sind die Vorreiter für ein notwendiges Umdenken und zeigen mit einfachen Mitteln und engagierten Menschen, was alles gehen kann, wenn die Überzeugung und der Wille da sind.“


(pm)


Zukunft Fahrrad fordert:

Fahrräder nicht mit Scootern gleichstellen

Die Verordnung für Elektrokleinstfahrzeuge (eKF) soll so verändert werden, dass diese mit Fahrrädern gleichgestellt werden. Dem Verband Zukunft Fahrrad geht dieser Schritt zu weit.

Von Zukunft Fahrrad heißt es, dass es den grundlegenden Unterschieden der Fahrzeugarten nicht gerecht würde, wenn eKF, also vor allem E-Scooter, mit Fahrrädern gleichgestellt würden. Wasilis von Rauch, Geschäftsführer von Zukunft Fahrrad erklärt diesen Standpunkt: „E-Scooter und Fahrräder sind nicht das gleiche, und sie werden sehr verschieden genutzt. Das Fahrrad als zentrale Säule der aktiven Mobilität hat positive gesundheitliche, ökologische und ökonomische Effekte. E-Scooter hingegen sind Kraftfahrzeuge. Die Unterschiede müssen sich auch in der Straßenverkehrsordnung widerspiegeln. Ein Beispiel: Das Gehweg-Parken von Sharing-Scootern führt immer wieder zu Problemen. Beim Bikesharing kommt das in diesem Maß kaum vor. Bikesharing hat zudem einen sehr hohen Nutzen für die urbane Mobilität, es ist günstig und immer mehr Menschen nutzen es. Hier beide Sharing-Systeme gleichzusetzen und damit auch stationsloses Bikesharing zu verhindern, verschärft Konflikte an anderen Stellen. Ja, wir brauchen klare Regeln für Elektrokleinstfahrzeuge, Kommunen müssen nach ihren Bedürfnissen regeln können. Pauschale Einschränkungen für Bikesharing sind aber ein Fehler.“
Grundsätzlich begrüße der Wirtschaftsverband die Initiative des BMV, rechtliche Vereinfachungen und Maßnahmen anzustoßen, um die Verkehrssicherheit zu verbessern, heißt es weiter.

(sg)


Tourismus x Panasonic

Mobility Hub in Gmund am Tegernsee offiziell eröffnet

Hochwertige E-Bikes kontaktlos buchen und ausleihen unabhängig von Geschäftszeiten: Das ist ab sofort in Gmund am Tegernsee möglich. Mit im Sattel: E-Antriebsspezialist Panasonic und weitere Akteure aus der Branche.

Anfang August wurde der Mobility Hub am Bahnhof von Gmund am Tegernsee offiziell eröffnet. Der Mobility Hub bietet insgesamt zwölf hochwertige E-Bikes, die für alle Ansprüche und Größen geeignet sind. Die Bikes können bequem rund um die Uhr online unter mobility-hub.bayern reserviert werden, was eine einfache und kontaktlose Buchung ermöglicht. Die Fahrräder werden von Panasonic Cycle Technology Europe mit dem aktuellen GX-Power-Plus-System ausgestattet, das ein Drehmoment von 95 Nm liefert. Ab dem Jahr 2026 sollen auch E-Bikes mit der GXM Drive Unit von Panasonic verfügbar sein, um das Angebot weiter zu verbessern. Beim offiziellen Akt dabei waren neben dem Mobility-Hub-Team mit Ralf Jirgens und Andres Stetefeld auch Ralph Büttner und CEO Johannes Spatz von Panasonic Industry Europe.
Mit im Sattel sind übrigens auch Helmanbieter KED, dessen Helme kostenlos mit ausgeliehen werden können, und Schlossanbieter Abus.


(jw)


Kuratorium für Verkehrssicherheit

Österreich diskutiert über eine Helmpflicht bei E-Bike und E-Scooter

In Österreich ist eine öffentliche Diskussion über die Einführung einer Helmpflicht bei E-Bikes und E-Scootern entbrannt. Ausgelöst wurde sie durch eine entsprechende Forderung des Kuratoriums für Verkehrssicherheit im Rahmen der Veröffentlichung der Unfallstatistik für das Jahr 2024.

Der E-Bike-Verkauf boomt auch in Österreich in den vergangenen Jahren. Im Jahr 2024 hatten 57 Prozent aller verkauften Fahrräder einen E-Antrieb. Die E-Bike-Dichte steigt und mit ihr auch die Zahl der Personen, die nach E-Bike-Unfällen in Österreich im Krankenhaus behandelt werden müssen. 9800 waren dies laut jetzt veröffentlichten Daten des Kuratoriums für Verkehrssicherheit (KFV) im Jahr 2024 und damit zehn Prozent mehr als im Jahr zuvor.
Das KFV hat zudem tödliche E-Bike-Unfälle im Straßenverkehr ausgewertet. Das waren laut KFV im Jahr 2024 insgesamt 20. 59 Prozent der Getöteten haben keinen Fahrradhelm getragen, so die Feststellung. Noch alarmierender sei die Situation bei E-Scootern, wo sogar 90 Prozent der Getöteten keinen Helm getragen haben. Dipl.-Ing. Klaus Robatsch, Leiter der Verkehrssicherheit im KFV, appelliert daher an den Gesetzgeber die vom KFV seit längerem geforderte Helmpflicht für E-Bikes und E-Scooter endlich umzusetzen. „Selbst die von uns befragten E-Bike-Fahrenden befürworten zu 65 Prozent die Einführung einer Helmpflicht. Und wie wir aus einer anderen KFV-Erhebung wissen, tragen 67 Prozent bereits einen Helm.
Bei den verbleibenden 33 Prozent könnten wir die Überlebenschancen im Fall eines Unfalls durch die Einführung einer Helmpflicht spürbar verbessern. Denn ohne Helm trägt man ein siebenmal so hohes Risiko für Schädel-/Hirnverletzungen als mit Helm“.
Eine kontroverse Diskussion für und wider eine Helmpflicht ist entbrannt, nachdem auch der Verkehrsminister Peter Hanke (SPÖ) den Ball aufgenommen und entsprechende Pläne angekündigt hat. Besonders Sharing-Anbieter wie Dott, Lime oder Voi sprechen sich gegen eine solche Helmpflicht aus und fordern vielmehr, die Radverkehrsinfrastruk-tur deutlich zu verbessern.
Zuletzt hatte auch eine Entscheidung des Obersten Gerichtshofs in Österreich Diskussionen ausgelöst. Laut dem Urteil lässt sich Menschen, die auf dem E-Bike keinen Helm tragen, eine Mitschuld an eigenen Verletzungen ankreiden, auch wenn sie schuldlos in den Unfall verwickelt wurden. Dadurch kann Schmerzensgeld vermindert werden.

(jw)


Studie veröffentlicht

Women in Cycling macht strukturelle Barrieren sichtbar

Wie ist die Situation von Frauen in der Fahrradwirtschaft? Dieser Frage ging eine Studie nach, die Women in Cycling gemeinsam mit Partnern durchgeführt hat. Im Juli wurden die Ergebnisse veröffentlicht.

In vielen Bereichen der Fahrradwirtschaft sind Frauen präsent. Technik, Führung und faire Bezahlung bleiben jedoch oft unerreichbar für sie. So fasst die Organisation Women in Cycling die Ergebnisse der Studie „Arbeitsbedingungen in der Fahrradbranche“ zusammen. An dieser nahmen 680 Personen, davon 44 Prozent Frauen, teil. Ziel der Studie ist es, strukturelle Barrieren sichtbar zu machen und Unternehmen und der Politik Handlungsmöglichkeiten aufzuzeigen. Neben Women in Cycling waren der Zweirad-Industrie-Verband (ZIV) sowie die Universität Kassel und die Hochschule RheinMain an der Umfrage beteiligt.

