Im vergangenen Jahr sind die Radreisen und Tagesausflüge mit Rad oder E-Bike in Deutschland zurückgegangen. In der Radreiseanalyse hat der ADFC genau aufbereitet, wie sich der Radtourismus in Deutschland entwickelt und Handlungsfelder identifiziert.
(erschienen in VELOPLAN, Nr. 02/2026, Juni 2026)
Radreisen nutzen viele Menschen als Anlass, in gute Ausrüstung und Services zu investieren. Wie die Grafik zeigt, sind Fahrradtaschen dabei am gefragtesten.
39,3 Millionen Deutsche, also fast jede und jeder Zweite fahren im Urlaub, auf Radreisen oder in der Freizeit Rad. 3,3 Millionen waren es, die 2025 eine klassische Radreise mit mehr als drei Übernachtungen unternahmen. Das sind 300.000 weniger als in der 2023er-Ausgabe der ADFC-Radreiseanalyse. Sie machten insgesamt 4,6 Millionen Radreisen und übernachteten im Schnitt 7,6 Mal. Rückläufig sind laut ADFC auch die Radkurzreisen mit ein bis zwei Übernachtungen. Statt 5 Millionen Menschen 2023 ließ die repräsentative Umfrage, an der 17.300 Menschen teilnahmen, nur auf 4,2 Millionen Menschen in 2025 schließen. Insgesamt gab es 7,6 Millionen Radkurzreisen, für die Mai und Juni am höchsten im Kurs standen. Ein ähnliches Bild zeigt sich bei den Tagesausflügen. 34 Millionen Menschen unternahmen zuletzt insgesamt 361 Millionen dieser Freizeitaktivitäten, im Vergleich zu 455 Millionen 2023. Öfter nutzten Menschen laut ADFC das Fahrrad im Urlaub. 12,7 Millionen Deutsche waren insgesamt 22,8 Millionen Mal mit dem Fahrrad unterwegs. 2023 lag der Wert mit 10,6 Millionen noch deutlich niedriger.
Wetter, Kosten und andere Faktoren
Für diese differenzierte Entwicklung hat der ADFC verschiedene Gründe identifiziert. Dazu zählt der Verband etwa wechselhaftes Wetter und Regen im Juli 2025, einen größeren Wunsch nach Erholungs- und Familienreisen, ein stärkeres Bedürfnis nach Sicherheit und Entspannung sowie gestiegene Kosten. Hier müsse angesetzt werden, sagt Christian Tänzler, Radtourismusexperte im ADFC-Bundesvorstand. Es gelte, die Radinfrastruktur sicher zu machen, den Erholungscharakter zu stärken und neue Zielgruppen wie Familien zu erschließen. Zur Gesamtentwicklung sagt Tänzler: „Deutschland ist ein attraktives Radreiseland mit einem großen Potenzial. Schon jetzt nutzt jeder zweite Erwachsene das Fahrrad im Urlaub oder in der Freizeit. Von denen, die bisher keine Radreisen unternommen haben, können sich immerhin 50 Prozent vorstellen, dies in Zukunft zu tun. Besonders die Nutzung des Fahrrads im Urlaub hat deutlich zugenommen. Die ADFC-Radreiseanalyse zeigt aber auch, dass die Zahlen bei den klassischen Radreisen, Kurzradreisen und Tagesausflügen zurückgegangen sind. Um hier weiterhin viele Radurlauber anzuziehen, braucht es jetzt gezielte Maßnahmen. Radreisende wünschen sich attraktive, sichere und gut gepflegte Radwege, eine unkomplizierte Anreise mit der Bahn und zielgruppenorientierte Angebote für Familien und Radreise-Einsteiger. Die Nationale Tourismusstrategie der Bundesregierung setzt auf einen neuen Schub für den Radverkehr, der jetzt auf allen Ebenen umgesetzt werden muss.“
93 %
der Befragten gaben an, dass sie besonders eine Fahrt in die Natur entspannt.
Gewässer und Radfahren, das passt zusammen, wie schon die Namen der Top-Ten-Radfernwege in Deutschland 2025 beweisen.
Die meistbefahrenen Radfernwege
Der Elberadweg, vormals auf Platz 2, konnte in der Befragung die Führung als meistbefahrener Radfernweg übernehmen. Auf 840 erlebnisreichen Kilometern führt der deutsche Teil von der tschechischen Grenze über Dresden bis nach Cuxhaven. Der Weserradweg landet damit nun auf Platz 2, gefolgt vom Ostseeküstenradweg.
