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Künstliche Intelligenz ist vor allem in der Forschung zunehmend relevant für den Radverkehr. Die ersten Praxisanwendungen gibt es aber auch. Das Potenzial ist riesig.

(erschienen in VELOPLAN, Nr. 02/2025, Juni 2025)


Fahrräder oder elektrische Leichtfahrzeuge nehmen über Sensoren die Oberflächenqualität auf. Künstliche Intelligenz hilft, die Daten auszuwerten.

Wer schon einmal die Oberflächenqualität eines kommunalen Radwegenetzes erfasst hat, weiß, wie aufwendig diese Aufgabe ist. Moritz Beeking von der Forschungsgesellschaft Salzburg Research beschreibt das verbreitete Vorgehen, um die Daten zu erfassen: „Die traditionelle Art, das zu messen, ist, die Erschütterungen zu messen.“ Dabei sei es mitunter notwendig, den gleichen Streckenabschnitt mehrmals zu befahren, um eine verlässliche Statistik zu erhalten. Gemessen wird nur der Teil des Weges, den die Reifen tatsächlich überrollen. Testpersonen, Reifendruck und andere Variablen gilt es zudem nicht zu verändern.
Ein Forschungsprojekt von Salzburg Research hat bereits gezeigt, wie es besser geht. Die Forschenden nutzten ein Sensorfahrrad von Anbieter Boréal Bikes. Diese Räder sind in der Lage, unter anderem mit lichtbasierten Lidar-Scannern die ganze Breite eines Radwegs bei einer einzigen Befahrung aufnehmen. „Wenn wir das Lidar-basiert machen, bekommen wir ein tatsächliches dreidimensionales Oberflächenmodell“, beschreibt Beeking. So ließen sich die Daten auch zwischen Städten vergleichen. „Das ist eine viel objektivere Darstellung der Situation.“

„Ein KI-System ist immer nur so gut wie die Trainingsdaten.“

Moritz Beeking, Salzburg Research

Was ist Radweg und was nicht?

Um die gewonnenen Daten auszuwerten, setzt das Team von Salzburg Research künstliche Intelligenz ein. Das ist deshalb hilfreich, weil der Sensor permanent das komplette Umfeld des Sensorrads aufnimmt, also auch Bereiche, die nicht zum Radweg gehören und deshalb auch nicht auszuwerten sind. „Was uns die künstliche Intelligenz an der Stelle bringt, ist, dass sie für uns erst mal klärt, welche Punkte zum Radweg gehören.“ So lässt sich viel händische Arbeit einsparen.
Zwingend notwendig wäre der Einsatz eines Algorithmus mit künstlicher Intelligenz für die Klassifikation nicht. Aber da der gescannte Untergrund sehr divers beschaffen ist, ist die KI im Vorteil gegenüber klassischen Algorithmen. „Ab einer bestimmten Streubreite an Situationen, die auftreten können, ist es weniger Aufwand, Trainingsdaten zu labeln und ein künstliches Intelligenzsystem zu trainieren, anstatt all diese Fälle in einem regelbasierten Algorithmus abzubilden“, sagt Beeking.
Händisch zu arbeiten, war für Beeking und sein Team dennoch notwendig, um die Oberflächen in einem ersten Schritt zu labeln und die KI zu trainieren. „Ein KI-System ist immer nur so gut wie die Trainingsdaten“, stellt Beeking fest. „Bei uns sind relativ viele händische Schritte nötig, weil wir als Forschungsinstitut erstmal zeigen, dass ein Verfahren funktioniert und die Automatisierung dann noch sehr viel zusätzlichen Aufwand bedeuten würde.“ In einer kommerziellen Anwendung dürften einige Schritte wegfallen, schätzt Beeking.
Auch in der Kontrolle kommt menschliche Intelligenz zum Einsatz. Denn die KI macht auch Fehler, wie sich an einem Beispiel aus einem anderen Forschungsprojekt von Salzburg Research zeigt. Dabei wurden mithilfe der Sensorfahrräder Überholvorgänge gemessen. An einigen Stellen kam es dazu, dass die KI ein Auto bei aufeinanderfolgenden Standbildern im Wechsel als entgegenkommend und überholend einordnete. Menschliches „Weltwissen“, wie Beeking es bezeichnet, ist manchmal unabdingbar, um solche Fehler zu erkennen.
Für Fahrräder und andere kleine Fahrzeuge, die mit Sensoren ausgestattet sind, sieht der Forscher ein großes Potenzial. „Im Autobereich ist das bereits gängige Praxis“, weiß der Beeking. Die österreichische Infrastrukturgesellschaft ASFINAG befahre jeden Autobahnkilometer mindestens einmal jährlich mit einem entsprechenden Mess-Lkw. Vergleichbare Messergebnisse der Fahrbahnqualität seien für Radwege in der Praxis gut nutzbar. „Sie bekommen eine Karte, die hat grüne Striche, überall da, wo alles gut ist und rote Striche da, wo es schlecht ist“, beschreibt Beeking.
Die Arbeit mit Sensorfahrrädern mit anderem Fokus könne auch Rückschlüsse auf gefährliche Stellen in der Infrastruktur zulassen. Mit Blick auf Privatanwender*innen vermutet Beeking, dass sich Warnsysteme, wie es sie etwa mit dem Garmin Vario, einem Rücklicht mit integriertem Radar, schon gibt, deutlich weiterentwickeln dürften: „Zumindest auf höherpreisigen E-Bikes könnte es künftig Sensorsysteme geben, die vor komplexeren Verkehrssituationen warnen können.“