Handel, Vertrieb und Produktion männlich dominiert

Nur 30 Prozent der Top-Management-Positionen in der Fahrradwirtschaft sind laut der Studie weiblich besetzt. Im Handel und in der Produktion sind es sogar nur 22 bis 23 Prozent. Zudem konnten die Stu-dienmacher*innen eine gläserne Decke beim Einkommen identifizieren. In höheren Gehaltsklassen sind Frauen deutlich unterrepräsentiert und empfinden Benachteiligung, wenn es um Gehalt und Aufstieg geht. Zu den Erwartungen der Frauen zählen höhere und gleichberechtigte Bezahlung, flexible Arbeitszeitmodelle und sichtbare Vorbilder. Insbesondere in Handel, Vertrieb und Produktion seien Aufgaben unfair verteilt und strukturelle Hürden besonders groß.
Auch positive Zeichen bieten die Studienergebnisse. 65 Prozent der Frauen wollen sich weiterqualifizieren, 35 Prozent streben aktiv Führungspositionen an. Die Kehrseite: Nur 14 Prozent möchten in ihrer derzeitigen beruflichen Situation verbleiben. Jede zehnte Frau denkt laut der Studie über einen Branchenwechsel nach, was es als Warnsignal und Auftrag zu verstehen gilt.

Von links nach rechts: Prof. Dr. Angela Francke, Andrea Kurz, Dr. Sandra Wolf, Anke Schäffner und Isabell Eberlein

Frauen wissen, was sie brauchen

Frauen wissen, was sie brauchen, lautete bereits das Resümee eines entsprechenden Panels auf der Eurobike. Die Studienmacher*innen fassen zusammen: „Wer Vielfalt und Gleichstellung jetzt nicht aktiv angeht, riskiert Fachkräfte, Innovationskraft – und Glaubwürdigkeit.“ Um Entwicklungen nachvollziehen zu können, soll die Studie künftig regelmäßig wiederholt werden.
Anke Schäffner vom ZIV sagt: „Für uns als Verband ist klar: Diversität und Frauenförderung müssen in die Breite getragen werden. Dafür braucht es stärkere Vernetzung in der Branche und mit externen Partnern. Wir als ZIV tragen die Botschaft nach außen, sehen uns aber auch in der Verantwortung, Allianzen zu schmieden. Eine solide Datengrundlage ist essenziell, damit wir mit klaren Zahlen arbeiten und echte Veränderungen anstoßen können. Diversität ist kein Frauenthema, sondern betrifft alle Menschen. Unser Appell: gemeinsam handeln für eine vielfältige und zukunftsfähige Branche.”
Von Women in Cycling lautet der Appell für eine diskriminierungsfreie Branche, dass sich die Fahrradwirtschaft professionalisieren muss. Bei der Organisation gehe die Arbeit jetzt erst richtig los, sagt Isabell Eberlein von Velokonzept: „Wir haben die Datengrundlage, wir wissen, dass es einen enormen Gender-Daten-Gap gibt. Das heißt, wir müssen jetzt in Formate investieren, in Networking, in Mentoring, in Weiterbildung und uns Frauen fit machen. Aber nicht nur das, sondern auch die strukturelle Ebene. Und es gibt Unternehmen wie JobRad, es gibt Unternehmen wie Riese & Müller – die zeigen uns, wie es gehen kann. Das müssen wir jetzt in die Breite tragen. Also legen wir los!”

(sg)


Urban Mobility Barometer

Generation Z fährt viel Rad

Der Sport- und Outdoor-Händler Decathlon hat junge Erwachsene in sechs europäischen Ländern nach ihrem Mobilitätsverhalten befragt. In Deutschland fahren junge Menschen demnach im Vergleich am meisten Rad. Sie wünschen sich dennoch konkrete Verbesserungen.

87 Prozent der befragten jungen Erwachsenen fühlen sich beim Radfahren grundsätzlich sicher. Jedoch bezeichnen nur 50 Prozent ihre Stadt als fahrradfreundlich.

Über 4000 Menschen im Alter von 18 bis 28 Jahren hat Decathlon in Frankreich, dem Vereinigten Königreich, Deutschland, Italien, Polen und Spanien befragt. Das Stimmungsbild zeigt, dass die Generation Z zunehmend Fahrräder in ihren Alltag inte-griert. 75 Prozent fahren regelmäßig Fahrrad, 58 Prozent mindestens einmal in der Woche. In Deutschland als Spitzenreiter sind es gar 66 Prozent, die das Fahrrad mindestens einmal pro Woche nutzen. 22 Prozent nutzen hierzulande täglich ihr Rad, auch das ist Spitzenwert. In der gesamten Umfrage liegt der Wert bei 16 Prozent.
Am häufigsten nutzen berufstätige junge Erwachsene in den untersuchten Ländern das Rad (66 Prozent). Studierende fahren weniger (39 Prozent). Die häufigsten Beweggründe sind, fit und gesund bleiben zu wollen (79 Prozent), Freiheit und den Fahrspaß zu genießen (68 Prozent), Zeit zu sparen und Staus zu vermeiden (68 Prozent) sowie Geld zu sparen im Vergleich zu anderen Verkehrsmitteln (67 Prozent).
Wer das Fahrrad als Verkehrsmittel der Umweltbewussten sieht, liegt ein Stück weit falsch, wie das Barometer zeigt. Während 80 Prozent der Deutschen Gesundheit als Motivator zum Radfahren angeben, ist der am seltensten genannte Faktor, den eigenen ökologischen Fußabdruck zu reduzieren. Vor allem in der Freizeit (60 Prozent) und für den Sport (45 Prozent) nutzen junge Erwachsene das Fahrrad und weniger für den Weg zur Arbeit, zur Uni oder für Erledigungen. In Deutschland liegen Freizeitaktivitäten bei 55 Prozent, Sport und Training bei 52 Prozent.

Hürden trotz Sicherheitsgefühl

87 Prozent fühlen sich beim Radfahren im Schnitt der untersuchten Länder und in Deutschland grundsätzlich sicher. Nur 50 Prozent bezeichnen ihre Stadt jedoch als fahrradfreundlich. In Deutschland liegt dieser Wert bei 90 Prozent. In Europa geben jedoch auch 61 Prozent an, sich nicht vollständig sicher zu fühlen, wenn sie ihr Rad nutzen. Der Anteil dieser Gruppe aus Deutschland nennt riskantes Verhalten von Autofahrerinnen und anderen Verkehrsakteurinnen als Hauptgrund (61 Prozent). Das starke Verkehrsaufkommen führen mit 52 Prozent die zweitmeisten Befragten hierzulande als Argument an.
Einigkeit besteht länderübergreifend darin, was es braucht, um die Situation für Radfahrende zu verbessern. Am häufigsten genannt wurden mehr geschützte und getrennte Radwege (54 Prozent), sichere Abstellmöglichkeiten für Fahrräder (43 Prozent) sowie bessere Beschilderung und Karten für Radwege (36 Prozent).
Das Unternehmen Decathlon resümiert: „Das Barometer sendet eine klare Botschaft: Die Generation Z ist bereit, aufs Rad zu steigen, und erwartet von Städten und Gemeinschaften, dass sie Radfahren im Alltag einfacher, sicherer und sichtbarer machen.“


(sg)


Bundeshaushalt 2026

ADFC begrüßt geplante Erhöhung der Radwegemittel

Der Ende Juli im Kabinett verabschiedete Entwurf zum Bundeshaushalt 2026 sieht eine deutliche Erhöhung der Mittel für den Radverkehr vor. Der Fahrradclub ADFC begrüßt den Schritt, fordert an einer Stelle jedoch Nachbesserungen.

