VELOPLAN 2/2026 – Editorial

Schwerpunkt: Gesundheit

Volksmedizin Fahrrad

Wenn es das Fahrrad noch nicht gäbe, man müsste es erfinden. Es würde damit ein Sportgerät erfunden werden, das nicht nur regelmäßig ein Millionenpublikum vor den Bildschirmen und an den Rennstrecken fesselt, sondern auch Volkssport Nr. 1 wäre. Es würde ein Gerät erfunden werden, ohne das es für Kinder kaum denkbar wäre, autonome Mobilität zu entwickeln. Wir würden eine Mobilitätsform gewinnen, die Städte von Lärm und Stau befreien könnte und dabei auch noch einen wesentlichen Beitrag zur Dekarbonisierung des Verkehrs leistet. Wir würden nicht zuletzt ein Wirtschaftsgut erschaffen, das für den Standort Deutschland von oft unterschätzter Bedeutung wäre. Ganz zu schweigen von der Bedeutung für die Tourismuswirtschaft oder die innerstädtische Nahlogistik.
Was für ein Glück, dass das Fahrrad vor etwas über 200 Jahren bereits erfunden wurde und dessen oben beschriebene Segen für die Gesellschaft längst selbstverständlich sind. Angesichts so vieler positiver Eigenschaften gerät oft in den Hintergrund, welche großartige Folgen der Radverkehr für die Gesundheit einer Bevölkerung hat. Mit dieser Ausgabe von Veloplan wollen wir diesen Aspekt wieder in den Vordergrund schieben. Und hier fangen wir an: Die dänische Langzeitstudie Copenhagen City Heart Study besagt, dass Menschen, die täglich mit dem Fahrrad in die Arbeit fahren, ein bis zu 40 Prozent geringeres Risiko eines vorzeitigen Todes haben.
Eine weitere dänische Studie des dortigen Arbeitgeberverbands hat berechnet, dass 10 Prozent mehr Radverkehr zu rund 267.000 weniger Krankheitstagen führen. Jeder gefahrene Radkilometer senkt die Gesundheitskosten der Bevölkerung um 0,16 Euro.
In Utrecht wiederum wurde ermittelt, dass der konsequente Umbau zu einer fahrradfreundlichen Stadt die Lebenserwartung der Bevölkerung um sechs Monate verlängert hat. In der zugrunde liegenden Studie der Universität Utrecht wurde darüber hinaus ermittelt, dass der volkswirtschaftliche Nutzen einer fahrradfreundlichen Verkehrspolitik landesweit mit 19 Milliarden Euro beziffert werden kann, rund 3 Prozent des nieder­ländischen Bruttoinlandsprodukts.

Wenn nun in Deutschland gerade wieder vermehrt über die Finanzierung unseres Gesundheitssystems diskutiert wird, wundere ich mich ein wenig, warum nicht in jedem zweiten Satz das Fahrrad als Entlastung des Systems vorkommt.
Doch ehrlicherweise muss ich sagen, dass auch wir als Fahrradlobby das Thema Gesundheit nicht gerade häufig in den Mund nehmen. Womit wir wieder bei den eingangs erwähnten, zahlreichen anderen Argumenten für den Radverkehr wären, die vielleicht mitunter etwas weniger sperrig klingen. Auf den folgenden Seiten laden wir Sie nun ein, die vielen spannenden Facetten der Gesundheit beim Radfahren zu entdecken.

Ihr Markus Fritsch – mf@fwv.de

Das VELOPLAN Fachmagazin für Radverkehr und Mikromobilität adressiert folgende Leserzielgruppen:

  • Mitarbeiter in der kommunalen (Rad-)Verkehrsplanung
  • politische Entscheider in Bund, Länder und Kommunen
  • Radverkehrsbeauftragte in Betrieben und
  • Wohnungsbaugesellschaften
  • Anbieter von Infrastrukturlösungen rund um den Radverkehr
  • Dienstleister für urbane Logistik
  • Anbieter von Sharing-Systemen
  • NGOs und NPOs zu Radverkehr und Nachhaltigkeit
  • Verkehrsbetriebe
  • Agenturen, Berater, Architekten, Ingenieur- und Planungsbüros
  • Fahrradhersteller