VELOPLAN 4/2025 – Editorial

Schwerpunkt: Teamwork

Der Blick Richtung Horizont

Wenn ein Jahr sich dem Ende zuneigt, ist das in meinen Augen immer eine schöne Gelegenheit, die vergangenen Monate Revue passieren zu lassen. Für mich persönlich war das Jahr 2025 ziemlich aufregend. Das lag zu einem großen Teil daran, dass ich vor wenigen Monaten geheiratet habe. Aber warum erzähle ich Ihnen das? Während wir diese Ausgabe vorbereitet haben, musste ich immer wieder daran denken, wie meine Frau und ich in den Tagen nach unserem wunderbaren Fest Geschenke auspacken und vor allem Karten lesen durften. Ich habe keine Strichliste geführt, schätze aber, dass ein zweistelliger Prozentsatz der Motive auf diesen Karten Illustrationen oder Fotos von Tandems, also Fahrrädern mit zwei Sätteln, waren. Meine berufliche Beziehung zur Fahrradwelt hat sicher dazu beigetragen, dass so viele der Verfasser*innen sich für diese Art Karte entschieden. Dennoch bin ich fasziniert davon, dass gerade ein Fahrrad als verbreitetes Sinnbild für die Ehe eintritt, auch wenn nur eine lenkende Person genau genommen nicht zu einer gleichberechtigten Ehe passt (außer man wechselt
sich ab).
Für die Arbeitswelt hingegen funktioniert die Metapher ziemlich gut. Wenn man über das Tandemfahren nachdenkt, kann man viele Parallelen zu Teamwork, dem Schwerpunktthema dieser Ausgabe, finden. Genau wie die Person auf dem vorderen Sattel fürs Lenken zuständig ist, gibt es in den meisten Teams jemanden, der in der Entscheidungshierarchie über den anderen Team-Mitgliedern steht. Diese Person kann selbst festlegen, in welche Richtung sie steuern will. Sie kann Ziele allein setzen oder sie mit anderen im Team abstimmen. Sie kann transparent kommunizieren, was direkt vor einem liegt, oder die Person hinten im Dunklen lassen.
Die Recherche zu dieser Ausgabe hat mir wie keine vor ihr gezeigt, wie sehr im Fahrradkosmos alle in einem Boot oder – um bei der Metapher zu bleiben – auf demselben langen Mehrpersonenfahrrad sitzen. Akteure wie der ADFC oder Velokonzept beweisen eindrücklich, wie die Arbeit fürs Fahrrad und für mehr Radverkehr Dienstleister, die Zivilgesellschaft, die Industrie, Wissenschaft, Verbände, Handel, Ämter, Ministerien und viele mehr verbindet.
Mein Job als Journalist ist explizit darauf ausgelegt, mit diesen Akteuren in den Austausch zu gehen. Das ist insofern ein Privileg, als man verschiedene Standpunkte kennenlernt und manchmal die Gelegenheit hat, sie zusammenzubringen. Auch deswegen empfehle ich, sich ab und zu selbst aus dem Sattel zu erheben, nach vorne und hinten zu blicken und das Gespräch mit Menschen zu suchen, die etwas weiter weg sitzen, aber doch für das gemeinsame Ziel antreten. Das kann dabei helfen, mit neuer Kraft zu pedalieren. Wenn zu viele Menschen auf dem Mehrpersonenfahrrad nachlassen, verliert es an Geschwindigkeit und droht je nach Steigung sogar ganz zu stoppen.
Kern einer funktionierenden Team-Arbeit, das zeigt sich an verschiedenen Stellen in diesem Heft, ist eine transparente, klare und versöhnliche Kommunikation. Für mich bedeutet das vor allem, Diskussionen zu kultivieren sowie einander ausreden zu lassen und richtig zuzuhören. Ich hoffe, dass Sie aus diesem Heft etwas Inspiration mitnehmen, für Ihren Blick Richtung Horizont, aber auch für Ihren praktischen Arbeitsalltag.
Bis zur nächsten Ausgabe wünsche ich Ihnen wunderbare Feiertage und einen schönen Jahreswechsel.

Ihr Sebastian Gengenbach – sg@fwv.de

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