Im Vergleich zum Jahr 2025 will der Bund die Mittel für den Radverkehr erhöhen – und zwar von 442 Millionen Euro auf rund 620 Millionen. Dazu erklärt ADFC-Bundesgeschäftsführerin Dr. Caroline Lodemann: „Wir sehen darin durchaus ein Signal, dass die Regierung das Fahrrad als zukunftsgerichtetes Verkehrsmittel ernst nimmt. Jetzt kommt es darauf an, die Mittel für den bundesweiten Radwegeausbau langfristig zu sichern und am Bedarf auszurichten. Hierfür ist auch die geplante Anschaffung von Spezialfahrzeugen, die den Zustand von Radwegen schnell und systematisch erfassen können, ein wichtiger Schritt.“
An einer Stelle äußert die ADFC-Frontfrau deutliche Forderungen: „Nachbesserungsbedarf sehen wir bei der Finanzierung von Fahrradparkhäusern an Bahnhöfen. Hier hat es die Bundesregierung versäumt, das 2024 kurzfristig gestoppte Förderprogramm wieder aufzunehmen. Es fehlen nach wie vor über eine Million Fahrradabstellplätze an Bahnhöfen. Dafür braucht es ein langfristig ausfinanziertes Programm.“
Die Bereitstellung von finanziellen Mitteln ist die eine Sache. Wichtig sei jetzt aber auch, dass sie abgerufen und eingesetzt werden. Dazu sagt Caroline Lodemann: „Damit der Radverkehr vor Ort von den Bundesmitteln profitiert, sind die Länder und Kommunen gefragt. Wichtig ist genügend qualifiziertes Personal für die Planung und den Ausbau von Radwegen. Der ADFC-Fahrradklima-Test hat kürzlich erneut gezeigt, dass die Menschen in Deutschland mit der Qualität und Sicherheit der Radwege nicht zufrieden sind.“

(jw)


Abschließbare Box

Chike erweitert Einsatzzwecke für das E-Cargo Pro

Der Anbieter für kompakte E-Lastenfahrräder Chike präsentiert das E-Cargo Pro jetzt mit einer abschließbaren Box auf dem bewährten, kompakten Chassis mit seinem Neigefahrwerk. Damit wird das Modell für Lieferdienste und Gewerbetreibende attraktiv.

Die Box hat ein Volumen von 320 Litern und fasst sechs Euroboxen im Grundformat 30 x 40 cm. Dieses Format haben ebenfalls Getränkekisten oder spezielle Werkzeugboxen.
Auf die hintere, etwas tiefere Ebene passen vier Boxen mit einer Höhe von 25 cm, im vorderen Bereich kommen zwei Boxen mit einer Höhe von bis zu 35 cm unter. Alternativ können im vorderen Bereich Dinge über Gurte und Airline-Schienen fixiert werden, ganz ähnlich wie auf der Plattform des E-Cargo.
Der Deckel ist so konzipiert, dass er eine große Öffnung bietet und per Gasdruckfeder leichtgängig geöffnet und geschlossen wird. Abgeschlossen wird die Box über ein hochwertiges Zylinderschloss. Ähnlich angenehm wie beim E-Cargo ist die Ladehöhe beim E-Cargo Pro zum Be- und Entladen, wobei die niedrige Ladekante ein Vorteil ist.

Fertigung in Norddeutschland

Hergestellt wird die Box in einem Rotationsverfahren aus Polyethylen, einem recyclebaren Kunststoff. Das Fertigungsverfahren ermöglicht gleichmäßig dünne Wandstärken und die individuelle Form der Box. Individuelle Farben sind übrigens schon in kleinen Serien möglich. Mit der Produktion in Norddeutschland erfüllt die E-Cargo-Pro-Box einen weiteren Punkt im Lastenheft: Wie alle weiteren Boxen ist diese ebenfalls komplett in Deutschland gefertigt.
In dem Aufbau mit dem schließenden Deckel ist die Box regen- und spritzwasserdicht, und obendrein wirkt sie schalldämpfend. Ihre Seitenflächen bieten sich geradezu als Werbefläche an.
Zur endgültigen Montage hat es die E-Cargo-Pro-Box nicht weit, denn das neue Modell wird jetzt schon in der Hartje-Manufaktur in Hoya gefertigt – und ist somit bereits bestellbar.
Es wird wie alle anderen Chike Modelle in zwei Varianten angeboten: Mit Shimano-EP6-Cargo-Motor, Riemenantrieb und 630-Wh-Akku sowie der elektronisch schaltenden Shimano Nexus 5E Di2 oder in der SE-Version mit dem Shimano-E6100-Cargo-Antrieb, 418-Wh-Akku, Kette und Shimano-Nexus-5-Gang-Nabenschaltung.

(jw)


Konferenz auf der Eurobike

Radlogistik zeigt sich robust

Trotz einiger Hürden stehen die Zeichen bei der deutschen Radlogistikbranche auf Wachstum. Das beweisen neue Marktdaten, die gemeinsam mit Diskussionen über wichtige Handlungsspielräume die Radlogistikkonferenz auf der Messe Eurobike Ende Juni prägten.

Ein wichtiger Gegenstand der Konferenz war der Branchenreport 2025, welchen der Radlogistik-Verband Deutschland in Zusammenarbeit mit der Technischen Hochschule Wildau bereits Anfang dieser Woche veröffentlichte. Dr. Tom Assmann, der als Vorsitzender des Verbands das Event moderierte, sprach von herausfordernden Jahren, aus denen die Branche kommt. Weiteres Wachstum gibt es trotzdem, wie die Marktzahlen belegen. 2024 waren ungefähr 6000 Personen im Ökosystem Radlogistik beschäftigt. Das entspricht einem Zuwachs von 12 Prozent gegenüber dem Vorjahr. 40 Prozent der Unternehmen erwarten für 2025 eine wachsende Zahl an Beschäftigten. Das Ökosystem umfasst mittlerweile 254 identifizierte Institutionen, von operativen Radlogistikern über Hersteller bis hin zu spezialisierten Dienstleistern.
Der Gesamtumsatz der 43 befragten Unternehmen stieg 2024 ebenfalls an. Mit 190 Millionen Euro lag er 4 Prozent über Vorjahres-Niveau.
Sehr erfreulich ist aus Verbandssicht, dass die Unfallzahlen im Zusammenhang mit Radlogistik gering sind. „Radlogistik schafft nicht nur sichere Jobs auf dem Sattel, sondern macht auch die Jobs von anderen auf der Straße sicherer“, betont Assmann. Das insgesamt niedrige Unfallgeschehen zeige, dass Radlogistik eine stadt- und sozialverträgliche Alternative im urbanen Wirtschaftsverkehr darstellt. Hinzu kommt, dass auch Menschen ohne Führerschein einen Job in der Logistik ausüben können und so in den Arbeitsmarkt integriert werden.