Klaus David leitet ein großes Forschungsprojekt zu KI an der Uni Kassel. Er untersucht selbst, was Wearables über das Verhalten von Radfahrer*innen verraten.

Autos müssen Radverkehr besser verstehen

In einem Konsortium rund um die Uni Kassel stellt man Sicherheit ebenfalls in den Fokus der Forschung. Der Kasseler Professor Klaus David, der das Projekt „DyNaMo: Sichere und nachhaltige Mobilität in der Stadt von morgen“ leitet, erklärt: „Wir möchten KI-basiert die Verkehrssicherheit von Radfahrenden signifikant verbessern. Das ist aus unserer Sicht ein Schlüsselproblem beim Radverkehr, dass die Anzahl der Schwerverletzten und Getöteten mit zunehmendem Radverkehr steigt.“
Das umfassende Projekt verfolgt gleich mehrere Forschungsansätze. David selbst erforscht, wie gut sich Wearables, also tragbare Technologie wie beispielsweise Smartwatches, nutzen lassen, um das Verhalten von Radfahrenden zu erfassen. Ein Konsortiumskollege legt sein Augenmerk auf Fahrerassistenten für Autos. „Die modernen Fahrzeuge sind ja alle mit Assistenzsystemen ausgestattet“, erklärt David. Mit verschiedenen Sensoren und Kameras überwachen moderne Autos die Umgebung und können im Ernstfall warnen und sogar eingreifen. Diese Lösungen sind selbst bei kleinen und günstigeren Autos verbreitet, weil sie für die Bewertungen bei Crash-Tests entscheidend sind. Es gilt, „dass die begehrten fünf Sterne unerreichbar sind, wenn Assistenzsysteme keinen erheblichen Beitrag dazu leisten, Unfälle zu vermeiden oder zumindest die Schwere erheblich zu mindern“, schreibt der Automobilclub ADAC in diesem Zusammenhang.
Die Grundlagenforschung des Dynamo-Projekts zielt mitunter darauf ab, die Assistenzsysteme zu verbessern. Die Forscherinnen interessiert etwa, wie gut sich herausgestreckte Arme erkennen lassen, bevor Radfahrende abbiegen. Auf Basis der Forschung ließe sich auch ein Assistenzsystem für Radfahrende bauen, betont David. Das Interesse an der Forschung sei auch seitens der Fahrradindustrie vorhanden. Ein Mitarbeiter von Hersteller Riese & Müller etwa sitzt im Beirat des Projekts. Im Forschungsprozess setzen David und seine Kolleginnen an mehreren Stellen auf KI. Ein Schwerpunkt liegt in der Analyse von Videos. KI spare Arbeit ein und ermögliche es, große Datenmengen zu analysieren, erläutert David. Zudem erhalte man bessere Statistiken. In der Vergangenheit hätte man studentische Hilfskräfte mit der mühseligen Arbeit beauftragen müssen. Hinzu kommt laut David: „Man bekommt manchmal auch Sachen raus, die ein Mensch gar nicht gesehen hätte.“ Wichtig ist es dennoch, den Überblick zu behalten, wie die KI arbeitet. „Wir haben es so angelegt, dass wir alle Daten und alle Schritte richtig gut sehen und verstehen können“, erklärt David. Er betont die Bedeutung des Datenschutzes in diesem Kontext: „Wenn man das später als Dienst anbietet, wird man mit anonymisierten Daten arbeiten.“

