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Umfrage: Zusammenarbeit zwischen Fachämtern

(erschienen in VELOPLAN, Nr. 04/2025, Dezember 2025)


Jörn Büttner

Radverkehrsbeauftragter Stadt Aschaffenburg

Die Zusammenarbeit mit den verschiedenen Fachämtern funktioniert im Rahmen der Radverkehrsförderung gut beziehungsweise sogar sehr gut, wenn wir dies mit Berichten aus anderen Kommunen vergleichen. Es gibt eine breite Basis in der Verwaltung, im Stadtrat und in der Stadtgesellschaft für eine verstärkte Radverkehrsförderung. Damit ist auch ein grundsätzlicher Auftrag verbunden, dass die Verwaltung tätig wird und konkrete Maßnahmen umgesetzt werden.
Dafür wurden auch Strukturen geschaffen: Ein Radverkehrskonzept aus 2015 bildet die inhaltliche Basis. Personell wurde aufgestockt mit einem Radverkehrsbeauftragten im Planungsamt und mit einem Bauingenieur im Tiefbauamt, die sich beide hauptberuflich in Vollzeit ausschließlich mit diesem Thema beschäftigen. Auch das verfügbare jährliche Budget wurde erhöht und eine eigene Haushaltsstelle „Radverkehr“ für Investitionen geschaffen. Mit dem Fahrradforum, das zweimal jährlich tagt, werden die Interessensverbände und engagierte Bürgerinnen und Bürger beteiligt. Es gibt regelmäßigen Austausch zwischen den Fachämtern der Verwaltung und der Polizei. Sowohl projektbezogen als auch in festen Meetings und Formaten. Durch personelle Konstanz gibt es eine gute persönliche Basis zu den Kolleginnen und Kollegen, sodass auch mal Meinungsverschiedenheiten transparent und zielführend diskutiert werden können. Am Ende ist es wichtig, dass eine Lösung für jede Aufgabe und Maßnahme gefunden wird, die dann von allen Beteiligten akzeptiert und mitgetragen wird.

Ulrike Zimmermann

Radverkehrsbeauftragte Jena

Die Zusammenarbeit ist grundsätzlich gut. Wenn ein Projekt startet, findet bei uns in der Regel eine Auftaktberatung mit den an der Planung beteiligten Fachdiensten und Eigenbetrieben statt. Unterschiedliche Auffassungen werden offen kommuniziert und es wird nach einer realisierbaren Lösung gesucht, manchmal als Kompromiss, manchmal im Konsens. Problematisch kann die unterschiedliche Priorisierung von Projekten sein.
Ich denke, Teamwork muss nicht reibungslos, sondern nur „reibungsarm“ und mit gegenseitigem Respekt erfolgen. Wichtig ist es, nicht nur Probleme zu benennen, sondern in weiteren Schritten diese Probleme zu lösen, um ein Projekt zum Erfolg zu bringen. Gerade in der Radverkehrsplanung ist es zudem wichtig, engagierte Bürgerinnen einzubinden. Die Balance zwischen fachlich begründetem Verwaltungshandeln, direkter Beteiligung betroffener Bügerinnen und kommunaler politischer Willensbildung zu finden, ist anspruchsvoll, sollte aber erklärtes Ziel sein.

Jürgen Möllers

Fahrradbeauftragter Köln

In meinem Arbeitsalltag erlebe ich die Zusammenarbeit zwischen den unterschiedlichen Fachämtern unserer Kommune als sehr gemischt. Einerseits gibt es viele engagierte Kolleginnen und Kollegen, die offen kommunizieren und gemeinsam nach Lösungen suchen. Andererseits zeigen sich immer wieder Schwierigkeiten, vor allem dann, wenn die Zielsetzungen der einzelnen Ämter auseinandergehen oder unterschiedliche Interessen im Vordergrund stehen. Oft fehlt ein gemeinsames Verständnis darüber, was Priorität hat, und das kann Projekte deutlich verlangsamen. Aus meiner Sicht sind Transparenz und frühzeitige Abstimmung die wichtigsten Erfolgsfaktoren für reibungsloses Teamwork. Wenn alle Beteiligten von Beginn an einbezogen werden und klar ist, wer welche Aufgaben und Verantwortlichkeiten trägt, lassen sich Missverständnisse vermeiden. Ebenso wichtig ist die Bereitschaft, verschiedene Wege auszuprobieren und flexibel auf neue Situationen zu reagieren. Zusammenarbeit bedeutet nicht, dass immer alle einer Meinung sind – entscheidend ist, dass trotz Widerständen ein gemeinsamer Lösungswille vorhanden bleibt. Nur so kann interdisziplinäres Arbeiten in der Verwaltung wirklich gelingen.

Gregor Gaffga

Radverkehrsbeauftragter Konstanz

Eine gute Zusammenarbeit zwischen den Fachämtern ist wesentlich für eine gelingende, systematische Radverkehrsförderung, da ein Amt allein nicht die Kenntnisse und in der Regel auch nicht die personellen Ressourcen hat, alle Felder der Radverkehrsförderung allein zu bespielen. Die Zusammenarbeit gelingt dann gut, wenn die Beteiligten in den Fachämtern die Ziele der Verkehrswende unterstützen und motiviert sind, gute Lösungen für den Radverkehr zu entwickeln und ihn bei allen Maßnahmen mitzudenken. Eine Offenheit gegenüber neuen Ideen und Lösungsansätzen ermöglicht es, gemeinsam passgenaue Lösungen zu finden und diese erfolgreich in die Umsetzung zu bringen. Wenn es gelingt, formale Dienstwege innerhalb des hierarchischen Verwaltungsaufbaus hinter sich zu lassen und die gemeinsame Suche nach Lösungen über die Diskussion um Zuständigkeiten zu stellen, fördert das die ämterübergreifende Zusammenarbeit.

