VELOPLAN 1/2026 – Editorial

Schwerpunkt: International

Austausch lohnt sich immer

Der globale Radverkehr ist vielfältiger, widersprüchlicher und politischer, als es die europäische Sichtweise manchmal nahelegt. Während wir über Radschnellwege, geschützte Kreuzungen und Lastenradförderprogramme diskutieren, ist das Fahrrad in vielen Regionen der Welt ein existenzielles Verkehrsmittel: Werkzeug, Einkommensquelle, Zugang zu Bildung und Gesundheitsversorgung. In manchen Städten steht Radverkehrspolitik im Spannungsfeld von informeller Ökonomie, rasantem Wachstum und sozialer Ungleichheit. Mancherorts ist Radfahren zugleich marginalisiert und unverzichtbar.

Im Austausch mit Radverkehrsakteuren aus anderen Ländern gilt es deshalb stets, die Schnittmenge an Themen zu identifizieren, die beide beziehungsweise alle Seiten beschäftigen. Diese wird mal größer und mal kleiner ausfallen, so viel ist sicher. Aber ich bin der Ansicht, dass es sie immer geben wird.

Mit manchen Akteuren kann man sich über ganz konkrete Umsetzungen von Radinfrastruktur unterhalten. Mit wieder anderen geht es vielleicht eher um radkulturelle Fragen und die Aufgabe, das Image des Radverkehrs aufzupolieren.

Mitunter können eine internationale Perspektive und das Rückbesinnen auf die etwas grundsätzlicheren Fragen des Radverkehrs die Chance bieten, das Fahrrad wieder als das zu begreifen, was es weltweit ist: ein radikal einfaches, demokratisches Verkehrsmittel. Es verbindet Kontinente, Milieus und Generationen. Es passt sich an – an Topografien, an Ökonomien, an Kulturen.

Wer sich auf internationalen Bühnen über den Radverkehr austauscht, kann schnell feststellen, dass die europäische Perspektive zu dem Thema eine dominante Rolle einnimmt. Umso mehr ist es in Gesprächen mit nicht-europäischen Radverkehrsakteuren wichtig, ein wirklich offenes Ohr zu haben und nicht einfach die europäischen Best Practices als universelle Blaupause festzuschreiben.

Die systematische Förderung des Radverkehrs in Europa hat Maßstäbe gesetzt. Aber Internationalität beginnt dort, wo wir anerkennen, dass Lösungen kontextgebunden sind. Eine geschützte Radspur nach niederländischem Vorbild ist kein Selbstzweck. In manchen Städten sind zunächst sichere Abstellanlagen, Verkehrsberuhigung oder die rechtliche Anerkennung von informellen Transportdiensten wichtiger. In anderen Regionen ist der Zugang zu erschwinglichen Fahrrädern entscheidend – inklusive Reparaturinfrastruktur und Ausbildung.

Wir hoffen, dass wir mit dieser Ausgabe von Veloplan ein Stück weit dazu beitragen können, die unterschiedlichen internationalen Realitäten im Radverkehr erlebbar zu machen, und wünschen Ihnen viel Spaß beim Lesen.

Ihr Sebastian Gengenbach – sg@fwv.de

Das VELOPLAN Fachmagazin für Radverkehr und Mikromobilität adressiert folgende Leserzielgruppen:

  • Mitarbeiter in der kommunalen (Rad-)Verkehrsplanung
  • politische Entscheider in Bund, Länder und Kommunen
  • Radverkehrsbeauftragte in Betrieben und
  • Wohnungsbaugesellschaften
  • Anbieter von Infrastrukturlösungen rund um den Radverkehr
  • Dienstleister für urbane Logistik
  • Anbieter von Sharing-Systemen
  • NGOs und NPOs zu Radverkehr und Nachhaltigkeit
  • Verkehrsbetriebe
  • Agenturen, Berater, Architekten, Ingenieur- und Planungsbüros
  • Fahrradhersteller