Das System Aware AI von Yunex Traffic erkennt mit KI, welche Art Verkehrsteilnehmer*innen eine Kreuzung nutzen. Für Kommunen erhöht das den Handlungsspielraum, auf die unterschiedlichen Gruppen einzugehen.

Forschung trifft Praxis

Einen praktischen Nutzen verbinden die Forschenden schon während des Projekts mit der Nutzung von KI. Videos, die vor Schulen und Unis gemacht werden, untersuchen die Forschenden auf Verhaltensfehler hin und schulen dann zu den entsprechenden Regelverstößen an der jeweiligen Institution.
Bereits praxiserprobt sind die KI-gestützten Lösungen von Anbieter Yunex Traffic. Das Produkt Aware AI sorgt an Kreuzungen für einen besseren Verkehrsfluss und mehr Sicherheit. Wer andere Verkehrsmittel als den MIV priorisieren möchte, muss diese zunächst erkennen können, beschreibt Produktexperte Dominic Berges die Vorzüge des Systems. Bis zu zehn Kameras überwachen eine Kreuzung und unterscheiden dabei zwischen zwölf verschiedenen Verkehrsmodi. Mit konventionellen Lösungen, etwa in die Fahrbahn eingelassenen Induktionsschleifen, sei das nicht möglich, so Berges: „Mit einfachen Schleifen, wie sie in etwa 95 Prozent der Fälle verbaut sind, kann man keine oder nur sehr eingeschränkt Klassen detektieren. Man erkennt nur, dass etwas da ist – aber nicht, ob es ein Bus, ein Pkw oder ein Fahrrad ist.“
Das Yunex-System setzt vor allem bei der Detektion und Klassifikation der Verkehrsteilnehmerinnen KI ein. Die KI ermittelt also, wer sich an der Kreuzung befindet. Wie die Signalanlage schaltet, folgt dann vorher festgelegten, systematischen Regeln. Einen vollständigeren Überblick über den Verkehr zu haben, ist ein großer Vorteil für Kommunen, findet Berges: „Das gibt mir ganz neue Möglichkeiten, eine Strategie hinsichtlich einer Priorisierung umzusetzen und sogar Konfliktfälle zu identifizieren.“ Kommunen können aus dem System auch Zähldaten gewinnen, die sich fürs Verkehrs-Management nutzen lassen. Die Lösung lässt sich niederschwellig integrieren und ist auch mit älteren Steuerungsgeräten kompatibel. In der Praxis bedeutet der gewonnene Spielraum zum Beispiel, dass man älteren Menschen je nach Bedarf mehr Zeit geben kann, um eine Straße zu überqueren, indem man die Grünphase verlängert. Möglich ist es außerdem, abbiegende Kfz-Fahrerinnen mit einem zuschaltbaren Warnblinklicht vor Radfahrer*innen zu warnen. Diese Warnfunktion lässt sich zudem mit sogenannten Onboard-Units kombinieren, die in vielen Städten im öffentlichen Personennahverkehr eingesetzt werden, um diesen an Kreuzungen zu priorisieren. Eine Roadside-Unit an der Kreuzung sendet dann eine Warnung an die Geräte in den Bussen, was die Gefahr, beim Rechtsabbiegen Radfahrende zu übersehen, minimieren soll.