Wirtschaftsfaktor Radreisen
Für die Wirtschaft sind Radreisen kein unbedeutender Faktor. Wer mehr als drei Tage unterwegs war, gab zuletzt im Schnitt 133 Euro pro Person und Tag aus. Bei Kurzreisen lag der Wert sogar bei 144 Euro pro Tag und Person, bei Radurlaubern bei 128 Euro und bei Tagesausflüglern bei 34 Euro. Insgesamt stiegen die Ausgaben an, was sich der ADFC unter anderem mit vermehrter Hotelnutzung gegenüber Camping-Plätzen erklärt. Insgesamt lagen die Ausgaben im Radtourismus zwischen 38,7 und 41,8 Milliarden Euro. Auch der Fachhandel dürfte an Radreisenden seine Freude haben. 29 Prozent nahmen die Radreise zum Anlass, sich neue Ausrüstung zuzulegen. An erster Stelle stand die Fahrradtasche, es folgten Kleidung, Fahrrad-teile und Reparaturen. Jeder Zehnte, der für die Radreise in Ausrüstung investierte, legte sich zudem ein neues Pedelec zu. Jeder Zwanzigste davon kaufte sich ein Fahrrad ohne Motor. Jeder zweite nutzt inzwischen ein Pedelec für radtouristische Fahrten, was diese zugänglicher macht. 93 Prozent der Befragten gaben an, dass sie besonders eine Fahrt in die Natur entspannt und ihnen Erholung bietet. 15,8 Prozent erleben Konflikte mit anderen Ausflüglern. Der ADFC zieht das Fazit: „Radreisen in die Natur sind erholsam und gesund – genau das wünschen sich Radreisende.“ Über die Studie: Seit 1999 findet die Radreiseanalyse des ADFC als bundesweite repräsentative Umfrage zum fahrradtouristischen Markt in Deutschland statt. An der letztjährigen Online-Befragung nahmen 17.300 Personen ab 18 Jahren teil, mehr als je zuvor.
https://www.veloplan.de/wp-content/uploads/2026/06/C_TMN_DZT__Jens_Wegener_Weser-Radweg-scaled-e1782729514644.jpg14852560Sebastian Gengenbachhttps://www.veloplan.de/wp-content/uploads/2019/08/veloplan-340x156-300x138.pngSebastian Gengenbach2026-06-11 15:40:522026-06-30 15:40:59ADFC-Radreiseanalyse 2025: Weniger Radreisen, mehr Ausgaben
Der Radtourismus hat in Deutschland viele Facetten: Radreisen und Tagestouren gehören ebenso zum Geschäft wie Messen, Fahrradfestivals oder Bikeparks. Der Radtourismus ist auch in Städten ein Wirtschaftsfaktor mit Ausbaupotenzial.
(erschienen in VELOPLAN, Nr. 01/2025, März 2025)
Für Touristikerinnen ist das Fahrrad ein Glücksgriff. „Es ist ein Allrounder, kein anderes Segment lässt sich so gut mit anderen touristischen Angeboten koppeln wie das Fahrrad“, sagt Iris Hegemann vom Deutschen Tourismusverband (DTV). Ob es ums Wandern oder um Wassersport geht, um kulinarische oder kulturelle Angebote, Städtetouren oder Festivals, das Fahrrad lässt sich mit allem kombinieren. Daher findet Radtourismus auch überall in Deutschland statt. „Er wird in Städten und vor allem in den ländlichen Regionen gefördert und weiterentwickelt“, sagt Iris Hegemann. Das kommt gut an. Über die Hälfte der Erwachsenen (37 Mio.) haben laut ADFC-Radreiseanalyse 2024 ihren Urlaub im Fahrradsattel verbracht oder sind mit dem Rad zu Tagesausflügen aufgebrochen. Zwischen 22 und 25 Milliarden Euro haben sie bei diesen Unternehmungen ausgegeben. Für das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) sind das wichtige Zahlen. Der Tourismus sorgt seit Jahrzehnten für Wirtschaftswachstum und schafft Arbeitsplätze, insbesondere in ländlichen Regionen. Im Vor-Corona-Jahr 2019 hat der Tourismus laut BMWK rund 124 Milliarden Euro erwirtschaftet und damit vier Prozent der Wertschöpfung in Deutschland. Werden die Zulieferer der Branche einbezogen, waren es sogar knapp sieben Prozent. Radfahrerinnen sind lukrative Gäste. Das zeigt