Radverkehr fördern heißt Radlogistik fördern

Mitautor der Studie, Prof. Christian Rudolph, adressiert die Forderungen der Branche, um sich künftig positiv entwickeln zu können: „Der Appell an die Politik bleibt: Bessere Rahmenbedingungen für die Radlogistik-Branche müssen geschaffen werden.“ Konkret wollen die befragten Unternehmen, dass bei öffentlichen Ausschreibungen ein „Sustainable-first“-Prinzip angewandt wird. Weiter fordern sie, klimaschädliche Subventionen wie das Dieselprivileg zu stoppen und bundesweit einheitliche Regelungen für Mikro-Hubs zu treffen. Als Hauptforderung steht weiterhin im Fokus, die Fahrradinfrastruktur konsequent auszubauen und die Mittel für mindestens zwei Meter breite, durchgehende Radwege im Sondervermögen vorzusehen. Ein weiterer Schmerzpunkt: Gewerbliche Lastenräder mit Leasing-Verträgen sind weiterhin nicht förderfähig.
Kernthema des RLVD bleibt weiterhin die Frage, wie E-Cargobikes reguliert werden. Vor Kurzem positionierte sich der Verband bereits zu dieser Frage, velobiz.de berichtete und lud zum Austausch im Ausklang des Konferenzformats ein. Für mehr Klarheit möchte der Verband nun mit einem Begriff für schwere Lastenräder sorgen. Diese sollen künftig Commercial Cargo Bikes heißen, wie ein offener und partizipativer Prozess innerhalb der Arbeitsgruppe Technik & Standardisierung ergab. „Mit dem Begriff Commercial Cargo Bike schaffen wir eine gemeinsame, verständliche Sprache für Fahrzeuge, die täglich wirtschaftlich im Einsatz sind – ob in der Paketzustellung, im Handwerk oder bei kommunalen Diensten. Der Begriff betont den professionellen Nutzen und hebt sich bewusst von Freizeit- oder Privatnutzung ab“, erklärt Sebastian Bächer, Fachvorstand Technick & Standardisierung beim RLVD. Gemeint sind Fahrzeuge mit einem zulässigen Gesamtgewicht von 250 bis maximal 600 Kilogramm, wie sie die europäische Norm DIN EN 17860:4 definiert.

„Kommunen sind Marktgestalter für Radlogistik.“

Dr. Tom Assmann, Radlogistik Verband Deutschland

Lastenräder schlagen Vans in Brüssel

Eine Studie, die Larry vs. Harry gemeinsam mit dem belgischen Radlogistiker Urbike und Kale AI durchgeführt hat, zeigte, wie viel effizienter Radlogistik gegenüber der herkömmlichen Van-Logistik ist. Dafür wurden Daten in der Praxis gesammelt, die dann mit simulierten Daten für Van-Lieferungen verglichen wurden. Das Ergebnis zeigt, dass Cargobikes nicht nur viele Ressourcen einsparen können, sondern in Brüssels Stadtverkehr mit 16 km/h schneller als Vans waren (11,3 km/h). Im sechswöchigen Untersuchungszeitraum lieferten sie 10,1 Pakete pro Stunde aus, was mehr als doppelt so viel wie die simulierten Lieferwagen ist (4,9). Die Referenten von Urbike und Larry vs. Harry betonten, dass es viele Studien zum Potenzial der Radlogistik gebe, aber zu wenig Evidenz aus echten Anwendungsfällen.
Ein Schlüsselfaktor für erfolgreiche Radlogistik sind Arbeitskräfte. Input gab es dazu von einem Radlogistikunternehmen aus Paris, den Cargonautes. Die Vertreter des Unternehmens sprachen von guten Bewerberzahlen bei ihren offenen Stellen vor allem in den Sommermonaten und davon, dass der Job als Kurier Radfahrende und mittlerweile zumindest etwas häufiger auch Frauen anspreche. Gehälter 25 Prozent über Mindestlohn und Mitarbeiterleistungen seien wichtig für das Unternehmen, um Mitarbeiterinnen zu halten. Hilfreich seien weiter auch hybride Rollen, bei denen Kuriere beispielsweise auch im Vertrieb eingesetzt werden. Insgesamt sei Radlogistik als Arbeitsbereich positiv besetzt. Gerade in der Fahrradstadt Paris gibt es zudem auch Vorteile für Radlogistik, die die höheren Gehälter möglich machen. Die Stadt ist mit 19.000 Einwohnern pro km² (Berlin: 4100 Personen pro km²) äußerst dicht besiedelt und hat insbesondere in den zentralen Stadtteilen viele wohlhabende Einwohnerinnen.
Stephan Fuchs vom Verbund Service und Fahrrad bemängelte, dass junge Menschen zu wenig Bescheid wissen über Arbeitsmöglichkeiten in der Fahrradbranche. Die 2019 ins Leben gerufene Website fahrrad-berufe.de solle das ändern, scheitere dabei aber zum Teil an der Finanzierung. Als Positivbeispiel stellte Fuchs mit zwei Vertreterinnen von Riese & Müller ein gemeinsames Projekt vor, durch das Angestellte des E-Bike-Herstellers ohne Berufsabschluss diesen in 14 Monaten berufsbegleitend erarbeiten können. Für ähnliche Kooperationen wolle man neue Partner finden, so Fuchs.

Kommunen als essenzieller Baustein

„Kommunen sind Marktgestalter für Radlogistik“, fasste Tom Assmann die Bedeutung kommunaler Rahmenbedingungen für die Branche zusammen. Internationale Beispiele auf der Konferenz zeigten, wie der Support seitens der Kommunen sich strukturieren lässt. Das kann finanzielle Förderung sein, wie ColisActiv sie in Frankreich bietet. Im Schnitt werden Radlogistikunternehmen dabei mit 50 Cent pro Lieferung in den ersten zwei bis vier Jahren unterstützt. Essenziell sind außerdem die Rahmenbedingungen für Radverkehr und Mikro-Depots. In vielen Kommunen fehlt es an Wissen über Potenzial und Praxis der Radlogistik. Das zeigt das Projekt iKnowRadlogistik, welches die Verantwortliche Luise Braun in Frankfurt vorstellt. In Städten, in denen es einen Wirtschaftsverkehrsbeauftragten gibt, sei die Lage etwas besser. Die Website Atlas der Radlogistik hilft Kommunen mit fortlaufenden Informationen, Radlogistik zu fördern.
Zum Abschluss des Fachprogramms, auf das noch eine Tour und ein Netzwerk-Event folgten, sprach Assmann sich dafür aus, auf europäischer Ebene zusammenzuarbeiten und eine zukunftsfähige Welt zu schaffen. Für ihn war die Konferenz sicher ein besonderes Event. Für ihn dürfte es der letzte Auftritt als Vorsitzender des Verbandes gewesen sein. Nach vier Jahren wolle er das Amt abgeben.

(sg)


Bilder: ZETmobil, AKTIONfahrRAD, WIC Germany, Decathlon

(erschienen in VELOPLAN, Nr. 01/2025, März 2025)


Studie aus Großbritannien

Radwege erhöhen Immobilienwerte

Ein gut ausgebautes Radwegenetz kann laut einer Studie von Ökonomen aus Birmingham den Wert einer Immobilie steigern. Dahinter steht für die Wissenschaftler eine potenziell hohe Nachfrage.

Laut zwei britischen Ökonomen besteht ein Zusammenhang zwischen einem gut ausgebauten Radwegenetz und Immobilienwerten in dessen Umfeld. Das haben Erez Yerushalmi von der Birmingham City University und David Hearne von der University of Birmingham am Beispiel des Großraums Manchester festgestellt. „Unsere Ergebnisse deuten auf eine ungedeckte Nachfrage nach Fahrradinfrastruktur hin, eine, die Immobilienentwicklern und politischen Entscheidungsträgern noch nicht bewusst ist“, interpretieren die Forscher ihre Ergebnisse.
Andere Beispiele ließen sich in Großbritannien nicht finden, heißt es in einer Mitteilung. Das dürfte laut den Forschern mit der dortigen schlechten Infrastruktur zusammenhängen. Die mache das Radfahren wenig attraktiv und unsicher. „Gegner von Investitionen in das Radwegenetz argumentieren, dass diese im Vergleich zu anderen Verkehrsträgern (einschließlich ÖPNV), die eine größere Reichweite haben und mehr Komfort bieten, möglicherweise keine nennenswerten Vorteile bringen“, so die Ökonomen. Derzeit seien Fahrradskeptiker dominierend.