KI-Assistent hilft bei Förderung

Die Beispiele von Yunex Traffic zeigen, dass KI bereits jetzt den Radverkehr positiv beeinflussen und Kommunen mehr Handlungsspielraum geben kann. Auf anderem Wege tut das auch der KI-Assistent Konrad, den die Arbeitsgemeinschaft fahrrad- und fußgängerfreundliche Kommunen in Mecklenburg-Vorpommern e. V. vor wenigen Monaten der Öffentlichkeit präsentierte. Konrad soll es vor allem ländlichen Gemeinden ermöglichen, eigenständige Radverkehrskonzepte zu erarbeiten. Dafür nutzt die KI einen Werkzeugkasten als Schritt-für-Schritt-Anleitung. Der Zugang erfolgt über die Plattform ChatGPT. Tim Birkholz, Geschäftsführer der AGFK MV, erklärt: „Viele Gemeinden wollen den Radverkehr voranbringen, verfügen aber nicht über die nötige Fachexpertise. Der Werkzeugkasten vermittelt ihnen das erforderliche Wissen – und mit Konrad wird die Erarbeitung noch einfacher. So entsteht die Basis für förderfähige Konzepte und konkrete Maßnahmen.“ Der Assistent soll dabei unterstützen, Kommunen zu entlasten und Prozesse zu vereinfachen. Die KI hilft Menschen auch ohne fachspezifische Vorkenntnisse dabei, Inhalte zu erarbeiten und Anträge zu formulieren. „Das weiße Blatt Papier gehört damit der Vergangenheit an“, schreibt die AGFK MV auf ihrer Website.


Bilder: Yunex Traffic, Salzburg Research, Xenomatix, Immanuel König

(erschienen in VELOPLAN, Nr. 03/2024, September 2024)


Branchenreport veröffentlicht

Radlogistikbranche erwartet stabiles Wachstum

Im Branchenreport 2024 zeichnet der Radlogistikverband Deutschland (RLVD) ein positives Bild, was die Entwicklung im Bereich Radlogistik anbelangt. Eine Vision stellt noch eine besondere Herausforderung dar.

Rund 5400 Beschäftigte waren 2023 in der Radlogistik tätig, vor allem in kleinen und mittelständischen Betrieben.

Trotz globaler Herausforderungen verzeichnet die Radlogistikbranche stabiles Wachstum und blickt optimistisch in die Zukunft. Das ist eine zentrale Aussage aus dem soeben veröffentlichten Branchenreport 2024, der in der vollständigen Version auf der Website des RLVD verfügbar ist.
„Unser Ziel ist es, bis zum Ende der 2020er-Jahre 30 Prozent des urbanen Wirtschaftsverkehrs auf Lastenräder oder -anhänger zu verlagern“, erklärt Tom Assmann, Vorstand des RLVD. „Dieser Bericht zeigt, dass wir trotz widriger Umstände weiter aktiv für eine nachhaltige Wirtschaft kämpfen.“ Der Branchenreport prognostiziert ein jährliches Wachstum von durchschnittlich 10 Prozent, was jedoch nicht ausreicht, um die Vision einer CO2-neutralen urbanen Logistik vollständig zu realisieren.
Assmann fordert daher die Politik auf, faire Rahmenbedingungen für Nachhaltigkeit und Innovation zu schaffen. Dazu gehören die Integration von Lastenrädern in die öffentliche Beschaffungspolitik, die Wiederauflage der Lastenradförderung des Bundes und eine verlässliche Finanzierung des Ausbaus der Radverkehrsinfrastruktur.

Branchenzahlen

Im Jahr 2023 waren rund 5400 Beschäftigte in der Radlogistik tätig. Der Report zeigt, dass die meisten Unternehmen kleine und mittelständische Betriebe sind. Der Umsatz der Branche lag im vergangenen Jahr bei 183 Millionen Euro, was eine stabile bis leicht wachsende Tendenz gegenüber dem Vorjahr darstellt. Insgesamt wurden 37.650 Lastenräder und -anhänger für den gewerblichen Sektor im Jahr 2023 verkauft, 95 Prozent davon mit elektrischer Antriebsunterstützung. Lastenanhänger stellen mit ca. 12.000 abgesetzten Modellen einen immer relevanteren Anteil des Verkaufs dar.
Nicolas Schüte, Hauptautor der Studie von der Technischen Hochschule Wildau, betont: „Die Nutzung von Lastenrädern für gewerbliche Zwecke ist kein kurzfristiger Trend, sondern ein nachhaltiges Konzept mit viel Potenzial. Wir sehen immer mehr Anwendungsfälle, von mobilen Kaffeebars bis zur ambulanten Pflege, die von der Radlogistik profitieren können.“