die aktuelle Radreiseanalyse des ADFC. 16.000 Personen wurden im Jahr 2023 gefragt, ob und wie lange sie mit dem Rad Urlaub machten und was ihre Reise gekostet hat. Fahrradfahrerinnen, die ein- bis zweimal übernachteten, gaben demnach rund 130 Euro pro Tag aus. Das entspricht laut der Tourismus-Analyse der BAT-Stiftung für Zukunftsfragen exakt der Summe, die Deutsche im Inland während ihres Jahresurlaubs ausgeben. Geringfügig niedriger lag das Budget der Urlaubsradlerinnen. Sie investierten 117 Euro pro Tag, wenn sie drei Nächte oder länger unterwegs waren. Tagesausflügler gaben rund 32 Euro pro Person und Tag aus. Die ADFC-Umfrage ist repräsentativ. Die ermittelten Ausgaben sind Schätzwerte, da erst im Nachhinein erhoben werden, aber die Tourismusexpertin Iris Hegemann hält sie für plausibel. Sie seien deutlich höher als die Zahlen, die der DTV in seiner „Grundlagenuntersuchung Fahrradtourismus in Deutschland 2009“ mit dem Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie erhoben habe, aber durch Wachstum, Inflation, Preissteigerungen und das größere Angebot von Service-Leistungen in dem Markt nachvollziehbar. „Wir wiederholen die Studie nun mit dem Verkehrsministerium“, sagt Hegemann. Mit ersten Ergebnissen rechnet sie im Frühjahr 2026. „Dann können wir den Radtourismus gesamttouristisch besser einordnen“, sagt sie.
Radfahren macht hungrig. Wer mit dem Fahrrad unterwegs ist, hält häufiger an für einen Snack oder weil das Restaurant besonders schön gelegen ist.
E-Bikes: neue Zielgruppe
Seit der Untersuchung vor 15 Jahren hat sich das radtouristische Angebot stark verändert. Ein Grund dafür ist die Elektrifizierung der Räder. 2009 hatten gerade mal vier Prozent aller verkauften Fahrräder einen Motor; im vergangenen Jahr waren es 53 Prozent. Diesen Trend spiegeln die Radreisenden wider. 43 Prozent von ihnen waren per E-Bike unterwegs. Für die Radreiseanbieter heißt das, zumindest teilweise: neue Kundschaft. Die Motorunterstützung gleicht Leistungsunterschiede bei Paaren oder in Gruppen aus und bringt auf diese Weise viele Nichtradler*innen in den Sattel. Spezielle E-Bike-Touren gehören mittlerweile zum Standardprogramm von Stadtführern und professionellen Radreiseanbietern. Auch Bikeparks reagieren und bauen neben Downhill-Trails nun auch Uphill-Flow-Trails, wie etwa am Geißkopf.
Noch fehlen Angebote
Obwohl die Angebote immer facettenreicher werden, fehlen weiterhin passgenaue Radreisen, etwa für junge Familien mit kleinen Kindern. „NRW Tourismus hat die Angebotslücke erkannt und mit dem ADFC im vergangenen Jahr ein Empfehlungspapier für kinderfreundliche Radangebote erarbeitet“, sagt Iris Hegemann. Inzwischen hat NRW unter dem Titel „Radeln mit Kindern“ ein halbes Dutzend Radtouren in den verschiedenen Regionen des Landes im Programm. Die Routen führen an Seen und Flüssen vorbei, auf alten Bahntrassenradwegen durchs Bergische Land oder durchs Länderdreieck Deutschland, Belgien und Luxemburg. Für die Kinder gibt es entlang der Strecken etliche Möglichkeiten zum Spielen und Toben auf Spielplätzen, Erkundungspfaden, beim Baden oder kindgerechten Geschichtslehrpfaden. Der Mehrwert liegt in der detaillierten Beschreibung der Routen. Die Eltern erfahren, welche Strecken sich für einen Tagesausflug eignen, ein verlängertes Wochenende oder auch für den Jahresurlaub. „Das ist ein Alleinstellungsmerkmal. Das Angebot kann Familien aus dem gesamten Bundesgebiet in die Eifel, ins Ruhrgebiet oder ins Bergische Land locken, um dort Urlaub zu machen“, sagt Hegemann.