Netzwerkeffekt statt Teufelskreis

Derzeit werde aus einem Teufelskreis heraus nicht ausreichend investiert, schlussfolgern Yerushalmi und Hearne. Schlechte Infrastruktur führe zu wenig Nutzung und die wiederum zu mangelhaften Investitionen in die Infrastruktur. Die höheren Immobilienpreise in der Nähe von Radwegnetzen sprächen jedoch für eine potenziell hohe Nachfrage. Die Wissenschaftler plädieren in einem Text für das Medium „The Conversation“ für einen möglichen positiven Kreislauf, wenn investiert würde. „Das ist ein sogenannter Netzwerkeffekt, bei dem der Wert eines Systems steigt, je mehr Menschen es nutzen, wodurch eine positive Rückkopplung entsteht.“

(sg)


Deutsche Dienstrad ist Partner

Dienstrad-Leasing für Landesbedienstete in Rheinland-Pfalz startet

Nach der Vertragsunterzeichnung vor fast einem Jahr mit der Deutschen Dienstrad kann es jetzt für die Landesbediensteten in Rheinland-Pfalz losgehen. Vorausgegangen waren eine Programmierung der Dienstrad-Applikation und anschließende Tests.

Alle Beamtinnen, Richterinnen sowie Tarifbeschäftigte in Rheinland-Pfalz haben nun die Möglichkeit, über den Deutsche Dienstrad MobilityHub oder auch direkt über den Fachhandel vor Ort Fahrräder zu beziehen. „Wir als Familienunternehmen und Mobility Technology Company möchten das Ziel der nachhaltigen Mobilitätswende zusammen mit der Digitalisierung gemeinsam in Einklang bringen. Mit dem Bundesland Rheinland-Pfalz freuen wir uns über die zukünftig enge Zusammenarbeit“, erklärt Christina Diem-Puello, Geschäftsführerin Deutsche Dienstrad.
„Vom ersten Kontakt haben alle Projektbeteiligten hervorragend zusammengearbeitet. Nach dem Freistaat Bayern ist das Bundesland Rheinland-Pfalz unser nächster Großpartner aus dem öffentlichen Sektor in Deutschland“, sagt Maximilian Diem, Geschäftsführer Deut-sche Dienstrad.
Geleast werden können Fahrräder und E-Bikes, deren Wert (einschließlich Zubehör) den Betrag von 7000 Euro (Hersteller-UVP) nicht übersteigt. Die Bediensteten sind frei hinsichtlich der Wahl des Fahrrads (Marken, Modelle, Typen). Auch E-Bikes, Lastenräder und Fahrräder für Menschen mit Behinderungen sind möglich.

(jw)


Fünf weitere Jahre

EU verlängert Strafzölle auf E-Bikes aus China

Im Januar hat die EU-Kommission entschieden, dass auf in China gefertigte E-Bikes auch in den kommenden fünf Jahren Anti-Dumping-Strafzölle erhoben werden sollen. Der genaue Tarif wird nach Betrieben gestaffelt.

Verzerrt die Volksrepublik China den globalen Wettbewerb durch Subventionen für exportorientierte Industrien und Betriebe? Die Diskussion darüber hält schon länger an – und fokussierte zuletzt stark den Bereich der PKWs mit Elektroantrieb. Aber auch bei den E-Bikes stellt sich die Frage angesichts der enorm großen Fertigungskapazität chinesischer Unternehmen. Während die European Bicycle Manufacturers Association (EBMA) als Vertretung der europäischen Hersteller für eine Fortsetzung der 2019 eingeführten Strafzölle eintrat, hielt LEVA-EU als Vereinigung der Importeure leichter Elektrofahrzeuge vehement dagegen und machte geltend, dass Anti-Dumping-Strafzölle das Preisniveau für E-Bikes erhöhten und somit sozial Benachteiligte von der E-Mobilität ausgeschlossen würden. Zudem seien viele Unternehmen mit der komplexen Bürokratie überfordert, was schon zu einigen Pleiten geführt habe.

Untersuchungen

Im Januar 2024 startete die EU-Kommission auf Ersuchen der EBMA eine Untersuchung dazu, ob die Anti-Dumping-Strafzölle um weitere fünf Jahre verlängert werden sollten. Zentral waren dabei die Fragen, ob China heimische Produzenten wieder oder weiterhin mit Subventionen unter die Arme greifen würde und ob für europäische Produzenten aus dieser Wettbewerbsverzerrung ein Schaden entstehen könnte. Die EU-Kommission lud im Zuge der Ermittlungen auch die Volksrepublik China zu Stellungnahmen ein, aber Peking ging nicht auf diese Offerte ein. Dafür wehrte sich eine ad hoc gebildete Vereinigung von acht europäischen Firmen, die Teile aus China oder Drittländern importieren und E-Bikes aufmontieren, gegen die Verlängerung der Strafzölle. Vergeblich, denn am vergangenen Freitag fällte die EU-Kommission den Entschluss, dass die Anti-Dumping-Strafzölle weiterhin notwendig seien und um fünf Jahre verlängert würden.

Unterschiedliche Sätze

Diesen Entscheid begründet die EU-Kommission damit, dass gerade exportorientierte Industriezweige in China weiter subventioniert würden. Somit würden dort produzierte E-Bikes bei einer Aufhebung der Anti-Dumping-Strafzölle Wettbewerbsvorteile genießen, und dies zum Schaden europäischer Produzenten. Konkret werden auf aus China gefertigte und in die EU importierte Waren die folgenden Tarife erhoben: Für bei der Untersuchung der EU-Kommission nicht kooperative Firmen werden Zölle in der Höhe von 9,9 Prozent bis 70,1 Prozent des Warenwertes fällig. Für kooperative Firmen fallen die Zolltarife mit 3,9 bis 17,2 Prozent deutlich geringer aus. Die Herstellervereinigung EBMA begrüßt den Entscheid der EU-Kommission, der viele KMUs in Europa vor den Folgen eines verzerrten Wettbewerbs schütze.


(lvr)


Sonderauswertung der Unfallstatistik zeigt:

Fahrräder und Pedelecs häufiger in Arbeitsunfälle verwickelt

Die Berufsgenossenschaft BG Verkehr hat meldepflichtige Arbeits- und Dienstwegeunfälle ihrer Versicherten ausgewertet. Pedelecs und Fahrräder sind am zweithäufigsten in Arbeitsunfälle verwickelt.

Genauer geht es in der stichprobenartigen Analyse der BG Verkehr um meldepflichtige Arbeits- und Dienstwegeunfälle, die sich zwischen Juli 2022 und Juni 2023 ereigneten. Hochgerechnet ist insgesamt von 7650 Unfällen die Rede, wovon 6388 als leichte Unfälle ohne stationären Krankenhausaufenthalt zu werten sind. 42 der Unfälle endeten tödlich.
Pkw hatten mit 31 Prozent den größten Anteil am Unfallgeschehen. Auf Platz zwei folgen Fahrräder und Pedelecs, die zusammen auf 23 Prozent der Unfälle kamen. Lkw über 7,5 t waren an 22 Prozent der Unfälle beteiligt, gefolgt von Kleintransportern bis 3,5 t (11 Prozent) und Bussen (6 Prozent).
Fahrräder seien in den Mitgliedsunternehmen der BG Verkehr unter anderem in der Postzustellung und bei den Kurierdiensten relevant. Hinzu kamen in den letzten Jahren Fahrräder, mit denen die Firmen Lebensmittel ausliefern. Pedelecs sorgten in den vergangenen Jahren für einen Schub bei den genutzten Fahrzeugen.