Klimaschutz

Die Radlogistik leistet einen erheblichen Beitrag zum Klimaschutz. Im Jahr 2023 wurden rund acht Millionen Kilometer mit Lastenrädern zurückgelegt, was zu einer Einsparung von etwa 2100 Tonnen CO2 führte, wie der RLVD vorrechnet. Der Verband verweist zudem auf Umfrageergebnisse, die aufzeigen, dass die Verkehrssicherheit durch Radlogistik deutlich verbessert wird.
Bisher gibt es seit Start der Erhebung keine Schwerverletzten oder Verkehrstoten. „Die tendenziösen Negativschlagzeilen zu Tests von Lastenrädern und -anhängern sind vorwiegend Quatsch. Die Berichte sind leider fast durchweg aus dem Zusammenhang herausgerissen dargestellt. Im Tagesgeschäft auf der Straße sehen wir, dass die Fahrzeuge sicher sind“, kommentiert Martin Schmidt, Vorstand im RLVD.


(jw)


Umfrage gestartet

Wie steht es ums Fahrradparken in Deutschland?

Das Hamburger Planungsbüro Argus Stadt und Verkehr versucht mit einer aktuellen Umfrage, den Wissensstand zum Fahrradparken in der Stadtverkehrsplanung zu verbessern.

Die Mobilitätswende werde vielerorts durch bessere Bedingungen für das Fahrradfahren vorangetrieben, ordnen die Studienmacher ein. Das Parken von Fahrrädern sei in urbanen Wohnquartieren jedoch häufig von Verlegenheitslösungen gekennzeichnet. Das könnte potenziell die Fahrradnutzung hemmen. Doch wie genau ist es um die Abstellmöglichkeiten im Wohnumfeld der Deutschen bestellt? Und welche Folgen ergeben sich daraus? Diesen Fragen will Argus Stadt und Verkehr in einer neuen Umfrage nachgehen.

Teilnahme bis 18. September möglich

Wer an der Umfrage teilnehmen möchte, kann dies mit einem Smartphone, Tablet oder Computer bis zum 18. September tun. Danach will das Team von Argus Stadt und Verkehr die Ergebnisse auswerten und publik machen. Insbesondere für die Stadtverkehrsplanung soll die Umfrage wichtige Erkenntnisse liefern.

(sg)


Von Yunex Traffic

Ein grünes Band für den Radverkehr

In Hamburg hat die Yunex Traffic GmbH ihre Lösung PrioBike an einer weiteren Kreuzung verbaut. Welche Vorteile die LED-Bodenleuchten für den Radverkehr bieten.

Die Stadt Hamburg will mit der Installation der Lösung PrioBike von Anbieter Yunex Traffic den Radverkehr stärken. Dafür wurde die optische Geschwindigkeitsempfehlung an der Kreuzung Jahnring/Saarlandstraße installiert. 18 LED-Bodenleuchten im Abstand von 3,5 Metern simulieren ein grünes Band, das den Radfahrenden anzeigt, wie sie die Grünphase optimal nutzen können. Dies erhöhe die Sicherheit, den Komfort und die Effizienz des Radverkehrs, heißt es vom Hersteller. „Durch die Anzeige werden abrupte Bremsmanöver und das Überqueren in letzter Sekunde vermieden. Diese Technologie trägt zu einem gleichmäßigeren und flüssigeren Verkehrsfluss auf den Radwegen bei und steigert sowohl die Sicherheit als auch die Effizienz des Radverkehrs. Eine angenehmere Fahrerfahrung ist das Ergebnis dieser Maßnahme“, heißt es vom Unternehmen.
Die einzelnen LEDs zeigen nacheinander grünes Licht und erscheinen den Radfahrer*innen wie ein mitlaufendes Band, das die Grünphase der Ampel symbolisiert. Wer innerhalb des grünen Bands fährt, kann die Kreuzung sicher queren. Im Dezember 2022 war bereits eine PrioBike-Fahrradsäule an der Kreuzung Rothenbaumchaussee/Ecke Edmund-Siemers-Allee in Hamburg installiert worden.

