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Velo-City 2026 in Rimini: Mobilitätswende an der Adria

Wenn sich vom 16. bis 19. Juni 2026 die internationale Fahrrad- und Mobilitätsbranche in Rimini trifft, kehrt der bedeutendste globale Kongress für Radverkehr erstmals seit 1991 wieder nach Italien zurück. Die Velo-City, veranstaltet von der European Cyclists’ Federation (ECF), gilt seit 1980 als wichtigstes globales Forum für aktive Mobilität sowie als Impulsgeber für Politik, Planung und Innovation im Bereich nachhaltiger urbaner Verkehrssysteme.

(erschienen in VELOPLAN, Nr. 01/2026, März 2026)


Etwa 1600 Delegierte aus über 60 Ländern werden in Rimini erwartet – darunter politische Entscheidungsträgerinnen, Stadtplanerinnen, Wissenschaftlerinnen, Verbände und Vertreterinnen der Fahrradindustrie. In rund 80 Fachsessions mit über 400 Referent*innen werden Strategien, Best Practices und aktuelle Forschungsergebnisse zur Förderung des Radverkehrs diskutiert.
Die Velo-City versteht sich dabei als umfassende Plattform, die Städte und Regionen befähigt, Radverkehr als zentralen Bestandteil moderner Mobilitätssysteme zu entwickeln und die Transformation des öffentlichen Raums in die Praxis umzusetzen.

Die Lage des Veranstaltungsortes bildet den Kontrast zwischen historischer Altstadt und Strandleben in Rimini ab.

Urbane Träume sollen konkret werden

Das offizielle Jahresthema „Delivering the Urban Dream“ betont den Übergang von politischen Visionen zu konkreten Maßnahmen. Im Mittelpunkt stehen Strategien, die die Lebensqualität städtischer Räume steigern, Klimaanpassung fördern und Mobilität sozial gerechter machen – wobei Radverkehr als Schlüsselinstrument gilt. Der Kongress rückt dabei politische Führungsstärke, langfristige Planung, integrierte Mobilitätskonzepte und enge Bürgerbeteiligung in den Fokus.
Die Botschaft: Urbane Transformation gelingt nicht durch Einzelmaßnahmen, sondern nur durch vernetzte Mobilitätsstrategien, strategische Governance und dauerhafte Investitionen.

Prominente Stimmen

Zu den bereits angekündigten Sprecher*innen gehören zahlreiche internationale Entscheidungsträgerinnen und Experten verschiedener Disziplinen. Genannt werden unter anderem Yoko Alender (ehemalige Klimaministerin Estlands), Francesca Racioppi (WHO), Laurianne Krid (ECF) sowie Britta Dürscheid (Google). Ihre Vielfalt steht stellvertretend für die Interdisziplinarität der Velo-City, die Mobilitätspolitik, Gesundheitsforschung, Technologie und Stadtplanung eng miteinander verzahnt.

Warum Rimini?

Rimini wurde von der ECF nicht zufällig ausgewählt. Die Stadt an der Emilia-Romagna-Küste hat in den vergangenen Jahren eine bemerkenswerte Transformation durchlaufen: von einer stark autoorientierten Tourismusstadt hin zu einem Modell nachhaltiger Stadtentwicklung (siehe auch Bericht Porträt Rimini). Die 15 Kilometer lange Uferpromenade wurde zu einem „Urban Sea Park“ umgestaltet und bietet heute neue Grünflächen, Rad- und Fußwege, Sportbereiche und öffentlichen Raum mit hoher Aufenthaltsqualität. Parallel dazu hat Rimini sein Radwegenetz ausgebaut und verfolgt das Ziel, innerhalb eines Jahrzehnts 50 Prozent aller Wege über Rad, Fuß und öffentlichen Verkehr abzuwickeln.
Diese tiefgreifenden strukturellen Veränderungen machen Rimini zu einem Beispiel für erfolgreiche urbane Regeneration – und zu einem inspirierenden Gastgeber für diesen Weltkongress. Auch die Region Emilia Romagna hat in den vergangenen Jahren massiv in ihre Rolle als fahrradfreundliches Reiseziel investiert und unterstützt das Event als Teil einer langfristigen nachhaltigen Tourismusstrategie.

Themenvielfalt mit fachlicher Tiefe

Das vorläufige Programm umfasst mehr als 80 Sessions, die sich in thematische Stränge wie Infrastrukturplanung, Verkehrssicherheit, Mobilitätsmanagement, urbane Gesundheit, Tourismus, Daten & Digitalisierung sowie Kommunikation gliedern. Die hohe Zahl an eingereichten Abstracts zeigt, welchen Stellenwert die Velo-City als weltweit führende Wissensplattform einnimmt.
Besonders die italienischen Organisatoren, allen voran die federführende Federazione Italiana Ambiente e Bicicletta (FIAB), betonen den Anspruch, mit der Ausgabe 2026 eine Debatte zu stärken, die weit über Italien hinausreichen soll: Mobilität müsse als Grundrecht verstanden und flächendeckend in den Dienst gesünderer, sichererer und attraktiverer Städte gestellt werden.

Der fachliche Austausch in Podiumsdiskussionen und die begleitenden Ausstellungen, wie hier bei der letzten Veranstaltung in Gdansk, nehmen bei Velo-City einen prominenten Raum ein.

Erlebnisorientiertes Rahmenprogramm

Neben der fachlichen Arbeit setzt die Velo-City traditionell auf ein Rahmenprogramm, das die Themen des Kongresses erlebbar macht. Höhepunkt in Rimini ist eine Bike-Parade am Abend des 17. Juni, die Teilnehmende und Bürger*innen gemeinsam durch die Altstadt und entlang der Küste führt und ein sichtbares Symbol für die Verbindung von Konferenz und Stadtgesellschaft werden soll.
Ein Bike Village an der Piazzale Fellini, ein Networking Dinner in der Altstadt und eine Ausstellung mit über 100 internationalen Ausstellern runden das Programm ab und bieten Möglichkeiten für Austausch, Produktinnovationen und Kooperationen.

Impulsgeber für Italien und die Welt

Die Organisatorinnen verfolgen das Ziel, dass Velo-City 2026 zu einem Katalysator für weitreichende Veränderungen wird. Die FIAB spricht von einer möglichen „politischen Initialzündung“ für mutigere Entscheidungen in der italienischen Mobilitätspolitik – darunter der Ausbau sicherer Infrastruktur, Maßnahmen für Verkehrssicherheit, eine stärkere Rolle des Radverkehrs im Klimaschutz und die Aufwertung urbaner Räume. Gleichzeitig biete Velo-City europäischen Städten eine Plattform, voneinander zu lernen und die Umsetzung der Mobilitätswende grenzüberschreitend zu beschleunigen. Mit ihrer Kombination aus hochkarätigen Expertinnen, einem klaren thematischen Fokus und einer Stadt, die selbst einen tiefgreifenden Wandel demonstriert, hat die Velo-City auch in ihrem 47. Jahr einmal mehr das Potenzial, zu einem wegweisenden Ereignis zu werden. Sie will zeigen, wie Mobilitätswende nicht nur geplant, sondern konkret erlebbar gemacht werden kann – im urbanen Raum, in der politischen Debatte und in der alltäglichen Mobilitätskultur. Rimini bietet dafür nicht nur die passende Kulisse, sondern ein lebendiges Beispiel dafür, wie eine Stadt fahrradfreundliche Transformation aktiv gestalten kann.


Bilder: velo-city-conference.com