Viele Alleinunfälle

„Was uns bei Fahrrädern und Pedelecs auffällt, ist der hohe Anteil an Alleinunfällen“, sagt Martin Küppers, Leiter Regelwerk und Arbeitssicherheit bei der BG Verkehr. Als Alleinunfälle definiert sind Verkehrsunfälle, bei denen es keinen Unfallgegner gibt. Beispiele sind Stürze oder das Abkommen von der Fahrbahn. Über alle Branchen hinweg beträgt der Anteil der Alleinunfälle 34 Prozent. In den Branchen, in denen Fahrräder und Pedelecs eingesetzt werden, liegt er deutlich höher. Bei den 643 Unfällen in der Lebensmittelauslieferung etwa waren in 583 Fällen Fahrräder oder Pedelecs involviert. Davon waren zwei Drittel Alleinunfälle.
Auch wenn viele Unfälle auf zwei Rädern sich durch schwierige Wetterbedingungen oder Straßenverhältnisse erklären lassen, ist die Hauptunfallursache der Analyse zufolge dem persönlichen Bereich zuzuordnen. „Um unsere Versicherten für die Gefahren auf dem Fahrrad und dem Pedelec zu sensibilisieren, werden wir uns in diesem Jahr aktiv an der Schwerpunktaktion des Deutschen Verkehrssicherheitsrates (DVR) beteiligen, die unter dem Motto ‚Sichere Radfahrmobilität auf Arbeits- und Dienstwegen‘ steht“, kündigt Dr. Nadia Schilling, Leiterin der Fachgruppe Verkehrssicherheit bei der BG Verkehr, an. Geplant ist unter anderem eine Aktion zum bundesweiten Tag der Verkehrssicherheit am 21. Juni. Für mehr Sicherheit sorgen verkehrssichere Fahrräder und Schulungen für den Umgang mit ihnen. „Das ist nur auf den ersten Blick trivial“, heißt es von der BG Verkehr. „Die Fahrphysik eines Zweirads ist mit einer Transportbox oder einem Rucksack auf dem Rücken ganz anders, als es die meisten Radfahrer gewohnt sind“, warnt Küppers.
Ein Lichtblick für die Nutzer*innen der Zweiräder ist, dass der Anteil an den schweren und tödlichen Unfällen sehr gering ist. Lkw verursachten 488 dieser Fälle, gefolgt von Pkw (320 Fälle), Kleintransportern bis 3,5 t (173 Fälle), Fahrrädern (84 Fälle) und Pedelecs (46 Fälle).
Aus dem Untersuchungszeitraum wurden 685 Versicherungsfälle stichprobenartig aufgenommen und untersucht. In der Hochrechnung entsprechen diese 7650 Unfällen. Die Hochrechnungsfaktoren stammen von der DGUV-Arbeitsunfallstatistik.


(sg)


Präfektur Ehime

Velo-City 2027 erstmals in Japan

Zum ersten Mal in der Geschichte der Konferenz findet der Welt-Fahrrad-Kongress Velo-City in Japan statt. Den Zuschlag gab die European Cyclists‘ Federation (ECF) der Präfektur Ehime.

Matsuyama, die Hauptstadt der Präfektur Ehime, hat einen Radverkehrsanteil von 15 Prozent am Modal Split.

Die Präfektur Ehime gilt laut ECF als eine der fahrradfreundlichsten Regionen in Japan. Entsprechend sei der Ort passend, um die 2027er- Ausgabe der Konferenz Velo-City dort abzuhalten. Vom 25. bis 28. Mai 2027 gastieren die globalen Radverkehrsakteur*innen in der Hauptstadt der Präfektur Matsuyama, gelegen im Nordwesten der Insel Shikoku. Als Veranstalter tritt neben ECF die Präfektur Ehime auf. Tokihiro Nakamura, Gouverneur der Präfektur, fühlt sich durch die Entscheidung der ECF geehrt: „Diese Ehre wird in hohem Maße dazu beitragen, das Umfeld für das Radfahren in Japan und damit in ganz Asien zu verbessern, denn die Ausrichtung des weltweit größten Radverkehrs-Events hier in Japan wird auch dazu beitragen, dass die Menschen mehr über die Radverkehrspolitik erfahren, die in Europa entwickelt wird. Fahrräder sind nicht nur nachhaltige Verkehrsmittel, sondern auch eine wunderbare Möglichkeit, die Gesundheit zu fördern, eine Sinnhaftigkeit im Leben zu finden und neue Freundschaften zu schließen.“
In Japan macht der Radverkehr etwa 13 Prozent des Modal Splits aus. In Matsuyama liegt dieser Wert bei 15 Prozent. Ein Viertel der Menschen fährt mit dem Rad zur Arbeit oder zur Schule. Die Radverkehrsförderung der Präfektur nimmt unter anderem die Rolle des Fahrrads als Transportmittel und in der Tourismusförderung in den Blick. Seitens der ECF freut man sich über die Zusammenarbeit mit der Präfektur. Präsidentin Jill Warren: „Ehime ist ein außergewöhnliches Beispiel für eine Region, die die vielen Vorteile des Radfahrens als inklusives, widerstandsfähiges und gesundes Verkehrsmittel nutzt und gleichzeitig einen Beitrag zu Zielen wie den Sustainable Development Goals (SDGs) leistet. Wir glauben, dass Ehime und Japan eine Quelle großer Inspiration für viele Städte und Länder sein können, wenn es darum geht, das Radfahren sicher und zugänglich zu machen, und wir glauben, dass viele unserer Velo-Citizens sehr daran interessiert sein werden, Ehime im Rahmen ihrer Teilnahme 2027 kennenzulernen.“
Vor der japanischen Präfektur sind noch zwei andere Austragungsorte am Zug. In diesem Jahr findet Velo-city im polnischen Danzig (siehe Seite 80), 2026 dann im italienischen Rimini statt.


(sg)


Für den Aufbau in US-Städten

Hohe Zuschüsse für Swobbee und Oonee

Der Anbieter Swobbee konnte sich gemeinsam mit dem Unternehmen Oonee staatliche Zuschüsse in Höhe von 3,7 Millionen US-Dollar sichern. Das Geld soll in Park- und Ladestationen in US-Städten fließen.

Das US Joint Office of Energy and Transportation fördert den Batteriewechselexperten Swobbee und den Park- und Ladeinfrastrukturanbieter Oonee. Mindestens 20 Park- und Ladestationen in Minneapolis und zehn weitere Stationen in Jersey City sollen die Unternehmen mit den Zuschüssen in Höhe von 3,7 Millionen US-Dollar errichten können. In Jersey City würde sich die Gesamtzahl der Stationen damit auf 17 erhöhen.
Laut Swobbee werden auch in den USA mehr E-Bikes als Elektroautos verkauft. Die geförderten Stationen sollen den Zugang zu sicherer, zuverlässiger und nachhaltiger Mikromobilitäts-Infrastruktur für Pendlerinnen, Lieferfahrende und Großstadt-Bewohnerinnen in den Vereinigten Staaten verbessern. Ein Teil des Geldes fließt an das Rudin Center for Transportation Policy and Management der New York University. Forscher*innen sollen dort die Wirksamkeit des Programms bewerten und einen Leitfaden mit Best Practices entwickeln.
Eine sinnvolle Investition sind die Stationen auch deshalb, weil in New York jeder vierte Haushalt bereits einen Fahrraddiebstahl gemeldet hat und es durch nicht zertifizierte Batterien seit 2022 über 545 Brände und 24 Todesfälle gab. „Dies ist ein Wendepunkt im Kampf um den Ausbau dieser wichtigen nachhaltigen Infrastruktur in Städten überall in Amerika. Ein sicherer, bequemer Ort zum Parken und Laden ist das Fundament der Mikromobilitätserfahrung und sollte ein fester Bestandteil der städtischen Infrastruktur sein“, so Shabazz Stuart, CEO von Oonee. „Wir freuen uns darauf, mit Swobbee, der NYU und den Städten zusammenzuarbeiten, um eine Vorlage zu schaffen, die in ganz Amerika repliziert werden kann.“


(sg)


Bilder: www.pd-f.de / Luka Gorjup / Lux Fotowerk, Pixabay.com, DGUV / Buschardt, ECF/Präfektur Ehime

(erschienen in VELOPLAN, Nr. 04/2024, Dezember 2024)


Gemeinsames Engagement

Zukunft Fahrrad schließt Kooperation mit „Radeln ohne Alter Deutschland“

Der Branchenverband Zukunft Fahrrad und der Verein „Radeln ohne Alter Deutschland“ haben sich zusammengetan.