(sg)


Statistisches Bundesamt

Neue Zahlen zu E-Scooter-Unfällen veröffentlicht

Die Zahl der genutzten E-Scooter in Deutschland steigt Jahr für Jahr an. Demzufolge überrascht auch nicht, dass die Zahl der Unfälle mit diesen Fahrzeugen zunimmt. Das Statistische Bundesamt hat die genauen Daten veröffentlicht.

Das häufigste Fehlverhalten von E-Scooter-Fahrer*innen war im vergangenen Jahr die falsche Benutzung der Fahrbahn oder der Gehwege.

Insgesamt ist die Zahl der E-Scooter-Unfälle mit Personenschaden um 14 Prozent auf 9423 im Jahr 2023 gestiegen. Dabei kamen 22 Menschen (Vorjahr 11) ums Leben. 1220 Menschen wurden 2023 schwer und 8911 leicht verletzt. 83 Prozent der Verunglückten waren selbst mit dem E-Scooter unterwegs, darunter auch 21 der 22 Todesopfer.
Besonders junge Menschen sind bei solchen E-Scooter-Unfällen beteiligt. Diese nutzen die Fahrzeuge auch eher als ältere Menschen. Wie das Statistische Bundesamt mitteilt, waren im vergangenen Jahr 41,6 Prozent der verunglückten E-Scooter-Fahrenden jünger als 25 Jahre, 80,4 Prozent waren jünger als 45 Jahre.
Dagegen gehörten nur 3,4 Prozent der E-Scooter-Nutzerinnen, die an einem Unfall mit Personenschaden beteiligt waren, zur Altersgruppe 65+. Zum Vergleich: Bei den Unfallopfern, die mit dem Fahrrad oder Pedelec unterwegs waren, war der Anteil in dieser Altersgruppe mit 19,6 Prozent deutlich höher. Gleichzeitig war nur knapp die Hälfte (48,7 Prozent) von ihnen jünger als 45 Jahre, nur 22,1 Prozent waren nicht älter als 25 Jahre. Unfälle entstehen häufig durch Fehlverhalten. Das häufigste Fehlverhalten mit einem Anteil von 19,4 Prozent war die falsche Benutzung der Fahrbahn oder der Gehwege. Vergleichsweise häufig legte die Polizei den E-Scooter-Fahrerinnen das Fahren unter Alkoholeinfluss zur Last (15,1 Prozent). Zum Vergleich: Im selben Zeitraum waren es bei Fahrradfahrenden 8,1 Prozent und bei zulassungsfreien Krafträdern wie Mofas, S-Pedelecs und Kleinkrafträdern 7,4 Prozent. Nicht angepasste Geschwindigkeit war das dritthäufigste Fehlverhalten, das die Polizei bei E-Scooter-Fahrerinnen feststellte (7 Prozent), danach folgte die Missachtung der Vorfahrt (5,8 Prozent). An knapp zwei Dritteln (6115) der E-Scooter-Unfälle mit Personenschaden war eine zweite Person beteiligt, meist fuhren diese Personen Autos (3930 Unfälle). Knapp die Hälfte (48 Prozent) der verunglückten E-Scooter-Nutzenden wurden bei eben solchen Zusammenstößen mit Pkw verletzt. Zum Vergleich: An 913 (9,7 Prozent) E-Scooter-Unfällen waren Radfahrende beteiligt, bei diesen Zusammenstößen wurden aber nur 4,5 Prozent der verunglückten E-Scooter-Fahrenden verletzt. Insgesamt spielen E-Scooter im Unfallgeschehen eine vergleichsweise geringe Rolle: 2023 registrierte die Polizei insgesamt 291.890 Unfälle mit Personenschaden, lediglich an 3,2 Prozent waren E-Scooter-Fahrerin-nen beteiligt. 2022 war der Anteil mit 2,9 Prozent noch etwas geringer. Deutlich wird der Unterschied im Vergleich zu Fahrradunfällen: Im Jahr 2023 hat die Polizei deutschlandweit rund 94.468 Unfälle mit Personenschaden registriert, an denen Fahr-radfahrer*innen beteiligt waren, das war ein knappes Drittel (32,4 Prozent) aller Unfälle mit Personenschaden.