1,1 Mio
Radfahrende hat allein der
Ruhrtal-Radweg im Jahr 2023
ins Ruhrgebiet gelockt.
Thementouren wie die Bergwerkstour am Ruhrtal-Radweg sind beliebt.
Radrouten locken Gäste an
Die Erfahrung zeigt: Ein attraktives, radtouristisches Angebot hat eine große Strahlkraft. Durch die Bündelung von touristischen Angeboten bekommt ein Produkt wie ein Radfernweg eine größere Reichweite. „Die Thüringer Städtekette, die sieben größere und kleinere Städte verbindet und durch eine landschaftlich reizvolle Gegend führt, ist ein anschauliches Beispiel dafür“, sagt sie. Eine Stadt für sich allein hätte nicht die Anziehungskraft, wie der gelungene Mix aus Kultur und Natur. Das zeigen auch die Zahlen. Der 240 Kilometer lange Ruhrtal-Radweg hat im vergangenen Jahr 1,1 Millionen Radfahrende ins Ruhrgebiet gelockt. Gastronomen und Hoteliers haben mit ihnen als Gästen 18 Millionen Euro erwirtschaftet. Das sind fünf Millionen mehr als bei einer Erhebung zehn Jahre vorher. Die Basis für den Radtourismus in einer Region ist stets eine gute und sichere Radinfrastruktur. Das gilt für ländliche Regionen ebenso wie für Städte. „In Fahrradstädten wie Kopenhagen oder Amsterdam nutzen die Gäste ganz selbstverständlich das Rad“, sagt Jens Joost-Krüger. Der Verkehrs- und Kulturexperte leitete bis zu seiner Pensionierung Ende 2023 bei der Wirtschaftsförderung Bremen die Veranstaltungsförderung und organisierte verschiedene Radprojekte in der Hansestadt. Er stellt seit Jahren fest: „Der Radtourismus boomt, auch in den urbanen Zentren, sofern die Infrastruktur vorhanden ist.“
Geschäftsreisende sind auch Touristen
Bremen gehört mit einem Radanteil von 25 Prozent am Gesamtverkehr bereits zu den attraktiveren Fahrradstädten Deutschlands. In den urbanen Zentren ist es laut Joost-Krüger jedoch oft schwierig, den wirtschaftlichen Nutzen des Radtourismus konkret zu ermitteln. Denn die Übergänge zwischen Alltagsradlern und Radtouristen verlaufen fließend. „Viele Gäste und Geschäftsreisende nutzen Sharing-Bikes, um damit tagsüber zu Terminen oder Kongressen zu fahren und abends zum Essen oder einer Kulturveranstaltung“, sagt er. Mit der kostenfreien Bikecitizens-App macht die Wirtschaftsförderung der Hansestadt es Besucher*innen und Anwohner*innen leicht, mit dem Rad in der Stadt unterwegs zu sein. Neben Navigation und Radroutenplanung finden sie in der App 15 Thementouren, die ihnen die Highlights der Stadt und des Umlands zeigen. Allerdings richten sich die Touren nicht ausschließlich an Touristinnen. Die App ist auch für Bürgerinnen interessant, die ihre Stadt entdecken wollen oder neue Wege vor der eigenen Haustür suchen. „Das Angebot kommt gut an“, sagt Joost-Krüger. 400.000 Karten von „Bike it!“ wurden in den vergangenen Jahren gedruckt und verteilt. Das Angebot, mit dem Fahrrad Städte zu erkunden, ist zwar ein kleiner, aber durchaus wachsender Wirtschaftszweig. Bundesweit sind in den Städten von Hamburg über Frankfurt bis nach München in den vergangenen Jahren vielfältige Angebote für Stadttourist*innen, Einheimische, Schulklassen oder Unternehmen entstanden. Sie können die Sehenswürdigkeiten der Stadt per Bike erkunden oder Thementouren wählen, mit dem Schwerpunkt Straßenkunst, Kulinarik und vielem mehr.