Als Dachorganisation setzt sich Radeln ohne Alter Deutschland e.V. für mobilitätseingeschränkte Menschen deutschlandweit ein: 2200 Freiwillige sind dafür bereits an 150 Standorten im Einsatz. Allein im Jahr 2023 wurden über 230.000 Rikscha-Kilometer geradelt und rund 35.000 Fahrgäste befördert.
Natalie Chirchietti, Gründerin und Geschäftsführerin von Radeln ohne Alter Deutschland: „Im nächsten Jahr wollen wir noch inklusiver werden und die Lücken auf unserer Deutschlandkarte weiter schließen, indem wir mithilfe von Spenden mindestens 100 weitere Fahrradrikschas auf die Straße bringen – und so noch vielen weiteren Menschen Lebensfreude und gesellschaftliche Teilhabe ermöglichen.“ Einzel- oder Unternehmensspenden können unter www.radelnohnealter.de/unterstuetzen/ getätigt werden.
Künftig schiebt der Verband Zukunft Fahrrad hier mit an. Elena Laidler-Zettelmeyer, Leiterin strategische Kooperationen bei Zukunft Fahrrad, sagt: „Verkehrsplanung richtet sich noch immer weitgehend nach dem Auto, dabei hat ein großer Teil der Bevölkerung gar nicht die körperlichen oder finanziellen Voraussetzungen, um Auto zu fahren. Dazu gehören Kinder, ältere Menschen, Menschen mit geringem Einkommen und Menschen mit körperlichen Beeinträchtigungen. Wenn Städte und Kommunen ihre Radwegenetze und ihre Infrastruktur richtig planen, integrativ gestalten und benutzerfreundlich umsetzen, eröffnen sich neue Freiheiten für alle. Und die Fahrradwirtschaft bietet passgenaue Produkte: vom Laufrad bis zum Spezialrad.“

(jw)


Historischer Wechsel

Deutsche Verkehrswacht wählt erstmals eine Präsidentin an die Spitze

Bei der Deutschen Verkehrswacht steht erstmals in der 100-jährigen Geschichte eine Frau an der Spitze des Verbandes. Anfang November wurde Kirsten Lühmann in ihr Amt gewählt.

Kirsten Lühmann folgt auf Kurt Bodewig, der sein Amt nach 17 Jahren vorzeitig niedergelegt hat. Lühmann bringt Erfahrung und Expertise für die Aufgaben mit. Sie war 27 Jahre lang Polizistin in Niedersachsen und 12 Jahre lang Abgeordnete im Deutschen Bundestag, unter anderem als Verkehrspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion. Zudem ist sie bereits seit 2022 Vizepräsidentin der DVW.
Kirsten Lühmann: „Ich glaube an die Vision Zero. Als Polizistin habe ich viele Jahre lang erleben müssen, welches Leid Verkehrsunfälle bei Angehörigen verursacht. Als Politikerin habe ich mich darum für legislative Maßnahmen eingesetzt, um die Verkehrssicherheit zu stärken. Als Präsidentin der DVW freue ich mich nun, zusammen mit den vielen Ehrenamtlichen der Verkehrswacht weiter daran zu arbeiten, Menschen eine sichere und selbstbestimmte Mobilität zu ermöglichen.“
Die Mitglieder und Delegierten sprachen Kirsten Lühmann einstimmig ihr Vertrauen aus. Kurt Bodewig wurde im Anschluss für sein langjähriges Engagement zum ersten Ehrenpräsidenten der DVW gewählt. Zur Hauptversammlung im Langenbeck-Virchow-Haus kam auch Bundesverkehrsminister Dr. Volker Wissing und hob in seiner Rede die besondere Geschichte der Verkehrswacht und die Leistung für die Sicherheit im Straßenverkehr hervor.

(jw)


Von Leipzig nach Europa

Nextbike weitet Präsenz in neue Länder aus

Seit 20 Jahren etabliert Nextbike ganzheitliche und nachhaltige Mobilitätslösungen als Teil des öffentlichen Nahverkehrs in ganz Europa. Zuletzt sind drei neue Länder hinzugekommen.

Neben zahlreichen neuen Angeboten in bestehenden Märkten wie z.B. in Polen (Metrobike in Oberschlesien) und Spanien (TUeBICI in Santander), hat Nextbike in diesem Jahr auch drei neue Märkte erschlossen. In den vergangenen Monaten hat Nextbike seine Mobilitätslösungen in den Kosovo, nach Portugal und Griechenland gebracht. Darüber hinaus wurde gerade eine Ausschreibung zur Erweiterung der Präsenz in Frankreich gewonnen: Ab dem Frühjahr 2025 wird Nextbike auch in der Region Mulhouse im Elsass ein öffentliches Bike-Sharing System betreiben.
Jhon Ramirez, Regional General Manager South West Europe: „Der Bedarf an nachhaltigen und gleichzeitig auch dynamischen und erschwinglichen Mobilitätslösungen wächst in ganz Europa, insbesondere im Süden, wo EU-Fördermittel aus dem Social Climate Fonds sehr wertvoll sind, um die Klimaziele zu erreichen und den öffentlichen Verkehr attraktiver zu machen.“ Mittlerweile betreibt Nextbike Bike-Sharing Systeme in 24 europäischen Ländern.

(jw)


Jugendorganisation und Doppelspitze

ADFC stellt sich auf Bundeshauptversammlung neu auf

Der ADFC bringt eine neue Generation von engagierten Radfahrenden an den Start. Die Weichen dafür wurden auf der Bundeshauptversammlung 2024 in Nürnberg gestellt.

In Nürnberg wurde am Wochenende eine Satzungsänderung verabschiedet, durch die im nächsten Jahr die Jugendorganisation „Junger ADFC“ gegründet werden kann. Weiterhin bekommen die ADFC-Bundesorgane künftig eine zweiköpfige Leitung mit mindestens einer Frau an der Spitze.
ADFC-Bundesvorsitzender Frank Masurat erklärt dazu: „Mit der Gründung des Jungen ADFC und der garantierten Präsenz von Frauen an der Verbandsspitze machen wir den ADFC zukunftsfähiger, vielfältiger und repräsentativer. In gesellschaftlich herausfordernden Zeiten ist es uns wichtig, Verantwortung zu übernehmen und unterschiedliche Perspektiven in unsere Arbeit einzubinden. Unser Ziel ist ein lebenswertes, fahrradfreundliches Land mit bezahlbarer, klimafreundlicher Mobilität für alle – eine Vision, für die es sich einzusetzen lohnt. Besonders freut uns, dass künftig viele junge Köpfe mit neuen Ideen das Fahrradland Deutschland im ADFC mitgestalten werden.“

Neue Dynamik

Ein Netzwerk junger Menschen im ADFC, die sich regelmäßig treffen und gemeinsam fahrradpolitische Aktionen organisieren, gibt es schon seit einigen Jahren. Nun wird die Rolle der jungen Menschen im ADFC durch eine Satzungsänderung und eine Vertretung im ADFC-Bundesvorstand weiter gestärkt. Die Gründungsversammlung des Jungen ADFC ist für das Frühjahr 2025 geplant. Angesprochen sind Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von 16 bis 26 Jahren. Ziel ist, das Engagement junger Menschen für ein fahrradfreundliches Deutschland zu fördern.

