VELOPLAN Titel 01-2021

VELOPLAN Editorial Nr. 1/2021 – Schwerpunkt Anpacken von Reiner Kolberg, Chefredakteur

Reiner Kolberg - Chefredakteur VELOPLAN

Anpacken. Jetzt.

In den vergangenen VELOPLAN-Ausgaben haben wir uns mit scharf umrissenen Themenschwerpunkten befasst. Darunter Planung, Gesundheit, Tourismus und Zukunft. Denn ohne eine gesunde Basis und ein tieferes Verständnis der Zusammenhänge bleibt vieles nur Meinung und eine Einladung zum „Neinsagen“ für alle. Dabei ist es in vielen Bereichen enorm wichtig, gründlich abzuwägen und zu diskutieren. Die Entwicklung und Gestaltung des Verkehrs ist ein langfristiges Projekt, dabei muss der Blick über die nächste Umfrage oder Wahl hinausreichen. Mancher wird nun einwenden: Machen wir das nicht schon? Wir setzen uns doch Ziele, oder? Problematisch wird es allerdings, wenn wir anfangen, Zielsetzungen mit Maßnahmen zu verwechseln. Das lernen wir gerade bei Corona und dem Umgang mit der Klimakrise. Denn sowohl den Viren als auch der Erde und dem Klima sind unsere pragmatisch, logisch oder ideologisch motivierten Ziele, unsere Pläne und unser Tun oder Nicht-Tun letztlich egal.

Aber zurück zum Thema Mobilität und (Rad-) Verkehr: Sind wir hier auf einem guten Weg? Die aktuellen Zahlen sagen klar „Nein“. Im Bereich Verkehr wurden die Emissionen nicht wie 2015 im Pariser Klimaabkommen vereinbart reduziert, sie sind gestiegen und die Pkw-Dichte in Deutschland nahm zwischen 2009 und 2019 um zwölf Prozent zu. Und das im Jahr 2012 im „Nationalen Radverkehrsplan 2020“ verankerte Ziel von 15 Prozent Radverkehrsanteil im Jahr 2020, also ein geplanter Zuwachs von immerhin 50 Prozent in 8 Jahren? Krachend mit einem Plus von lediglich 10 Prozent gescheitert – trotz neuer E-Bike-Technik.

Die gute Nachricht: Geld für mehr Radverkehr ist inzwischen da und es bewegt sich etwas. Endlich. Zeit also, um entschlossen anzupacken. Paris geht mit breiter Unterstützung von allen Seiten der Politik und der Bevölkerung mit großen Schritten Richtung Transformation (S. 12), NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst (CDU) will ein Gesetz zur Förderung von Nahmobilität und Radverkehr und 25 Prozent Radverkehrsanteil (s. Interview S. 26), die Deutsche Bahn setzt auf eine Bike+Ride-Offensive (S. 38) und Bremen macht trotz knapper Kassen einfach erfolgreich weiter beim Radverkehr (S. 46).

Prof. Dr. Klaus Töpfer, ehemaliger Exekutivdirektor des Umweltprogramms der Vereinten Nationen und von 1987 bis 1994 Bundesumweltminister in der Regierung Kohl, hat auf dem Vivavelo-Kongress der Fahrradbranche 2016 in Berlin in einer mitreißenden Rede für mehr Engagement der Politik einen Satz zitiert, der mich bis heute begleitet: „Die beste Zeit, einen Baum zu pflanzen, war vor zwanzig Jahren. Die nächstbeste Zeit ist jetzt.“

In diesem Sinne: Packen wir‘s an!

Ihr Reiner Kolberg – rk@veloplan.de

Wir freuen uns auf Ihr Feedback. Auch Gastbeiträge sind nach Absprache gerne willkommen. Die nächste Ausgabe erscheint Mitte Juni. Schwerpunkt: „NEUES DENKEN“

Das VELOPLAN Fachmagazin für Radverkehr und Mikromobilität adressiert folgende Leserzielgruppen:

  • Mitarbeiter in der kommunalen (Rad-)Verkehrsplanung
  • politische Entscheider in Bund, Länder und Kommunen
  • Radverkehrsbeauftragte in Betrieben und
  • Wohnungsbaugesellschaften
  • Anbieter von Infrastrukturlösungen rund um den Radverkehr
  • Dienstleister für urbane Logistik
  • Anbieter von Sharing-Systemen
  • NGOs und NPOs zu Radverkehr und Nachhaltigkeit
  • Verkehrsbetriebe
  • Agenturen, Berater, Architekten, Ingenieur- und Planungsbüros
  • Fahrradhersteller

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