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VELOPLAN Editorial Nr. 2/2020 – Schwerpunkt Gesundheit

Reiner Kolberg - Chefredakteur VELOPLAN

Window of Opportunity

Viele sagen, dass die Corona-Krise Themen in den Vordergrund rückt, die eigentlich längst da waren, virulent waren, könnte man fast sagen. Mir läuft dabei nach wie vor die Aussage eines Mitarbeiters des Verkehrsministeriums nach, dass man sich mit dem Thema Gesundheit nicht auch noch beschäftigen könne. Sicher ging das wohl vielen so, im Beruflichen wie im Privaten. Aber hat sich nicht unterschwellig schon längst auch ein Unwohlsein breitgemacht angesichts der sichtbaren und spürbaren Erderhitzung, übervoller Städte, gesundheitsschädlicher Luftschadstoffe und der weiter ungebremst hohen Zahl von Unfallopfern gerade bei ungeschützten Menschen? Von der persönlichen Fitness und dem in unserer Gesellschaft weitverbreiteten Bewegungsmangel ganz zu schweigen.
Stefan Gössling spricht im Interview (S. 14) von einem Window of Opportunity, um auch langfristig mehr Menschen aufs Fahrrad zu bringen und stellt den bezifferbaren gesellschaftlichen Nutzen von Radfahren heraus. Mit Lucy Saunders (S. 22) haben wir mit Blick auf das Healthy-Streets-Konzept über den vielfach aus dem Fokus geratenen Zusammenhang zwischen Verkehr und Gesundheit bzw. konkret Bewegung gesprochen. Blickt man näher auf die Zusammenhänge (ab S. 38) und die Aussagen von Sportwissenschaftlern zu Kindern und Jugendlichen, dann verstärkt sich das Unwohlsein. Noch ernster wird es mit einem genaueren Blick auf die Verkehrsopfer (ab S. 50). Hier wollten wir nicht nur auf Statistiken, Ursachen und Lösungsmöglichkeiten schauen, sondern auch den „schnell vergessenen“ Schwerstverletzten stellvertretend ein Gesicht geben. 15.000 Menschen, 15.000 Schicksale – jedes Jahr. Was kann man tun? Vielleicht sollten wir ja etwas mehr auf Wissenschaftler und Experten hören, wie zum Beispiel Siegfried Brockmann (Interview S. 59), der sich im Auftrag der Versicherungswirtschaft seit Jahren für mehr Sicherheit auf den Straßen einsetzt. Zumindest bei Corona scheint das ja eine tragfähige und sinnvolle Strategie zu sein. Vielleicht hilft ja auch ein Blick auf Best-Practice bei unseren Nachbarn in den Niederlanden (S. 32), die auch nicht immer eine Nation von Radfahrern waren.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine inspirierende Lektüre.
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Reiner Kolberg – rk[at]veloplan.de

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