(jw)


Mobilitätsstudie von Linexo by Wertgarantie

Was hindert Deutsche am Radfahren?

Für eine Mobilitätsstudie hat Linexo by Wertgarantie in Zusammenarbeit mit Statista rund 5000 Personen befragt. Die Ergebnisse daraus wurden jetzt veröffentlicht.

Fahrrad und E-Bike sind wichtige Bausteine bei der Verkehrswende und der nachhaltigen Mobilität. Gleichwohl ist immer noch viel Luft nach oben, dies voranzutreiben. 51,4 Prozent der Deutschen nutzen ihr E-Bike und 46 Prozent das Fahrrad, um umweltschonend unterwegs zu sein, geht aus der neu veröffentlichten Studie hervor. Für nahezu die Hälfte aller E-Bike- und immerhin 46 Prozent der Fahrradfahrenden ist das Zweirad eine Alternative zum Pkw und ÖPNV.
Nachhaltigkeit beginnt jedoch bereits bei der Anschaffung des Bikes: Ein gutes Drittel der E-Biker*innen achtet auf Herkunft und Produktionsweise; beim Fahrrad sind es knapp 30 Prozent. Doch nur etwa 40 Prozent der Fahrrad- und gut 36 Prozent der E-Bike-Fahrenden würden mehr Geld für ein nachhaltig hergestelltes Rad zahlen. „Bike-Leasing könnte die Lücke zwischen Umweltbewusstsein und nachhaltiger Konsumentscheidung schließen“, stellt Sören Hirsch, Bereichsleitung Bike bei Linexo by Wertgarantie, fest. „Ohne Fahrrad und E-Bike ist klimafreundliche und aktive Mobilität nicht mehr denkbar“.
Der Anteil der Lastenrad-Fahrenden unter den Befragten ist mit rund 10 Prozent noch gering. Das Interesse ist weitaus größer: Etwa 15 Prozent derjenigen, die bislang kein Lastenrad haben, zeigen großes Interesse – jedoch schrecken nahezu 70 Prozent vor den hohen Anschaffungskosten zurück. Die Bereitschaft zu klimafreundlicher Mobilität fällt damit wirtschaftlichen Bedenken zum Opfer.


(jw)


Minister Wissing rudert zurück

STVZO-Verschärfung für Fahrradanhänger offenbar vom Tisch

Die Hersteller von Fahrradanhängern gingen auf die Barrikaden, als die Pläne des Verkehrsministeriums hinsichtlich einer Verschärfung für die Nutzung von Fahrradanhängern publik wurden. Die Bedenken wurden offenbar erhört.

Pläne des Verkehrsministeriums, die StVZO so zu ändern, dass für die Nutzung von Fahrradanhängern ab einem bestimmten Gesamtgewicht eine Auflaufbremse zwingend vorgeschrieben ist, sind zwischenzeitlich wieder vom Tisch. Nachdem die Pläne bekannt wurden, formierte sich Widerstand – und unter Führung von Peter Hornung vom Anhängerhersteller Hinterher wurde argumentativ eine PR-Kampagne aufgesetzt, die auf die Folgen einer solchen Verschärfung in der Praxis hinwies. Zudem wurde eine Petition auf der Kampagnen-Website Campact gestartet, die 83.000 Menschen unterschrieben. „Das ist ein toller Achtungserfolg“, erklärt Peter Hornung.
Auch politisch hat der Druck aus der Industrie und Bevölkerung wohl gewirkt. Spiegel Online zitiert dazu eine Sprecherin des Ministeriums. Demnach werde es lediglich bei einer „Empfehlung“ bleiben. Das Ziel der verschärften Vorschrift sei es gewesen, die Sicherheit der Nutzung von Fahrradanhängern im Straßenverkehr zu erhöhen.

(jw)


Bilder: Markus Franke – Argus Stadt und Verkehr, Yunex Traffic, Tier Mobility, Hinterher.com