Festival und Messen bringen Geld in die Stadt
Deutlich lukrativer sind große Veranstaltungen rund ums Fahrrad für die Kommunen. „Fahrradmessen und Bike-Festivals haben eine wachsende wirtschaftliche Bedeutung“, sagt Joost-Krüger. In den vergangenen 15 Jahren sind viele neue Messen entstanden, wie beispielsweise die VeloBerlin in Berlin, das E-Bike Festival in Dortmund oder auch das „Cargo Bike It! Festival“ in Bremen. Sie alle bringen Tausende Besucher aus dem In- und Ausland für mehrere Tage in die Städte. Die Gäste übernachten in den Zentren oder im Umland, besuchen Restaurants und kulturelle Veranstaltungen. Das kurbelt die Wirtschaft an. Aber die Events haben aus Sicht des Wirtschaftsexperten noch einen weiteren Nebeneffekt: „Sie werden zum Aushängeschild ihrer Stadt oder ihrer Region, sie sind imagebildend“, sagt Joost-Krüger.
Natur und Kultur, diese Kombination kommt bei vielen Radurlaubern gut an. Angebote gibt es inzwischen bundesweit.
Versorgungslücken schließen
Das Angebot für Radtourist*innen wird stetig ausgebaut, sowohl in den Städten wie auch in den ländlicheren Regionen. Trotzdem sieht Iris Hegemann noch Verbesserungsbedarf. „Immer wieder fehlen auf Routen streckenweise Restaurants oder Cafés zum Einkehren“, sagt sie. Etwa entlang des Oder-Neiße-Radwegs. Entweder müssten die Regionen diese Versorgungslücken schließen oder sie deutlich kommunizieren. „Radreisende müssen wissen, wo und wann sie auf den verschiedenen Etappen einkehren können und wo sie sich gegebenenfalls selbst versorgen müssen“, sagt sie. Das sei ein Qualitätsmerkmal der Radreiserouten. Diese Informationen sollten analog, aber auch digital über Apps verfügbar sein. Bekannte Navigations-Apps wie etwa Google Maps, Outdooractive oder Komoot bilden diese Informationen bislang nicht zuverlässig ab. Die Beschreibung der Routen in den Apps ist laut Iris Hegemann ebenfalls verbesserungswürdig. Oftmals halten sie nicht, was dem Gast versprochen wird, und es fehlen einheitliche Qualitätsstandards. Sie vermisst in den Angeboten häufig eine eindeutige Wegeführung sowie Informationen zur Strecke, also ob sie für Mountainbiker, Familien oder auch Senioren geeignet ist. Um die Qualität in den digitalen Touren und Angeboten zu verbessern, hat der Deutsche Tourismusverband nun mit der Initiative „Route 3.0“ einen neuen Qualitätsstandard geschaffen. „Es ist ein Angebot an die Outdoorportale für mehr Qualität und bessere Produkte“, sagt sie.
„Der Radtourismus boomt auch in den urbanen Zentren, sofern die Infrastruktur vorhanden ist.“
Jens Joost-Krüger, Verkehrs- und Kulturexperte
Jobmotor Radtourismus
Die Programmiererinnen dieser Apps gehören laut Definition zu den Zulieferbereichen des Radtourismus und damit zu den 263.000 Menschen, die 2022 einen Job rund um den Radtourismus hatten. Diese Zahl hat Transportation Thinktank T3 im Auftrag von Zukunft Fahrrad ermittelt. In der gesamten Tourismusbranche waren laut den letzten Erhebungen vom Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz 2019 etwa 4,1 Millionen Personen direkt oder indirekt im Tourismus erwerbstätig. Das sind laut dem BMWK etwa neun Prozent aller Arbeitnehmerinnen Deutschlands. Der Einfluss des Radtourismus als Wirtschaftsfaktor kann aber noch weiter steigen. 37,4 Mio. Menschen unternahmen im vergangenen Jahr mit dem Fahrrad Tagesausflüge oder machten damit Urlaub. Das Interesse bei den Nichtradler*innen ist jedoch ebenfalls riesig. Mehr als die Hälfte der Befragten (54,9 Prozent) kann sich laut ADFC-Radreise-Analyse vorstellen, auf Radreise zu gehen. Was diese Menschen konkret brauchen, um sich im nächsten Urlaub aufs Rad zu schwingen, wurde jedoch nicht gefragt.
Bilder: Ruhrtal-Radweg, Dominik Ketz, Deuter – David Schultheiss, Florian Meinhardt, Deuter – Brooke Goudy – Evan Green