Dirk Büschke

Radverkehrsbeauftragter Erfurt

In meinem Arbeitsalltag als Radverkehrsbeauftragter erlebe ich die Zusammenarbeit zwischen den Fachämtern als von zwei Seiten geprägt: Einerseits erschwert meine Funktion als Stabstelle im Dezernat Bau, Verkehr und Umwelt die Kommunikation, da vielen nicht eindeutig ist, wann und wie meine Beteiligung vorgesehen ist. Andererseits ermöglicht genau diese Struktur, das Thema Radverkehr strategisch und ämterübergreifend zu verankern.
Der zentrale Erfolgsfaktor – und zugleich häufigster Reibungspunkt – ist die Kommunikation. Viele Fachbereiche bearbeiten Projekte lange in Eigenregie und beziehen andere Stellen erst spät ein. Das führt zu Verzögerungen, Doppelstrukturen oder Zielkonflikten. Gerade in Kommunen entstehen parallel zahlreiche Konzepte, deren Inhalte sich mitunter widersprechen und dennoch von der Politik beschlossen werden.
Für reibungsloses Teamwork braucht es daher eine frühzeitige, klare und kontinuierliche Abstimmung. Wichtig sind gemeinsame Zielbilder, transparente Prozesse sowie das Verständnis dafür, dass unter den Bedingungen des Fachkräftemangels jede Beteiligte und jeder Beteiligte ausreichend Zeit zur Meinungsbildung benötigt. Nur mit offener Kommunikation und abgestimmten Zielen gelingt eine effektive Zusammenarbeit.
Zielführend erscheint es mir auch, gemeinsame Schulungen, wie in meinem Fall zum Thema Verkehrswende zu besuchen. Als Team müssen wir alle gemeinsam die Vorteile, aber auch die Grenzen einer Verkehrswende kennenlernen.

Ferdinand Teepe

Radverkehrsbeauftragter Landkreis Schaumburg

Die Förderung des Radverkehrs hat in den vergangenen Jahren auch in ländlichen Gebieten stark an Dynamik gewonnen. Dies führt einerseits zu höheren Erwartungen der Bevölkerung, andererseits zu neuen Herausforderungen durch komplexe Zuständigkeiten in der Infrastrukturplanung. Der Landkreis Schaumburg hat sich auf den Weg gemacht, die Mobilität nachhaltig zu entwickeln. Hierfür wurden Konzepte zum Klimaschutz, zur integrierten Mobilität und zum Radverkehr gemeinsam erarbeitet.
Bei der konkreten Lösungsfindung für Straßenabschnitte und Ortsdurchfahrten werden jedoch oft unterschiedliche fachliche Perspektiven und organisatorische Logiken deutlich. Die Pläne der Radverkehrsplanung lassen sich häufig nur schwer mit den rechtlichen Vorgaben in Einklang bringen, sodass innovative Lösungen dabei oft aus dem Blick geraten. Erschwerend kommen große personelle Herausforderungen hinzu, insbesondere bei der Planung neuer Radinfrastruktur und der Sanierung des Bestands.
Als wesentliche Erfolgsfaktoren haben sich dabei eine offene Kommunikation und regelmäßige Fachtreffen erwiesen. Auch Vor-Ort-Termine mit allen Beteiligten sind hilfreich und hinterlassen bleibende Eindrücke. Insgesamt ist die Zusammenarbeit von unterschiedlichen Zuständigkeiten und begrenzten Ressourcen geprägt. Doch wo der Austausch frühzeitig stattfindet und Rollen klar definiert sind, lassen sich Abstimmungsprozesse spürbar erleichtern, auch wenn die Koordination im Alltag weiterhin eine sorgfältige Abstimmung erfordert.

Elisa Straubinger

Radverkehrsbeauftragte Fürstenfeldbruck

In meinem beruflichen Alltag erlebe ich die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Fachämtern in unserer Kommune als durchweg konstruktiv. Der Umgang miteinander ist geprägt von Respekt und Wertschätzung, was eine Arbeitsatmosphäre kreiert, die durch Offenheit und gegenseitige Unterstützung überzeugt.
Unterschiedliche Sichtweisen werden nicht nur gehört, sondern aktiv eingebunden. So gelingt es uns, bei Herausforderungen dank kurzer Entscheidungswege und großer Hilfsbereitschaft rasch zu pragmatischen Lösungen zu kommen.
Für mich bilden Vertrauen, Transparenz und eine offene Kommunikationskultur die zentralen Grundlagen für ein reibungsloses Teamwork. Wenn alle Beteiligten ein gemeinsames Ziel verfolgen und die Motivation spürbar hoch ist, entsteht eine Dynamik, die Projekte im Bereich Radverkehr nicht nur effizienter, sondern auch kreativer vorantreibt. Ich empfinde es als großes Glück, Teil eines so engagierten und unterstützenden Umfelds zu sein.


Bilder: A. Klotz – OrangeProduction.de, Stadt Jena – T. Hegenbart, Stadt Konstanz, Ferdinand Teepe, Stadt Fürstenfeldbruck