Lösung statt Spaltung

Mit dem politischen Leitantrag bekannte sich die ADFC-Bundesversammlung erneut zu ihren demokratischen Werten. Statt für Spaltung tritt der ADFC für eine Verkehrswende ein, die allen dient, indem sie die Lebensqualität steigert, Emissionen reduziert und bezahlbare Mobilität gewährleistet. Das Fahrrad ist eine Lösung für alle Menschen, im Alltag, in der Freizeit oder im Urlaub – so die Delegierten des ADFC. Radfahren steht für ein positives Lebensgefühl für alle.

(jw)


Bund fördert das Projekt

KI-basiertes Assistenzsystem soll Radfahren sicherer machen

Ein Assistenzsystem für Autos und Lkw, das Radelnde erkennt und den Abstand zu ihnen misst, könnte den Fahrradverkehr in Zukunft sicherer machen. Den Grundstein dafür soll das Forschungsprojekt BikeDetect an der Universität Oldenburg unter Leitung des Wirtschaftsinformatikers Prof. Dr. Jorge Marx Gómez legen.

An dem Vorhaben beteiligt sind die Iotec GmbH aus Osnabrück, assoziierte Partner sind die Stadt Osnabrück sowie der ADFC Osnabrück. Das Projekt wird für 18 Monate vom Bundesministerium für Digitales und Verkehr (BMDV) in der Innovationsinitiative mFUND mit knapp 200.000 Euro gefördert.
Hauptziel des Projekts ist es, herauszufinden, welche Kombination von Sensoren am besten geeignet ist, um Radfahrende von einem Fahrzeug aus zuverlässig zu erkennen. Dabei setzt das Team auf möglichst kostengünstige Verfahren. Zur Abstandsmessung testen die Forschenden Ultraschall-, Radar- und optische Verfahren, zum Erkennen von Personen auf einem Fahrrad setzen sie auf LiDAR, 3D-Kameras und Wärmemessungen. Entstehen soll ein KI-System, das die aufgenommenen Daten auswertet. Dieses System wird schrittweise entwickelt und im Labor, auf einem Parkplatz und im Straßenverkehr erprobt und verbessert. An der Auswahl möglichst unterschiedlicher Routen für die Feldtests sind die Stadt Osnabrück sowie der ADFC beteiligt.
Die Stadt Osnabrück sieht das Projekt als Möglichkeit, die Sicherheit im Radverkehr zu erhöhen. Ziel ist es, dass motorisierte Verkehrsteilnehmerinnen Werkzeuge an die Hand bekommen, mit denen sie selbst noch besser zum Schutz von Radfahrenden beitragen können. Das Team plant, die Ergebnisse der Öffentlichkeit vorzustellen. Der ADFC Niedersachsen verspricht sich von dem Projekt eine deutlichere Sensibilisierung aller motorisierten Verkehrsteilnehmerinnen für den Radverkehr. „Von eminenter Wichtigkeit ist aber auch, dass die Ergebnisse und Werkzeuge nach Ende der Studie den Kommunen in Niedersachsen landesweit für die Eigennutzung zur Verfügung gestellt werden“, sagt Rüdiger Henze, Landesvorsitzender des ADFC Niedersachsen. Das Ziel müsse nach wie vor die „Vision Zero“ sein, also das Ziel, ein sicheres Verkehrssystem ohne Getötete und Schwerverletzte zu verwirklichen.
Am Ende von BikeDetect soll ein prototypisches Sensorsystem inklusive eines passenden Konzepts zum Datenmanagement zur Verfügung stehen. „Unsere Vision ist es, dass zukünftige Fahrassistenzsysteme auch den Radverkehr im Blick haben und Autofahrer dabei unterstützen, einen sicheren Abstand zu Radfahrerinnen und Radfahrern zu halten“, sagt Projektleiter Jorge Marx Gómez. Das Projekt leiste damit einen wichtigen Beitrag, um die Sicherheit im Radverkehr zu steigern.

(pm)


ADAC hat getestet

Bike+Ride-Anlagen zwischen Licht und Dunkel

Viele der 80 untersuchten Anlagen schneiden im Bike+Ride-Test des Allgemeinen Deutschen Automobilclubs (ADAC) gut ab. Oft mangele es jedoch an Ausstattungsmerkmalen wie Überdachungen oder Anschließmöglichkeiten, so das Fazit des Automobilclubs.

Vor allem für den Pendelverkehr sind gute Abstellanlagen an öffentlichen Verkehrsmitteln wichtig.

Bike+Ride-Anlagen helfen Pendler*innen dabei, das Fahrrad mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu kombinieren. Der ADAC hat sich 80 dieser Anlagen im Einzugsgebiet von zehn deutschen Großstädten mit hohem Pendlervolumen genauer angesehen. In die Gesamtwertung floss neben der Lage, der Ausstattung und der freien Kapazität auch die Sonderausstattung ein. In der Kategorie Lage schnitten 86 Prozent der geprüften Anlagen gut oder sehr gut ab. Positiv wertete der ADAC auch, dass nur zehn Prozent der Anlagen stark ausgelastet oder überlastet waren. Ein Großteil wies zu den Testzeitpunkten noch mindestens 20 Prozent freie Stellplätze auf.
Ausstattung mit Luft nach oben Eine komfortable und wirklich sichere Nutzung ist nicht bei allen Bike+Ride-Anlagen möglich. Etwa ein Viertel der Stellplätze war nicht überdacht. An 84 Prozent fehlt es zudem an Lademöglichkeiten für E-Bikes und an 94 Prozent der untersuchten Bahnhöfe gibt es keine Schließfächer.
An der Hälfte der untersuchten Orte waren abschließbare Anlagen wie Fahrradgaragen oder -boxen überhaupt nicht vorhanden. Wenn es sie doch gab, zeigte sich eine hohe Auslastung. Der ADAC bemängelt weiterhin, dass bei 81 Prozent der Anlagen der Platz zum Anschließen des Rades meist zu eng ist. Als häufigsten Mangel identifiziert der Verein, dass es in 98 Prozent der Fälle keine gesonderten Flächen für Lastenräder gab.

Nutzung und Akzeptanz steigern

Ein Lichtblick lässt sich laut der Analyse des ADAC dennoch erkennen: „Immerhin: Es tut sich etwas. An mehreren Bahnhöfen im Umland der Großstädte werden derzeit neue Abstellmöglichkeiten für Fahrräder gebaut oder sind nach ADAC-Informationen geplant“, heißt es auf der Website des Vereins. Um die Nutzung und Akzeptanz des Bike+Ride-Konzepts weiter zu steigern, empfiehlt der Automobilclub, diese möglichst nah an den Bahnhofszugängen einzurichten. Wichtig seien außerdem Überdachungen und eine komfortable und sichere Nutzung. Es sollte nicht bloß das Laufrad, sondern auch der Rahmen anschließbar sein. Das Platzangebot sollte ausreichend sein, auch an Fahrradgaragen und Boxen, um höherwertige Fahrräder und E-Bikes ebenfalls angemessen zu sichern.
Der Test des ADAC fand außerhalb der Ferien im Zeitraum von April bis Juni 2024 von Dienstag bis Donnerstag zwischen 9 und 16 Uhr statt. Untersucht wurden Anlagen im Umland von Berlin, Bremen, Frankfurt, Hamburg, Hannover, Kiel, Köln, Leipzig, München und Stuttgart. Ausführliche Ergebnisse des Tests finden sich auf der Website des ADAC.

(sg)


Bilder: Radeln ohne Alter, Deutsche Verkehrswacht – Heidi Scherm, Nextbike, pd-f, ADAC – Theo Klein